Schockindex
Herzfrequenz ÷ systolischer Blutdruck — bettseitiger Marker für hypovolämischen Schock
- European trauma bleeding guideline 2023
Quellen zuletzt geprüft: 2026-10-13
Schockindex
Herzfrequenz ÷ systolischer Blutdruck — bettseitiger Marker für hypovolämischen Schock
Betablocker, Calciumantagonisten, Herzschrittmacher, Schmerz, Angst und Schwangerschaft verändern den Quotienten. Die Bereiche stammen aus Daten erwachsener Traumapatienten; bei Kindern gelten altersadaptierte Grenzwerte. Ein normaler Wert schließt eine okkulte Blutung nicht aus.
Interpretation
| < 0,7 — üblicher Bereich | Gesunde Erwachsene liegen typischerweise zwischen 0,5 und 0,7 (Europäische Leitlinie zur Trauma-Blutung 2023). |
|---|---|
| 0,7–0,99 — erhöht | Oberhalb des üblichen Bereichs. Bei blutenden Traumapatienten sind Werte ≥ 0,8–1,0 mit zunehmendem Massivtransfusionsbedarf assoziiert. |
| 1,0–1,39 — mittelschwerer Schock | Gruppe III der TraumaRegister-DGU-Analyse (Mutschler 2013): Letalität 22,9 %, ≥ 10 Blutkonserven bei 31 % bis zur Intensivaufnahme. |
| ≥ 1,4 — schwerer Schock | Gruppe IV (Mutschler 2013): Letalität 39,8 %, ≥ 10 Blutkonserven bei 57 % bis zur Intensivaufnahme. |
Was ist der Schockindex?
Der Schockindex ist der Quotient aus Herzfrequenz und systolischem Blutdruck. Allgöwer und Burri beschrieben ihn 1967 in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift als einfachen Marker einer Kreislaufbeeinträchtigung. Eine große Analyse des TraumaRegister DGU (Mutschler 2013) ordnete vier Schockindex-Gruppen Transfusionsbedarf und Letalität zu; die Europäische Leitlinie zur Trauma-Blutung 2023 empfiehlt seine Verwendung.
Wann wird er eingesetzt?
- Schnelle Einschätzung eines hypovolämischen oder hämorrhagischen Schocks bei Traumapatienten.
- Frühe Erkennung einer Kreislaufbeeinträchtigung, solange der Blutdruck noch 'normal' ist.
- Präklinische und Notaufnahme-Triage, auch für die Aktivierung einer Massivtransfusion.
Wann nicht?
- Patienten unter Betablockern oder mit Herzschrittmacher, bei denen die Herzfrequenz nicht ansteigen kann.
- Kinder ohne altersadaptierte Grenzwerte.
So wird berechnet
Schockindex = Herzfrequenz (/min) ÷ systolischer Blutdruck (mmHg)
Praxistipps und Grenzen
- Betablocker, Calciumantagonisten, Herzschrittmacher, Schmerz, Angst und Schwangerschaft verändern den Quotienten. Die Bereiche stammen aus Daten erwachsener Traumapatienten; bei Kindern gelten altersadaptierte Grenzwerte. Ein normaler Wert schließt eine okkulte Blutung nicht aus.
- Normalwerte bei Erwachsenen liegen bei etwa 0,5–0,7.
- Der Verlauf ist aussagekräftig: Ein steigender Wert bei stabilem Blutdruck spricht für eine fortbestehende Blutung.
- Die Europäische Leitlinie 2023 empfiehlt Schockindex und/oder Pulsdruck zur Einschätzung von Schock und Transfusionsbedarf.
- Varianten sind der modifizierte Schockindex (Herzfrequenz ÷ MAP) und Alter × Schockindex.
Häufige Fragen
Was ist ein normaler Schockindex?
Etwa 0,5 bis 0,7 bei gesunden Erwachsenen.
Ab welchem Schockindex liegt ein Schock vor?
Werte ab 1,0 sprechen in Traumadaten für einen Schock; in der TraumaRegister-DGU-Analyse kennzeichnete ≥ 1,4 einen schweren Schock mit hohem Transfusionsbedarf.
Wie berechnet man den Schockindex?
Herzfrequenz (Schläge pro Minute) durch systolischen Blutdruck (mmHg) teilen, z. B. 110 ÷ 100 = 1,1.
Evidenz und Leitlinien
- Primärquelle: Allgöwer M, Burri C. „Schockindex“. Dtsch Med Wochenschr 1967;92(43):1947-1950.
- Mutschler M, Nienaber U, Münzberg M et al. The Shock Index revisited – a fast guide to transfusion requirement? A retrospective analysis on 21,853 patients derived from the TraumaRegister DGU. Crit Care 2013;17(4):R172.
- Rossaint R et al. The European guideline on management of major bleeding and coagulopathy following trauma: sixth edition. Crit Care 2023;27:80 — recommendation 5.
- Koch E, Lovett S, Nghiem T, Riggs RA, Rech MA. Shock index in the emergency department: utility and limitations. Open Access Emerg Med 2019;11:179-199.
Noch eine Frage dazu?
Medelix beantwortet klinische Fragen aus aktuellen Leitlinien und Studien – jede Aussage mit Quelle.
Medelix zum Schockindex fragenVerwandte Rechner
Rechner einbindenKostenlos für Ihre Website, Ihr Intranet oder Lehrmaterial. Code kopieren und einfügen.
<iframe src="https://medelix.ai/de/embed/shock-index" title="Schockindex – Medelix" width="100%" height="620" style="border:0;max-width:720px" loading="lazy"></iframe>
<p><a href="https://medelix.ai/de/rechner/schockindex">Schockindex Rechner von Medelix</a></p>Für Ärztinnen, Ärzte und Medizinstudierende. Die Rechner unterstützen die klinische Beurteilung und ersetzen sie nicht. Prüfen Sie Ergebnisse immer anhand der Originalquelle und Ihrer lokalen Standards.