Revised Cardiac Risk Index (Lee-Index)
Risiko schwerer kardialer Komplikationen bei elektiven nicht-kardialen Eingriffen
Quellen zuletzt geprüft: 2026-10-13
Revised Cardiac Risk Index (Lee-Index)
Risiko schwerer kardialer Komplikationen bei elektiven nicht-kardialen Eingriffen
Schwere kardiale Komplikationen 0,4 % in der Validierungskohorte (Lee 1999).
Lees Prozentwerte stammen aus einer US-Kohorte der 1990er-Jahre (≥ 50 Jahre, elektive große Eingriffe) ohne systematisches Troponin-Screening; die in der ESC-Leitlinie 2022 zitierten Rekalibrierungen liegen deutlich höher. Die Risikoklasse ist besser übertragbar als die Prozentzahl.
Interpretation
| Klasse I (0 Faktoren) | Schwere kardiale Komplikationen 0,4 % in der Validierungskohorte (Lee 1999). |
|---|---|
| Klasse II (1 Faktor) | Schwere kardiale Komplikationen 0,9 % in der Validierungskohorte. |
| Klasse III (2 Faktoren) | Schwere kardiale Komplikationen ≈ 7 % in der Validierungskohorte. |
| Klasse IV (≥ 3 Faktoren) | Schwere kardiale Komplikationen ≈ 11 % in der Validierungskohorte. |
Was ist der Revised Cardiac Risk Index (Lee-Index)?
Der Revised Cardiac Risk Index (Lee-Index) erfasst sechs klinische Faktoren, die schwere kardiale Komplikationen nach nicht-kardialen Eingriffen vorhersagen. Lee und Mitarbeiter leiteten ihn 1999 an 2 893 Patienten ab 50 Jahren mit elektiven großen Operationen in Boston ab und validierten ihn an weiteren 1 422 Patienten. Jeder Faktor zählt einen Punkt; daraus ergeben sich die Risikoklassen I–IV.
Wann wird er eingesetzt?
- Präoperative Risikoeinschätzung vor elektiven nicht-kardialen Eingriffen mittleren oder hohen Risikos
- Strukturierung der klinischen Risikoeinschätzung, die die ESC 2022 mit der Belastbarkeit und bei ausgewählten Patienten mit Biomarkern kombiniert
- Strukturierte, reproduzierbare Kommunikation des perioperativen kardialen Risikos
Wann nicht?
- Herzchirurgie oder Notfalleingriffe, bei denen die Abklärung die Behandlung verzögern würde
- Aktive kardiale Erkrankungen (akutes Koronarsyndrom, dekompensierte Herzinsuffizienz, schweres Klappenvitium) — für diese Situationen ist der Score nicht konzipiert
- Als alleinige Indikation für Belastungstests oder Revaskularisation
So wird berechnet
| Kriterium | Punkte |
|---|---|
| Hochrisiko-Eingriff (intraperitoneal, intrathorakal oder suprainguinal vaskulär) | +1 |
| Koronare Herzkrankheit (Z. n. Myokardinfarkt, Angina pectoris, Nitrattherapie, positiver Belastungstest oder pathologische Q-Zacken) | +1 |
| Herzinsuffizienz in der Anamnese | +1 |
| Zerebrovaskuläre Erkrankung (Schlaganfall oder TIA) | +1 |
| Präoperative Insulintherapie | +1 |
| Präoperatives Kreatinin > 2,0 mg/dl (> 177 µmol/l) | +1 |
Praxistipps und Grenzen
- Lees Prozentwerte stammen aus einer US-Kohorte der 1990er-Jahre (≥ 50 Jahre, elektive große Eingriffe) ohne systematisches Troponin-Screening; die in der ESC-Leitlinie 2022 zitierten Rekalibrierungen liegen deutlich höher. Die Risikoklasse ist besser übertragbar als die Prozentzahl.
- Die ESC-Leitlinie 2022 nennt den RCRI neben anderen Instrumenten, empfiehlt aber keinen bestimmten Score; sie kombiniert klinisches Risiko, Belastbarkeit und bei ausgewählten Patienten Troponin und BNP/NT-proBNP.
- Lees Prozentwerte liegen deutlich unter modernen Rekalibrierungen (≈ 4–15 % für Tod, Myokardinfarkt oder Herzstillstand), weil Troponin-Monitoring heute mehr Ereignisse erfasst.
- „Hochrisiko-Eingriff“ bedeutet intraperitoneal, intrathorakal oder suprainguinal vaskulär — nicht einfach „große Operation“.
- Der Kreatinin-Grenzwert liegt bei > 2,0 mg/dl (≈ 177 µmol/l); die eGFR ist nicht Teil des Originalscores.
Häufige Fragen
Welche sechs Kriterien hat der RCRI?
Hochrisiko-Eingriff, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, zerebrovaskuläre Erkrankung, insulinpflichtiger Diabetes und Kreatinin über 2,0 mg/dl (177 µmol/l). Jedes Kriterium zählt einen Punkt.
Sind RCRI und Lee-Index dasselbe?
Ja. Beide Bezeichnungen meinen den 1999 von Lee et al. publizierten Score mit sechs Faktoren.
Was bedeutet ein RCRI von 2?
Klasse III: etwa 7 % schwere kardiale Komplikationen in Lees Validierungskohorte. Aktuelle Rekalibrierungen liegen für Tod, Myokardinfarkt oder Herzstillstand eher bei 10 %.
Schreibt die ESC-Leitlinie den RCRI vor?
Nein. Die ESC-Leitlinie 2022 (von der ESAIC unterstützt) beschreibt RCRI und andere Rechner, hat sich aber bewusst gegen die Empfehlung eines einzelnen Scores entschieden.
Evidenz und Leitlinien
- Primärquelle: Lee TH et al. Derivation and prospective validation of a simple index for prediction of cardiac risk of major noncardiac surgery. Circulation 1999;100(10):1043-1049. Rates: validation cohort as given in the abstract (0.4 %, 0.9 %, 7 %, 11 %).
- Halvorsen S et al. 2022 ESC Guidelines on cardiovascular assessment and management of patients undergoing non-cardiac surgery (endorsed by ESAIC). Eur Heart J 2022;43:3826-3924 — discusses RCRI among several risk tools without recommending one specific score; quotes recalibrated risks (≈ 4/6/10/15 % for 30-day death, MI or cardiac arrest).
- Duceppe E et al. Canadian Cardiovascular Society guidelines on perioperative cardiac risk assessment. Can J Cardiol 2017;33:17-32 — source of the recalibrated RCRI risks.
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