Wells-Score (Lungenembolie)

Klinische Wahrscheinlichkeit für eine LE

Quellen zuletzt geprüft: 2026-10-13

Wells-Score (Lungenembolie)

Klinische Wahrscheinlichkeit für eine LE

0.0
0–4 — LE unwahrscheinlich

Zweistufige Regel: Die ESC 2019 sieht in dieser Gruppe das D-Dimer als nächsten diagnostischen Schritt vor; ein negatives D-Dimer schließt eine LE aus.

Die Einteilung folgt hier der zweistufigen Regel (unwahrscheinlich/wahrscheinlich). Es gibt auch eine dreistufige Version (< 2 niedrig, 2–6 mittel, > 6 hoch) — nicht verwechseln.

Quelle: Wells PS et al. Excluding pulmonary embolism at the bedside without diagnostic imaging. Ann Intern Med 2001;135(2):98-107.Öffnen

Interpretation

0–4 — LE unwahrscheinlichZweistufige Regel: Die ESC 2019 sieht in dieser Gruppe das D-Dimer als nächsten diagnostischen Schritt vor; ein negatives D-Dimer schließt eine LE aus.
> 4 — LE wahrscheinlichZweistufige Regel: Die ESC 2019 sieht in dieser Gruppe als nächsten diagnostischen Schritt die CT-Pulmonalisangiografie vor.

Was ist der Wells-Score (Lungenembolie)?

Der Wells-Score schätzt die klinische Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie anhand von sieben bettseitigen Kriterien. Wells und Kollegen (Ottawa) entwickelten ihn 2000 und validierten 2001 die zweistufige Version (LE unwahrscheinlich ≤ 4, LE wahrscheinlich > 4) zusammen mit D-Dimer an 930 Notaufnahmepatienten. Die ESC-Leitlinie Lungenembolie 2019 stützt die Diagnostik auf die klinische Wahrscheinlichkeit aus einem validierten Score wie Wells oder dem revidierten Genfer Score.

Wann wird er eingesetzt?

  • Hämodynamisch stabile ambulante oder Notaufnahmepatienten mit Verdacht auf akute Lungenembolie.
  • Zur Entscheidung zwischen D-Dimer zuerst (LE unwahrscheinlich) und direkter CT-Pulmonalisangiografie (LE wahrscheinlich).
  • Zur Dokumentation der Vortestwahrscheinlichkeit vor der Bildgebung, wie von der ESC 2019 empfohlen.

Wann nicht?

  • Verdacht auf Hochrisiko-LE mit Schock oder Hypotonie — hier sieht die ESC 2019 einen eigenen Pfad mit bettseitiger Echokardiografie oder CT-Angiografie vor.
  • Schwangerschaft — hier sind angepasste Algorithmen (schwangerschaftsadaptierter YEARS, revidierter Genfer Score mit D-Dimer) besser untersucht.
  • Stationäre Patienten, bei denen D-Dimer häufig erhöht ist und der Score schlechter funktioniert.

So wird berechnet

KriteriumPunkte
Klinische Zeichen einer TVT+3
LE ist die wahrscheinlichste Diagnose oder gleich wahrscheinlich+3
Herzfrequenz > 100/min+1.5
Immobilisation ≥ 3 Tage oder Operation in den letzten 4 Wochen+1.5
Frühere TVT oder LE+1.5
Hämoptyse+1
Aktive Malignität+1

Praxistipps und Grenzen

  • Die Einteilung folgt hier der zweistufigen Regel (unwahrscheinlich/wahrscheinlich). Es gibt auch eine dreistufige Version (< 2 niedrig, 2–6 mittel, > 6 hoch) — nicht verwechseln.
  • Das Kriterium „LE wahrscheinlichste Diagnose“ zählt 3 Punkte und ist subjektiv — es erklärt den Großteil der Unterschiede zwischen Untersuchern.
  • Die ESC 2019 befürwortet in der Gruppe „LE unwahrscheinlich“ altersadaptierte D-Dimer-Grenzwerte (Alter × 10 µg/L ab 50 Jahren), wodurch weniger Bildgebung anfällt.
  • In der niederländischen Christopher-Studie lag die 3-Monats-VTE-Rate bei „LE unwahrscheinlich“ und normalem D-Dimer bei 0,5 %.
  • Zwei- (≤ 4 / > 4) und dreistufige Version (< 2 / 2–6 / > 6) nicht innerhalb eines Pfads mischen.

Häufige Fragen

Wells-Score Lungenembolie: Ab wie vielen Punkten CT?

In der zweistufigen Version bedeutet > 4 Punkte „LE wahrscheinlich“; die ESC 2019 sieht dann als nächsten Schritt die CT-Pulmonalisangiografie vor. Bei ≤ 4 Punkten ist das D-Dimer der nächste Schritt; ist es negativ, ist eine LE ausgeschlossen.

Wells oder revidierter Genfer Score — was empfiehlt die ESC?

Die ESC 2019 empfiehlt, die Diagnostik auf die klinische Wahrscheinlichkeit zu stützen — per klinischem Urteil oder validiertem Score — und nennt beide. Der revidierte Genfer Score ist vollständig objektiv.

Wells, PERC oder YEARS?

PERC gilt nur für Patienten mit bereits niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit, um auf D-Dimer zu verzichten. YEARS nutzt drei Wells-Kriterien mit davon abhängiger D-Dimer-Schwelle. Wells bleibt der klassische Score zur Stratifizierung aller Patienten.

Evidenz und Leitlinien

  1. Primärquelle: Wells PS et al. Excluding pulmonary embolism at the bedside without diagnostic imaging. Ann Intern Med 2001;135(2):98-107.
  2. Konstantinides SV et al. 2019 ESC Guidelines for the diagnosis and management of acute pulmonary embolism. Eur Heart J 2020;41(4):543-603 (diagnostic strategy based on clinical probability from a validated rule; two-level or three-level scheme).
  3. van Belle A et al. (Christopher Study). Effectiveness of managing suspected pulmonary embolism using an algorithm combining clinical probability, D-dimer testing, and computed tomography. JAMA 2006;295(2):172-179.

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