sPESI (vereinfachter Pulmonary Embolism Severity Index)

30-Tage-Mortalitätsrisiko bei gesicherter akuter Lungenembolie

Quellen zuletzt geprüft: 2026-10-13

sPESI (vereinfachter Pulmonary Embolism Severity Index)

30-Tage-Mortalitätsrisiko bei gesicherter akuter Lungenembolie

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0 — niedriges Risiko

30-Tage-Mortalität 1,0 % (95 %-KI 0,0–2,1 %). Nach ESC 2019 und AWMF 2023 kommen diese Patienten für eine ambulante Therapie/Frühentlassung in Betracht, wenn RV-Funktion, Troponin und soziale Situation es erlauben.

Nur bei hämodynamisch stabiler, gesicherter LE. Ein sPESI von 0 erfasst keine rechtsventrikuläre Dysfunktion: Nach ESC 2019 gehören Patienten mit RV-Dysfunktion oder erhöhtem Troponin auch bei sPESI 0 in die intermediäre Risikogruppe. Jede Tumorerkrankung schließt die Niedrigrisikogruppe aus.

Quelle: Jiménez D et al. Simplification of the Pulmonary Embolism Severity Index for prognostication in patients with acute symptomatic pulmonary embolism. Arch Intern Med 2010;170(15):1383-1389.Öffnen

Interpretation

0 — niedriges Risiko30-Tage-Mortalität 1,0 % (95 %-KI 0,0–2,1 %). Nach ESC 2019 und AWMF 2023 kommen diese Patienten für eine ambulante Therapie/Frühentlassung in Betracht, wenn RV-Funktion, Troponin und soziale Situation es erlauben.
≥ 1 — kein niedriges Risiko30-Tage-Mortalität 10,9 % (95 %-KI 8,5–13,2 %). Nach ESC 2019 kein niedriges Risiko; die Leitlinie sieht eine stationäre Behandlung und die weitere Stratifizierung mit RV-Bildgebung und Troponin vor (intermediär-niedrig vs. intermediär-hoch).

Was ist der sPESI (vereinfachter Pulmonary Embolism Severity Index)?

Der vereinfachte PESI übernimmt sechs der elf PESI-Variablen und vergibt je einen Punkt. Jiménez und Kollegen entwickelten ihn an spanischen Patienten mit akuter symptomatischer LE und validierten ihn an 7106 Patienten des RIETE-Registers (Arch Intern Med 2010). Ein Score von 0 identifiziert etwa ein Drittel der Patienten mit einer 30-Tage-Mortalität um 1 %.

Wann wird er eingesetzt?

  • Gesicherte akute LE bei hämodynamisch stabilen Patienten zur Abgrenzung von niedrigem und intermediärem Risiko (ESC-Algorithmus 2019).
  • Entscheidung über Frühentlassung oder ambulante Therapie (AWMF Empfehlung 3.19).
  • Als schnelle Alternative zum vollständigen PESI.

Wann nicht?

  • Bei nur vermuteter LE — der sPESI ist prognostisch, nicht diagnostisch.
  • Hämodynamisch instabile (Hochrisiko-)LE, für die ESC 2019 unabhängig vom Score eine Reperfusionstherapie vorsieht.
  • Als alleiniges Entlasskriterium — RV-Funktion, Troponin, Komorbidität und soziale Situation zählen mit.

So wird berechnet

KriteriumPunkte
Alter > 80 Jahre+1
Tumorerkrankung+1
Chronische Herz- oder Lungenerkrankung (Herzinsuffizienz oder chronische Lungenerkrankung)+1
Herzfrequenz ≥ 110/min+1
Systolischer Blutdruck < 100 mmHg+1
Arterielle Sauerstoffsättigung < 90 %+1

Praxistipps und Grenzen

  • Nur bei hämodynamisch stabiler, gesicherter LE. Ein sPESI von 0 erfasst keine rechtsventrikuläre Dysfunktion: Nach ESC 2019 gehören Patienten mit RV-Dysfunktion oder erhöhtem Troponin auch bei sPESI 0 in die intermediäre Risikogruppe. Jede Tumorerkrankung schließt die Niedrigrisikogruppe aus.
  • Herzinsuffizienz und chronische Lungenerkrankung zählen zusammen als ein Kriterium.
  • Jede Tumorerkrankung ergibt 1 Punkt — Tumorpatienten sind nie sPESI-Niedrigrisiko.
  • ESC 2019: sPESI ≥ 1 oder sPESI 0 mit RV-Dysfunktion bzw. erhöhtem Troponin = intermediäres Risiko; beides positiv = intermediär-hoch.
  • Die Herzfrequenzgrenze liegt im Original bei ≥ 110/min (Jiménez 2010, ESC 2019).

Häufige Fragen

Was bedeutet ein sPESI von 0?

Niedriges Risiko: 30-Tage-Mortalität etwa 1 % in Derivations- und RIETE-Kohorte. Nach ESC 2019 und AWMF 2023 kommt eine Frühentlassung in Betracht, wenn RV-Funktion, Troponin und häusliche Versorgung dies erlauben.

sPESI oder PESI — was ist besser?

Die prognostische Genauigkeit ist gleich (AUC 0,75). Der sPESI ist einfacher; der PESI liefert fünf Klassen. Die ESC akzeptiert beide.

Welche Herzfrequenzgrenze gilt beim sPESI?

≥ 110/min, wie im Original (Jiménez 2010) und in Tabelle 7 der ESC-Leitlinie 2019. Abweichende Angaben in Sekundärquellen sollten am Original geprüft werden.

Evidenz und Leitlinien

  1. Primärquelle: Jiménez D et al. Simplification of the Pulmonary Embolism Severity Index for prognostication in patients with acute symptomatic pulmonary embolism. Arch Intern Med 2010;170(15):1383-1389.
  2. ESC 2019 acute PE guideline, Table 7 (original and simplified PESI) and risk-stratification algorithm.
  3. AWMF S2k 065-002 (2023), Tab. 3.6 and Empfehlung 3.19 (ambulante Therapie bei negativem sPESI).

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