Metformin und Nierenfunktion: Ab welcher GFR absetzen oder die Dosis reduzieren?

Metformin bei eingeschränkter Nierenfunktion: Höchstdosen je GFR-Bereich laut EU-Fachinformation, Kontraindikation unter 30 ml/min, Kontrollintervalle, Kontrastmittel und OP.

Von Medelix RedaktionVeröffentlicht: 3 Min. Lesezeit

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„Ab welcher GFR muss Metformin abgesetzt werden?“ ist eine der häufigsten Fragen rund um die Nierenfunktion. Die kurze Antwort: unter einer GFR von 30 ml/min ist Metformin kontraindiziert. Zwischen 30 und 59 ml/min darf es weiter gegeben werden, aber mit niedrigerer Höchstdosis. Diese Regeln gelten EU-weit seit einem Referral-Verfahren der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) im Jahr 2016 [1].

Kurz zusammengefasst

  • GFR < 30 ml/min: Metformin ist kontraindiziert [1, 2].
  • GFR 30–59 ml/min: Anwendung möglich, mit reduzierter Höchstdosis; die Anfangsdosis beträgt höchstens die Hälfte der Höchstdosis [1, 2].
  • Kontrolle: GFR vor Therapiebeginn und danach mindestens jährlich; bei Risiko für eine Verschlechterung und bei älteren Menschen häufiger, z. B. alle 3–6 Monate [1, 2].
  • Pausieren: bei Zuständen, die die Nierenfunktion akut verschlechtern können, vor jodhaltigem Kontrastmittel und bei Operationen in Allgemein-, Spinal- oder Epiduralanästhesie [2].

Direkt rechnen: eGFR-Rechner (CKD-EPI), eGFR nach EKFC und Kreatinin-Clearance nach Cockcroft-Gault.

Höchstdosis je GFR-Bereich

Die Fachinformationen der Metformin-Präparate in der EU enthalten seit 2016 eine Tabelle zur Dosierung nach GFR [2]:

GFR (ml/min)Maximale Tagesdosis (auf 2–3 Einzeldosen verteilt)Hinweise laut Fachinformation
60–893.000 mgDosisreduktion bei abnehmender Nierenfunktion erwägen
45–592.000 mgRisikofaktoren für Laktatazidose vor Beginn prüfen; Anfangsdosis höchstens die Hälfte der Höchstdosis
30–441.000 mgwie 45–59
< 30–kontraindiziert

Die Höchstdosis im Bereich 60–89 ml/min ist nicht in jeder Fachinformation gleich: Für Präparate, deren allgemeine Höchstdosis niedriger liegt (etwa manche Retardformen), steht dort ein niedrigerer Wert. Maßgeblich ist immer die Fachinformation des verordneten Präparats.

Warum die Grenze bei 30 ml/min liegt

Metformin wird unverändert über die Niere ausgeschieden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion steigt die Plasmakonzentration, und damit das Risiko einer Laktatazidose, einer seltenen, aber lebensbedrohlichen Komplikation [2]. Vor 2016 galt in vielen Fachinformationen bereits eine Kreatinin-Clearance unter 60 ml/min als Kontraindikation. Die EMA kam nach Prüfung der Daten zu dem Schluss, dass Patientinnen und Patienten mit mäßig eingeschränkter Nierenfunktion (GFR 30–59 ml/min) Metformin mit angepasster Dosis nutzen können; die Kontraindikation unter 30 ml/min blieb bestehen [1].

Die KDIGO-Leitlinie zu Diabetes bei chronischer Nierenerkrankung empfiehlt Metformin ebenfalls für Menschen mit Typ-2-Diabetes und einer eGFR ab 30 ml/min/1,73 m², mit Dosisanpassung bei sinkender eGFR [3].

Wann Metformin pausiert werden muss

Die Fachinformation nennt Situationen, in denen Metformin vorübergehend abgesetzt wird [2]:

  • Akute Zustände, die die Nierenfunktion verschlechtern können, etwa Dehydratation (Erbrechen, Durchfall, Fieber), schwere Infektion oder Schock.
  • Jodhaltiges Kontrastmittel: vor oder zum Zeitpunkt der Untersuchung absetzen und frühestens 48 Stunden danach wieder beginnen, wenn die Nierenfunktion erneut bestimmt wurde und stabil ist.
  • Operationen in Allgemein-, Spinal- oder Epiduralanästhesie: zum Zeitpunkt der Operation absetzen; Wiederbeginn frühestens 48 Stunden nach der Operation oder nach Wiederaufnahme der oralen Ernährung, wenn die Nierenfunktion stabil ist.

Welche GFR ist gemeint?

Die Fachinformation spricht von der GFR. Im Alltag steht auf dem Befund meist die eGFR nach CKD-EPI, normiert auf 1,73 m² Körperoberfläche. Bei sehr kleinen oder sehr großen Menschen kann die nicht normierte GFR deutlich davon abweichen; manche Fachinformationen anderer Wirkstoffe geben zudem die Kreatinin-Clearance nach Cockcroft-Gault vor. Wie sich die Formeln unterscheiden, erklärt unser Artikel eGFR richtig interpretieren.

Checkliste

  1. GFR vor Beginn bestimmen; unter 30 ml/min kein Metformin.
  2. Bei 30–59 ml/min: Höchstdosis nach Tabelle, Anfangsdosis höchstens die Hälfte davon.
  3. Mindestens jährlich kontrollieren, bei älteren Menschen und Risiko für Progression alle 3–6 Monate.
  4. Bei akuter Erkrankung mit Dehydratation, vor Kontrastmittel und vor Operationen pausieren.
  5. Im Zweifel die Fachinformation des konkreten Präparats lesen.

Dieser Artikel informiert über die zugelassenen Anwendungsbedingungen. Er ersetzt weder die Fachinformation noch die ärztliche Entscheidung im Einzelfall.

Quellen

  1. European Medicines Agency. Metformin and metformin-containing medicines – Article 31 referral. CHMP-Gutachten vom 13. Oktober 2016, Kommissionsbeschluss vom 12. Dezember 2016. ema.europa.eu
  2. Fachinformation (Summary of Product Characteristics) metforminhaltiger Arzneimittel, Abschnitte 4.2, 4.3 und 4.4, z. B. Metformin 500 mg Tabletten. medicines.org.uk
  3. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) Diabetes Work Group. KDIGO 2022 Clinical Practice Guideline for Diabetes Management in Chronic Kidney Disease. Kidney Int. 2022;102(5S):S1–S127. doi:10.1016/j.kint.2022.06.008

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