Winters-Formel (erwarteter pCO₂)

Erwartete respiratorische Kompensation bei metabolischer Azidose, in mmHg

Quellen zuletzt geprüft: 2026-10-13

Winters-Formel (erwarteter pCO₂)

Erwartete respiratorische Kompensation bei metabolischer Azidose, in mmHg

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Nur bei primärer metabolischer Azidose im Gleichgewicht (Kompensation braucht 12–24 h). Gemessener pCO₂ über dem Bereich spricht für eine zusätzliche respiratorische Azidose, darunter für eine zusätzliche respiratorische Alkalose.

Quelle: Albert MS, Dell RB, Winters RW. Quantitative displacement of acid-base equilibrium in metabolic acidosis. Ann Intern Med 1967;66(2):312-322.Öffnen

Was ist der Winters-Formel (erwarteter pCO₂)?

Die Winters-Formel sagt voraus, auf welchen arteriellen pCO₂ die Lunge bei einer primären metabolischen Azidose kompensatorisch absinken sollte. Albert, Dell und Winters leiteten sie 1967 aus Blutgasanalysen von Patienten mit unterschiedlich schwerer metabolischer Azidose ab. Der Vergleich von erwartetem und gemessenem pCO₂ zeigt, ob sich hinter der metabolischen Störung eine respiratorische verbirgt.

Wann wird er eingesetzt?

  • Niedriges HCO₃⁻ mit Azidämie in der BGA bei Verdacht auf primäre metabolische Azidose
  • Diabetische Ketoazidose, Laktatazidose, Intoxikation mit toxischen Alkoholen oder Salicylaten – reicht die Ventilation aus?
  • Beurteilung, ob ein „normaler“ pCO₂ bei einem erschöpften Patienten eigentlich zu hoch ist

Wann nicht?

  • Primär respiratorische Störungen oder metabolische Alkalose – dafür gelten eigene Kompensationsregeln
  • In den ersten Stunden einer akuten Azidose, bevor die respiratorische Kompensation abgeschlossen ist

So wird berechnet

Erwarteter pCO₂ (mmHg) = 1,5 × HCO₃⁻ (mmol/l) + 8 ± 2

Praxistipps und Grenzen

  • Nur bei primärer metabolischer Azidose im Gleichgewicht (Kompensation braucht 12–24 h). Gemessener pCO₂ über dem Bereich spricht für eine zusätzliche respiratorische Azidose, darunter für eine zusätzliche respiratorische Alkalose.
  • Liegt der gemessene pCO₂ über dem erwarteten Bereich, kompensiert die Lunge unzureichend – eine zusätzliche respiratorische Azidose, oft Warnzeichen einer Erschöpfung.
  • Liegt er darunter, besteht zusätzlich eine respiratorische Alkalose, klassisch bei Salicylatintoxikation oder Sepsis.
  • Die Kompensation hat eine Untergrenze: Selbst bei schwerer Azidose fällt der pCO₂ selten deutlich unter etwa 10–15 mmHg.

Häufige Fragen

Wie lautet die Winters-Formel?

Erwarteter pCO₂ (mmHg) = 1,5 × HCO₃⁻ + 8, mit einer Toleranz von ± 2 mmHg. Sie gilt für die primäre metabolische Azidose.

Wie rechne ich die Winters-Formel in kPa?

Ergebnis in mmHg mit 0,1333 multiplizieren oder die kPa-Version dieses Rechners verwenden. ± 2 mmHg entsprechen etwa ± 0,27 kPa.

Was bedeutet ein höherer pCO₂ als erwartet?

Die Ventilation reicht für das Ausmaß der Azidose nicht aus – es liegt zusätzlich eine respiratorische Azidose vor, etwa durch Erschöpfung, Sedierung oder Lungenerkrankung.

Evidenz und Leitlinien

  1. Primärquelle: Albert MS, Dell RB, Winters RW. Quantitative displacement of acid-base equilibrium in metabolic acidosis. Ann Intern Med 1967;66(2):312-322.
  2. Duška F et al. A pragmatic approach to complex acid base disturbances of critical illness: the “Stewart light”. Intensive Care Med 2026 — states Winters’ formula as expected PCO₂ (mmHg) = 1.5 × HCO₃⁻ + 8 ± 2.

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