ÖGARI präoperative kardiale Abklärung (Leitlinie 2026)
EKG, Echokardiografie und kardiale Biomarker vor elektiven nicht-kardiochirurgischen Eingriffen nach MET, Eingriffskategorie und Symptomen
- ÖGARI guideline pre-operative evaluation 2026
- ESC 2022 non-cardiac surgery guideline
Quellen zuletzt geprüft: 2026-10-13
ÖGARI präoperative kardiale Abklärung (Leitlinie 2026)
EKG, Echokardiografie und kardiale Biomarker vor elektiven nicht-kardiochirurgischen Eingriffen nach MET, Eingriffskategorie und Symptomen
Für Erwachsene vor elektiven nicht-kardiochirurgischen Eingriffen. Der NT-proBNP-Grenzwert zum Verzicht auf eine TTE ist in der Legende als „300 mg/L“ gedruckt; übliche Einheit ist ng/l (pg/ml). Erhöhte Biomarker allein sind kein Grund für eine OP-Verschiebung (S. 28–29). Die OP-Freigabe ist in Österreich eine anästhesiologische Entscheidung; internistische oder allgemeinmedizinische Begutachtungen dienen der organspezifischen Risikoeinschätzung, sind aber keine OP-Freigabe (S. 36).
Interpretation
| Kein Routine-EKG — keine weitere kardiale Abklärung | ≥ 4 MET, kleiner Eingriff, keine kardialen Symptome: die Leitlinie sieht kein routinemäßiges präoperatives 12-Kanal-EKG vor (2B); Abbildung 1 führt direkt zur anästhesiologischen OP-Freigabe. |
|---|---|
| 12-Kanal-EKG kann erwogen werden | ≥ 4 MET, großer Eingriff, asymptomatisch ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung: EKG kann erwogen werden (2B); Abbildung 1 führt auf diesem Pfad ein EKG an. Keine TTE ohne Symptome oder Risikofaktoren (1B). |
| 12-Kanal-EKG indiziert | Großer Eingriff mit bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung (1B) oder kardiale Symptome bei jeder Eingriffsgröße („immer“). Neue EKG-Auffälligkeiten führen laut Leitlinie zu weiterer Abklärung. |
| 12-Kanal-EKG und transthorakale Echokardiografie | ≥ 4 MET mit vermuteter neuer oder verschlechterter Herzinsuffizienz oder Klappenerkrankung: die Leitlinie empfiehlt eine TTE (1B). Laut Leitlinie kann die TTE entfallen, wenn POCUS die Frage beantwortet, NT-proBNP < 300 bzw. TropT < 14 ng/l oder eine TTE ≤ 1 Jahr bei stabiler Klinik vorliegt. |
| < 4 MET, kleiner Eingriff — EKG und TTE laut Abbildung 1; keine Biomarker | Abbildung 1 führt bei < 4 MET zu EKG, TTE und NT-proBNP/TropT; laut Leitlinientext sollen vor kleinen Eingriffen jedoch keine natriuretischen Peptide oder Troponin bestimmt werden (S. 28, 1C). Abbildung 1 setzt danach mit Shared Decision Making fort. |
| < 4 MET, großer Eingriff — EKG, TTE, NT-proBNP/Troponin, Shared Decision Making | Abbildung 1: EKG, TTE und NT-proBNP/TropT (NT-proBNP vor großen Eingriffen bei erhöhtem CV-Risiko 1B; Troponin 2B), danach Shared Decision Making und Advanced Care Planning → OP-Freigabe oder adaptierte/keine OP. |
Was ist der ÖGARI präoperative kardiale Abklärung (Leitlinie 2026)?
Dieses Werkzeug folgt Abbildung 1 (erweiterte präoperative kardiale Abklärung) sowie den Empfehlungen zu EKG, Echokardiografie und Biomarkern der Österreichischen Leitlinie zur präoperativen Evaluierung von Erwachsenen der ÖGARI, Update 2026. Der Pfad beginnt bei der Anamnese, teilt nach Belastbarkeit (≥ 4 vs. < 4 MET) und Eingriffskategorie und endet bei der anästhesiologischen OP-Freigabe oder — bei eingeschränkter Belastbarkeit — bei Shared Decision Making und Advanced Care Planning. Mehrere Empfehlungen wurden aus den AHA/ACC-Leitlinien 2024 und der ESC-Leitlinie 2022 übernommen.
Wann wird er eingesetzt?
- Entscheidung, ob vor elektiven nicht-kardiochirurgischen Eingriffen EKG, TTE oder NT-proBNP/Troponin nötig sind.
- Präanästhesiologische Evaluierung und Zuweisungen durch Allgemeinmedizin in Österreich.
- Vermeidung unnötiger kardialer Diagnostik bei belastbaren Patienten vor kleinen Eingriffen.
Wann nicht?
- Notfalleingriffe oder akute kardiale Zustände (akutes Koronarsyndrom, dekompensierte Herzinsuffizienz) — außerhalb des Geltungsbereichs dieses präoperativen Pfads.
- Herzchirurgie.
- Als alleiniger Grund, eine Operation wegen eines erhöhten Biomarkers zu verschieben.
So wird berechnet
Anamnese → MET ≥ 4: kleiner Eingriff → OP-Freigabe; großer Eingriff → EKG → OP-Freigabe Anamnese → MET < 4: EKG + TTE + NT-proBNP/TropT → Shared Decision Making → OP-Freigabe oder adaptierte/keine OP
Praxistipps und Grenzen
- Für Erwachsene vor elektiven nicht-kardiochirurgischen Eingriffen. Der NT-proBNP-Grenzwert zum Verzicht auf eine TTE ist in der Legende als „300 mg/L“ gedruckt; übliche Einheit ist ng/l (pg/ml). Erhöhte Biomarker allein sind kein Grund für eine OP-Verschiebung (S. 28–29). Die OP-Freigabe ist in Österreich eine anästhesiologische Entscheidung; internistische oder allgemeinmedizinische Begutachtungen dienen der organspezifischen Risikoeinschätzung, sind aber keine OP-Freigabe (S. 36).
- Belastbarkeit strukturiert erheben; vor großen Eingriffen bevorzugt die Leitlinie den DASI (bzw. M-DASI) gegenüber selbst berichteten MET.
- Bei kardialen Symptomen (Brustschmerz, Dyspnoe, Palpitationen, Tachykardie, Synkope, Herzgeräusch) sieht ÖGARI 2026 immer ein EKG vor.
- Bei stabilen Patienten ohne kardiale Symptome oder Risikofaktoren keine TTE (1B).
- TTE kann entfallen, wenn POCUS die Frage beantwortet, die Biomarker niedrig sind oder eine TTE ≤ 1 Jahr bei stabiler Klinik vorliegt.
- Eine internistische „Freigabe“ ist in Österreich keine OP-Freigabe; diese erteilt die Anästhesie gemeinsam mit Chirurgie und Patient.
Häufige Fragen
Braucht jeder Patient ab einem bestimmten Alter ein präoperatives EKG?
Nein. ÖGARI 2026 macht das EKG von Eingriffskategorie, bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung und Symptomen abhängig, nicht vom Alter; für asymptomatische Patienten vor kleinen Eingriffen sieht sie kein Routine-EKG vor.
Was gilt, wenn jemand kein Stockwerk steigen kann?
< 4 MET führt zu EKG, TTE und NT-proBNP/Troponin (Biomarker nur vor großen Eingriffen), danach Shared Decision Making und Advanced Care Planning.
Wer erteilt in Österreich die OP-Freigabe?
Laut ÖGARI-Leitlinie die Fachärztin bzw. der Facharzt für Anästhesiologie nach umfassender Risikostratifizierung; internistische oder allgemeinmedizinische Begutachtungen dienen nur der organspezifischen Risikoeinschätzung.
Evidenz und Leitlinien
- Primärquelle: ARGE präoperatives und tagesklinisches Patientenmanagement der ÖGARI (Duma A et al.). Österreichische Leitlinie zur präoperativen Evaluierung von erwachsenen Patientinnen und Patienten — Update 2026. Figure 1 (Erweiterte präoperative kardiale Abklärung) and legend, p. 35; recommendations pp. 11-15 and 28.
- Halvorsen S et al. 2022 ESC Guidelines on cardiovascular assessment and management of patients undergoing non-cardiac surgery. Eur Heart J 2022;43(39):3826-3924.
- Thompson A et al. 2024 AHA/ACC guideline for perioperative cardiovascular management for noncardiac surgery. Circulation 2024;150(19):e351-e442 (source of the adopted ECG/TTE recommendations).
- Lamperti M et al. ESAIC preoperative assessment guideline. Eur J Anaesthesiol 2025;42(1):1-35.
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