Horovitz-Quotient (PaO₂/FiO₂) und ARDS-Schweregrad

Oxygenierungsindex mit ARDS-Schweregrad nach Berlin-Definition; PaO₂ in kPa oder mmHg

Quellen zuletzt geprüft: 2026-10-13

Horovitz-Quotient (PaO₂/FiO₂) und ARDS-Schweregrad

Oxygenierungsindex mit ARDS-Schweregrad nach Berlin-Definition; PaO₂ in kPa oder mmHg

Einheit der Blutgase
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Der Quotient allein stellt keine ARDS-Diagnose. Die Berlin-Definition verlangt PEEP/CPAP ≥ 5 cmH₂O zum Messzeitpunkt; die globale Definition 2024 akzeptiert zusätzlich High-Flow-Sauerstoff ≥ 30 l/min.

Quelle: ARDS Definition Task Force, Ranieri VM, Rubenfeld GD, et al. Acute respiratory distress syndrome: the Berlin Definition. JAMA 2012;307(23):2526-2533.Öffnen

Interpretation

≤ 100 mmHg — Bereich schweres ARDSBerlin: schweres ARDS, wenn die übrigen Kriterien erfüllt sind (PEEP/CPAP ≥ 5 cmH₂O, Beginn innerhalb 1 Woche, bilaterale Verschattungen, nicht vollständig durch Herzinsuffizienz oder Volumenüberladung erklärt).
> 100–200 mmHg — Bereich mittelschweres ARDSBerlin: mittelschweres ARDS, wenn die übrigen Kriterien erfüllt sind (PEEP ≥ 5 cmH₂O).
> 200–300 mmHg — Bereich mildes ARDSBerlin: mildes ARDS, wenn die übrigen Kriterien erfüllt sind (PEEP oder CPAP ≥ 5 cmH₂O).
> 300 mmHgErfüllt das Oxygenierungskriterium der Berlin-Definition nicht.

Was ist der Horovitz-Quotient (PaO₂/FiO₂) und ARDS-Schweregrad?

Der Horovitz-Quotient (PaO₂/FiO₂) setzt die arterielle Oxygenierung ins Verhältnis zur inspiratorischen Sauerstofffraktion. Die 2012 in einem von der ESICM initiierten Konsensusprozess entwickelte Berlin-Definition stuft das ARDS damit bei 300, 200 und 100 mmHg als mild, moderat oder schwer ein — gemessen unter PEEP oder CPAP von mindestens 5 cmH₂O.

Wann wird er eingesetzt?

  • Schweregradeinteilung bei Patienten, die die übrigen ARDS-Kriterien erfüllen
  • Tägliche Verlaufskontrolle der Oxygenierung unter invasiver oder nichtinvasiver Beatmung
  • Prüfung der Indikation für Maßnahmen, deren Evidenz nach dem Horovitz-Quotienten gestaffelt ist (z. B. Bauchlagerung bei moderatem bis schwerem ARDS)

Wann nicht?

  • Als alleinige ARDS-Diagnose — Zeitverlauf, Bildgebung und Ausschluss einer kardialen Ursache sind ebenfalls nötig
  • Unter Low-Flow-Sauerstoff, wenn die tatsächliche FiO₂ unbekannt ist
  • Vergleich von Werten unter sehr unterschiedlichem PEEP ohne Angabe des PEEP

So wird berechnet

P/F = PaO₂ (mmHg) ÷ FiO₂ (Dezimalbruch) kPa → mmHg: × 7,50 Berlin-Grenzen: 300 / 200 / 100 mmHg = 40 / 26,7 / 13,3 kPa

Praxistipps und Grenzen

  • Der Quotient allein stellt keine ARDS-Diagnose. Die Berlin-Definition verlangt PEEP/CPAP ≥ 5 cmH₂O zum Messzeitpunkt; die globale Definition 2024 akzeptiert zusätzlich High-Flow-Sauerstoff ≥ 30 l/min.
  • FiO₂ in Prozent eingeben; Raumluft entspricht 21 %.
  • In kPa liegen die Berlin-Grenzen bei etwa 40, 26,7 und 13,3 kPa.
  • Die globale ARDS-Definition 2024 behält die Grenzwerte bei, akzeptiert aber zusätzlich High-Flow-Sauerstoff ≥ 30 l/min und SpO₂/FiO₂, wenn keine BGA verfügbar ist.
  • Der Quotient hängt selbst von PEEP und FiO₂ ab; Verläufe unter stabilen Einstellungen sind aussagekräftiger als Einzelwerte.

Häufige Fragen

Ab welchem Horovitz-Quotienten liegt ein schweres ARDS vor?

Nach der Berlin-Definition bei PaO₂/FiO₂ ≤ 100 mmHg (etwa 13,3 kPa) unter PEEP ≥ 5 cmH₂O, sofern die übrigen ARDS-Kriterien erfüllt sind.

Wie berechne ich den Horovitz-Quotienten aus kPa?

PaO₂ in kPa mit 7,5 multiplizieren (ergibt mmHg) und durch die FiO₂ als Dezimalbruch teilen. Beispiel: 9 kPa bei FiO₂ 0,6 ergibt 67,5 / 0,6 = 112,5 mmHg.

Ist der Horovitz-Quotient dasselbe wie der P/F-Quotient?

Ja. Im deutschsprachigen Raum wird PaO₂/FiO₂ meist Horovitz-Quotient oder Oxygenierungsindex genannt.

Gilt der Horovitz-Quotient auch unter High-Flow-Sauerstoff?

Nach Berlin nicht, da PEEP/CPAP gefordert ist. Die globale Definition 2024 erlaubt die ARDS-Diagnose unter High-Flow-Sauerstoff ≥ 30 l/min.

Evidenz und Leitlinien

  1. Primärquelle: ARDS Definition Task Force, Ranieri VM, Rubenfeld GD, et al. Acute respiratory distress syndrome: the Berlin Definition. JAMA 2012;307(23):2526-2533.
  2. Grasselli G, Calfee CS, Camporota L, et al. ESICM guidelines on acute respiratory distress syndrome: definition, phenotyping and respiratory support strategies. Intensive Care Med 2023;49(7):727-759.
  3. Matthay MA, Arabi Y, Arroliga AC, et al. A new global definition of acute respiratory distress syndrome. Am J Respir Crit Care Med 2024;209(1):37-47 (same P/F cut-offs; adds HFNO ≥ 30 L/min and SpO₂/FiO₂).

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