PECARN-Regel Schädel-Hirn-Trauma (< 2 Jahre)
CT-Indikation nach leichtem Schädel-Hirn-Trauma bei Kindern unter 2 Jahren (GCS 14–15)
Quellen zuletzt geprüft: 2026-10-13
PECARN-Regel Schädel-Hirn-Trauma (< 2 Jahre)
CT-Indikation nach leichtem Schädel-Hirn-Trauma bei Kindern unter 2 Jahren (GCS 14–15)
Risiko eines klinisch relevanten SHT < 0,02 % in der Ableitungskohorte.
Nur für Kinder < 2 Jahre innerhalb von 24 h nach stumpfem Kopftrauma mit GCS 14–15. Nicht bei penetrierendem Trauma, bekanntem Hirntumor, Gerinnungsstörung, ventrikulärem Shunt oder Verdacht auf Kindesmisshandlung – diese Situationen deckt die Regel nicht ab.
Interpretation
| Kein Prädiktor – laut PECARN kein CT empfohlen | Risiko eines klinisch relevanten SHT < 0,02 % in der Ableitungskohorte. |
|---|---|
| Intermediär – Beobachtung versus CT | Risiko ≈ 0,9 %. PECARN überlässt die Wahl zwischen Beobachtung und CT klinischen Faktoren: Anzahl der Befunde, Verschlechterung, Alter < 3 Monate, Erfahrung, Elternwunsch. |
| Hohes Risiko – laut PECARN CT empfohlen | Risiko eines klinisch relevanten SHT ≈ 4,4 %. |
Was ist der PECARN-Regel Schädel-Hirn-Trauma (< 2 Jahre)?
Die PECARN-Regeln wurden 2009 von Kuppermann und Kollegen an über 42.000 Kindern mit leichtem stumpfem Schädel-Hirn-Trauma (GCS 14–15) in 25 nordamerikanischen Notaufnahmen abgeleitet und validiert. Die Regel für Kinder unter 2 Jahren identifiziert Kinder mit sehr niedrigem Risiko für ein klinisch relevantes SHT, bei denen auf ein CT verzichtet werden kann; in der Validierung wurde kein Fall übersehen.
Wann wird er eingesetzt?
- Kinder unter 2 Jahren innerhalb von 24 h nach stumpfem Kopftrauma mit GCS 14–15
- Entscheidung zwischen CT, Beobachtung und Entlassung
- Aufklärung der Eltern über das Strahlenrisiko
Wann nicht?
- Penetrierendes Trauma, bekannter Hirntumor, neurologische Vorerkrankung, Gerinnungsstörung oder ventrikulärer Shunt
- Verdacht auf Kindesmisshandlung
- GCS ≤ 13 – diese Kinder gehören nicht zur Niedrigrisikopopulation, auf die die Regel zielt
So wird berechnet
Hohes Risiko (laut PECARN CT empfohlen): GCS 14 oder andere Bewusstseinsveränderung ODER tastbare Schädelfraktur. Intermediär (Beobachtung vs. CT): okzipitales/parietales/temporales Kopfschwartenhämatom ODER Bewusstlosigkeit ≥ 5 s ODER schwerer Mechanismus ODER verhält sich laut Eltern nicht normal. Schwerer Mechanismus: Verkehrsunfall mit Herausschleudern, Überschlag oder Todesopfer; Fußgänger oder Radfahrer ohne Helm von Kfz erfasst; Sturz > 0,9 m; Aufprall eines Gegenstands mit hoher Energie. Kein Prädiktor: laut PECARN kein CT empfohlen.
Praxistipps und Grenzen
- Nur für Kinder < 2 Jahre innerhalb von 24 h nach stumpfem Kopftrauma mit GCS 14–15. Nicht bei penetrierendem Trauma, bekanntem Hirntumor, Gerinnungsstörung, ventrikulärem Shunt oder Verdacht auf Kindesmisshandlung – diese Situationen deckt die Regel nicht ab.
- Ein frontales Kopfschwartenhämatom ist kein Prädiktor; okzipitale, parietale und temporale Hämatome schon.
- Kuppermann 2009 nennt ein Alter < 3 Monate als Faktor, der in der intermediären Gruppe für ein CT spricht.
- Eine prospektive Studie aus Australien und Neuseeland (Babl 2017) fand PECARN sensitiver als CATCH und CHALICE.
Häufige Fragen
Wann braucht ein Kleinkind nach einem Sturz ein CT?
Nach PECARN wird ein CT empfohlen bei GCS 14, anderer Bewusstseinsveränderung oder tastbarer Schädelfraktur. Bei intermediären Befunden überlässt PECARN die Wahl zwischen Beobachtung und CT klinischen Faktoren; ohne Prädiktor wird kein CT empfohlen.
Was gilt bei unter 2-Jährigen als schwerer Unfallmechanismus?
Verkehrsunfall mit Herausschleudern, Überschlag oder Todesopfer; Fußgänger oder Radfahrer ohne Helm, von einem Fahrzeug erfasst; Sturz aus mehr als 0,9 m; Aufprall eines Gegenstands mit hoher Energie.
Wird PECARN in Europa verwendet?
Ja, die Regel ist weit verbreitet und außerhalb Nordamerikas validiert; nationale Leitlinien zum kindlichen SHT nutzen teils eigene Kriterien.
Evidenz und Leitlinien
- Primärquelle: Kuppermann N et al. Identification of children at very low risk of clinically-important brain injuries after head trauma: a prospective cohort study. Lancet 2009;374(9696):1160-1170.
- Babl FE et al. Accuracy of PECARN, CATCH, and CHALICE head injury decision rules in children: a prospective cohort study. Lancet 2017;389(10087):2393-2402.
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