PESI (Pulmonary Embolism Severity Index)
30-Tage-Mortalitätsrisiko (Klassen I–V) bei gesicherter akuter Lungenembolie
- ESC 2019 PE guideline
- Derived in the US, validated in Switzerland and France
Quellen zuletzt geprüft: 2026-10-13
PESI (Pulmonary Embolism Severity Index)
30-Tage-Mortalitätsrisiko (Klassen I–V) bei gesicherter akuter Lungenembolie
Nur bei gesicherter, hämodynamisch stabiler LE. Klasse I–II bedeutet niedriges klinisches Risiko, erfasst aber keine RV-Dysfunktion; ESC 2019 kombiniert sie mit Bildgebung/Troponin. Mortalitätsbereiche umfassen Derivations-, interne und externe Validierungskohorte.
Interpretation
| Klasse I (≤ 65) — sehr niedriges Risiko | 30-Tage-Mortalität 0–1,6 %. Niedrigrisiko-LE: ESC 2019 nennt Frühentlassung/ambulante Therapie in dieser Klasse als Option. |
|---|---|
| Klasse II (66–85) — niedriges Risiko | 30-Tage-Mortalität 1,7–3,5 %. Niedrigrisiko-LE: ESC 2019 nennt Frühentlassung/ambulante Therapie in dieser Klasse als Option. |
| Klasse III (86–105) — intermediäres Risiko | 30-Tage-Mortalität 3,2–7,1 %. Nach ESC 2019 gehören PESI-Klassen III–V zur intermediären Risikogruppe, für die die Leitlinie eine stationäre Behandlung sowie die Bestimmung von RV-Funktion und Troponin vorsieht. |
| Klasse IV (106–125) — hohes Risiko | 30-Tage-Mortalität 4,0–11,4 %. Nach ESC 2019 gehören PESI-Klassen III–V zur intermediären Risikogruppe, für die die Leitlinie eine stationäre Behandlung sowie die Bestimmung von RV-Funktion und Troponin vorsieht. |
| Klasse V (> 125) — sehr hohes Risiko | 30-Tage-Mortalität 10,0–24,5 %. Nach ESC 2019 gehören PESI-Klassen III–V zur intermediären Risikogruppe, für die die Leitlinie eine stationäre Behandlung sowie die Bestimmung von RV-Funktion und Troponin vorsieht. |
Was ist der PESI (Pulmonary Embolism Severity Index)?
Der Pulmonary Embolism Severity Index addiert das Alter in Jahren und gewichtete Punkte für zehn klinische Befunde, um die 30-Tage-Mortalität nach akuter LE abzuschätzen. Aujesky und Kollegen entwickelten ihn an 15.531 stationären Patienten in Pennsylvania (Am J Respir Crit Care Med 2005) und validierten ihn extern an Notaufnahmepatienten in der Schweiz und Frankreich. Er teilt in fünf Klassen ein; Klasse I–II gilt als niedriges Risiko.
Wann wird er eingesetzt?
- Gesicherte, hämodynamisch stabile akute LE zur Abschätzung der Kurzzeitmortalität.
- Auswahl von Kandidaten für ambulante Therapie oder Frühentlassung (Klasse I–II).
- Definition des intermediären Risikos im ESC-Algorithmus 2019 (Klasse III–V).
Wann nicht?
- Vor Sicherung der Diagnose.
- Schock oder anhaltende Hypotonie (Hochrisiko-LE).
- Als alleinige Entlassgrundlage — RV-Funktion, Troponin und Machbarkeit der häuslichen Therapie werden nicht erfasst.
So wird berechnet
PESI = age (years) + 10 (male) + 30 (cancer) + 10 (chronic heart failure) + 10 (chronic lung disease) + 20 (HR ≥ 110/min) + 30 (SBP < 100 mmHg) + 20 (RR ≥ 30/min) + 20 (T < 36 °C) + 60 (altered mental status) + 20 (SaO₂ < 90 %)
Praxistipps und Grenzen
- Nur bei gesicherter, hämodynamisch stabiler LE. Klasse I–II bedeutet niedriges klinisches Risiko, erfasst aber keine RV-Dysfunktion; ESC 2019 kombiniert sie mit Bildgebung/Troponin. Mortalitätsbereiche umfassen Derivations-, interne und externe Validierungskohorte.
- Das Alter zählt 1 Punkt pro Jahr — ein 80-Jähriger liegt ohne weiteren Befund bereits in Klasse II.
- Bewusstseinsveränderung (+60) ist das schwerste Kriterium; Tumor und Hypotonie zählen je 30.
- Eine Sättigung < 90 % zählt unabhängig von einer Sauerstoffgabe.
- Der sPESI hat dieselbe Genauigkeit und ist am Krankenbett einfacher.
Häufige Fragen
Welche PESI-Risikoklassen gibt es?
Klasse I ≤ 65, II 66–85, III 86–105, IV 106–125, V > 125 Punkte. Klasse I–II gilt als niedriges, III–V als nicht niedriges Risiko.
Wie hoch ist die 30-Tage-Mortalität je PESI-Klasse?
Über Derivations- und Validierungskohorten: Klasse I 0–1,6 %, II 1,7–3,5 %, III 3,2–7,1 %, IV 4,0–11,4 %, V 10,0–24,5 %.
Kann ein Patient mit PESI-Klasse II ambulant behandelt werden?
PESI I–II zeigt ein niedriges klinisches Risiko. Nach ESC 2019 ist eine Frühentlassung möglich, wenn keine RV-Dysfunktion, keine relevante Komorbidität vorliegt und die häusliche Therapie gewährleistet ist.
Evidenz und Leitlinien
- Primärquelle: Aujesky D et al. Derivation and validation of a prognostic model for pulmonary embolism. Am J Respir Crit Care Med 2005;172(8):1041-1046.
- ESC 2019 acute PE guideline, Table 7 (PESI classes and 30-day mortality ranges).
- Aujesky D et al. Validation of a model to predict adverse outcomes in patients with pulmonary embolism. Eur Heart J 2006;27(4):476-481.
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