Ranson-Kriterien (akute Pankreatitis)

Schweregrad der nicht-biliären akuten Pankreatitis bei Aufnahme und nach 48 h

Quellen zuletzt geprüft: 2026-10-13

Ranson-Kriterien (akute Pankreatitis)

Schweregrad der nicht-biliären akuten Pankreatitis bei Aufnahme und nach 48 h

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0–2 — milder Verlauf wahrscheinlich

Letalität etwa 1 % in Ransons Serie.

Dies sind die Kriterien von 1974 für nicht-biliäre (überwiegend alkoholische) Pankreatitis; für die biliäre Pankreatitis gibt es einen eigenen Satz mit höheren Grenzwerten. Vollständig erst nach 48 h; der Schweregrad wird heute über persistierendes Organversagen definiert (revidierte Atlanta-Klassifikation).

Quelle: Ranson JH, Rifkind KM, Roses DF, Fink SD, Eng K, Spencer FC. Prognostic signs and the role of operative management in acute pancreatitis. Surg Gynecol Obstet 1974;139(1):69-81 (PMID 4834279). Thresholds as tabulated in open-access reviews (e.g. PMC9227091, PMC8684888).Öffnen

Interpretation

0–2 — milder Verlauf wahrscheinlichLetalität etwa 1 % in Ransons Serie.
3–4 — schwere Pankreatitis zu erwartenLetalität etwa 15 % in Ransons Serie.
5–6Letalität etwa 40 %.
≥ 7Letalität in der Originalserie nahe 100 %.

Was ist der Ranson-Kriterien (akute Pankreatitis)?

Die Ranson-Kriterien sind 11 prognostische Zeichen der akuten Pankreatitis — fünf bei Aufnahme und sechs innerhalb der ersten 48 Stunden. Ranson und Mitarbeiter beschrieben sie 1974 an einer New Yorker Serie überwiegend alkoholbedingter Pankreatitiden. Drei oder mehr Kriterien sagen einen schweren Verlauf voraus; die Letalität steigt mit der Anzahl steil an.

Wann wird er eingesetzt?

  • Schweregradeinschätzung der nicht-biliären akuten Pankreatitis, vollständig nach 48 h
  • Lehre zur Pathophysiologie der schweren Pankreatitis
  • Studien und Qualitätssicherung, wenn Vergleichbarkeit mit älteren Serien wichtig ist

Wann nicht?

  • Biliäre Pankreatitis — dafür gilt ein modifizierter Kriteriensatz mit anderen Grenzwerten
  • Frühe Triage bei Aufnahme, wenn nur fünf Kriterien vorliegen
  • Definition des Schweregrads, die heute der revidierten Atlanta-Klassifikation folgt (persistierendes Organversagen)

So wird berechnet

KriteriumPunkte
Aufnahme: Alter > 55 Jahre+1
Aufnahme: Leukozyten > 16 G/l (> 16 000/µl)+1
Aufnahme: Glukose > 200 mg/dl (> 11,1 mmol/l)+1
Aufnahme: LDH > 350 U/l+1
Aufnahme: AST (GOT) > 250 U/l+1
48 h: Hämatokritabfall > 10 Prozentpunkte+1
48 h: Harnstoff-N-Anstieg > 5 mg/dl (Harnstoffanstieg > 1,8 mmol/l)+1
48 h: Kalzium < 8 mg/dl (< 2,0 mmol/l)+1
48 h: paO₂ < 60 mmHg (< 8 kPa)+1
48 h: Basendefizit > 4 mmol/l+1
48 h: geschätzte Flüssigkeitssequestration > 6 l+1

Praxistipps und Grenzen

  • Dies sind die Kriterien von 1974 für nicht-biliäre (überwiegend alkoholische) Pankreatitis; für die biliäre Pankreatitis gibt es einen eigenen Satz mit höheren Grenzwerten. Vollständig erst nach 48 h; der Schweregrad wird heute über persistierendes Organversagen definiert (revidierte Atlanta-Klassifikation).
  • Die 48-h-Items sind Veränderungen gegenüber der Aufnahme (Hämatokritabfall, Harnstoffanstieg) — Aufnahmewerte dokumentieren.
  • Die Flüssigkeitssequestration wird als Einfuhr minus Verluste geschätzt und hängt von der Infusionsstrategie ab.
  • Die IAP/APA-Leitlinie bevorzugt ein persistierendes SIRS zur frühen Risikostratifizierung; Ranson hat vor allem historischen und vergleichenden Wert.
  • Gemeint ist das Gesamtkalzium; eine Albuminkorrektur nur mit Vorsicht anwenden.

Häufige Fragen

Welche Ranson-Kriterien gelten bei Aufnahme?

Alter > 55 Jahre, Leukozyten > 16 000/µl, Glukose > 200 mg/dl (11,1 mmol/l), LDH > 350 U/l und AST > 250 U/l.

Ab welchem Ranson-Score liegt eine schwere Pankreatitis vor?

Drei oder mehr Kriterien sagen eine schwere Pankreatitis voraus.

Warum gibt es eigene Ranson-Kriterien für die biliäre Pankreatitis?

Ranson veröffentlichte 1982 einen modifizierten Satz mit höheren Grenzwerten (z. B. Alter > 70, Leukozyten > 18 000), weil sich die biliäre Pankreatitis anders verhielt.

Evidenz und Leitlinien

  1. Primärquelle: Ranson JH, Rifkind KM, Roses DF, Fink SD, Eng K, Spencer FC. Prognostic signs and the role of operative management in acute pancreatitis. Surg Gynecol Obstet 1974;139(1):69-81 (PMID 4834279). Thresholds as tabulated in open-access reviews (e.g. PMC9227091, PMC8684888).
  2. Ranson JH. Etiological and prognostic factors in human acute pancreatitis: a review. Am J Gastroenterol 1982;77(9):633-638 (modified criteria for gallstone pancreatitis).
  3. Working Group IAP/APA. IAP/APA evidence-based guidelines for the management of acute pancreatitis. Pancreatology 2013;13(4 Suppl 2):e1-15 — prefers persistent SIRS over multi-factor scores for early stratification.

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