PERC-Regel

Pulmonary Embolism Rule-out Criteria — Verzicht auf D-Dimere bei bereits niedriger klinischer Einschätzung

Quellen zuletzt geprüft: 2026-10-13

PERC-Regel

Pulmonary Embolism Rule-out Criteria — Verzicht auf D-Dimere bei bereits niedriger klinischer Einschätzung

PERC negativ

Kein Kriterium erfüllt. Nur bei niedriger empirischer Vortestwahrscheinlichkeit (< 15 %): LE ohne D-Dimer-Test als ausgeschlossen betrachtbar.

Nur anwenden, wenn die empirische Einschätzung der LE-Wahrscheinlichkeit bereits niedrig ist (< 15 %). In europäischen Notaufnahmen mit höherer Prävalenz ist die Rate übersehener LE höher; ESC 2019 und AWMF 2023 weisen auf die eingeschränkte Übertragbarkeit hin.

Quelle: Kline JA et al. Clinical criteria to prevent unnecessary diagnostic testing in emergency department patients with suspected pulmonary embolism. J Thromb Haemost 2004;2(8):1247-1255.Öffnen

Interpretation

PERC negativKein Kriterium erfüllt. Nur bei niedriger empirischer Vortestwahrscheinlichkeit (< 15 %): LE ohne D-Dimer-Test als ausgeschlossen betrachtbar.
PERC positivMindestens ein Kriterium erfüllt: PERC kann eine LE nicht ausschließen; es gelten die validierten Algorithmen (Wells/Geneva + D-Dimere).

Was ist der PERC-Regel?

Die Pulmonary Embolism Rule-out Criteria sind acht klinische Kriterien, die Kline und Kollegen an 3148 US-Notaufnahmepatienten entwickelten (J Thromb Haemost 2004). Bei einem bereits als niedrig eingeschätzten Patienten senkt das Fehlen aller acht Kriterien die LE-Wahrscheinlichkeit unter die Schwelle, ab der ein D-Dimer-Test sinnvoll ist. Die französische PROPER-Studie (JAMA 2018) stützte die Sicherheit in Notaufnahmen mit niedriger Prävalenz.

Wann wird er eingesetzt?

  • Notaufnahmepatienten mit Thoraxschmerz oder Dyspnoe, bei denen eine LE erwogen, aber empirisch als unwahrscheinlich (< 15 %) eingeschätzt wird.
  • Zur Vermeidung unnötiger D-Dimer-Tests und nachfolgender CTPA bei falsch-positivem Befund.
  • In Settings mit niedriger LE-Prävalenz, ähnlich den Validierungskohorten.

Wann nicht?

  • Mittlere oder hohe klinische Wahrscheinlichkeit — PERC ist nicht anwendbar; die Algorithmen der ESC 2019 nutzen Wells/Geneva mit D-Dimeren oder Bildgebung.
  • Stationäre Patienten, Schwangere oder Kollektive mit hoher LE-Prävalenz.
  • Wenn die Pulsoxymetrie unzuverlässig ist oder bereits Sauerstoff gegeben wird.

Praxistipps und Grenzen

  • Nur anwenden, wenn die empirische Einschätzung der LE-Wahrscheinlichkeit bereits niedrig ist (< 15 %). In europäischen Notaufnahmen mit höherer Prävalenz ist die Rate übersehener LE höher; ESC 2019 und AWMF 2023 weisen auf die eingeschränkte Übertragbarkeit hin.
  • PERC ist binär: Ein einziges positives Kriterium bedeutet nur, dass PERC nicht anwendbar ist — nicht, dass eine LE wahrscheinlich ist.
  • Die Sättigung muss unter Raumluft gemessen werden; Kriterium ist SaO₂ > 94 %.
  • ESC 2019 und AWMF 2023 weisen auf die eingeschränkte Übertragbarkeit auf europäische Notaufnahmen hin.
  • Zuerst die empirische Einschätzung: PERC ist nur nach unabhängig als niedrig beurteiltem Risiko gültig.

Häufige Fragen

Welche 8 PERC-Kriterien gibt es?

Alter < 50 Jahre, Herzfrequenz < 100/min, SaO₂ > 94 % unter Raumluft, keine Hämoptysen, keine Östrogeneinnahme, keine TVT/LE in der Vorgeschichte, keine einseitige Beinschwellung, keine Operation oder kein Trauma in den letzten 4 Wochen. Alle acht müssen erfüllt sein.

Wird die PERC-Regel in Deutschland verwendet?

Die AWMF-S2k-Leitlinie 2023 und die ESC-Leitlinie 2019 beschreiben sie, weisen aber auf die eingeschränkte Übertragbarkeit wegen niedriger LE-Prävalenz in den Studien hin.

PERC negativ — brauche ich D-Dimere?

Bei niedriger empirischer Wahrscheinlichkeit und erfüllten Kriterien halten die Autoren weitere Diagnostik für entbehrlich. Ist die Einschätzung nicht niedrig, gilt PERC nicht.

Evidenz und Leitlinien

  1. Primärquelle: Kline JA et al. Clinical criteria to prevent unnecessary diagnostic testing in emergency department patients with suspected pulmonary embolism. J Thromb Haemost 2004;2(8):1247-1255.
  2. Kline JA et al. Prospective multicenter evaluation of the pulmonary embolism rule-out criteria. J Thromb Haemost 2008;6(5):772-780.
  3. Freund Y et al. Effect of the PERC rule on subsequent thromboembolic events among low-risk ED patients (PROPER). JAMA 2018;319(6):559-566.
  4. ESC 2019 acute PE guideline (PERC discussed; generalisability limited by low PE prevalence in validation cohorts).
  5. AWMF S2k 065-002 (2023), section 3.2.1 (PERC-Kriterien, eingeschränkte Übertragbarkeit).

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