Marburger Herz-Score

Ausschluss einer KHK als Ursache von Brustschmerz in der Hausarztpraxis

Quellen zuletzt geprüft: 2026-10-13

Marburger Herz-Score

Ausschluss einer KHK als Ursache von Brustschmerz in der Hausarztpraxis

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0–2 — niedrig

Niedrige KHK-Wahrscheinlichkeit als Ursache des Brustschmerzes (ca. 2,5 % laut DEGAM-S3-Tabelle; NPV ca. 98 % in Entwicklung und Validierung). Andere Ursachen des Brustschmerzes rücken in den Vordergrund; die Einschätzung gilt für die aktuelle Beschwerdesymptomatik.

Validiert in der Primärversorgung bei Brustschmerz als Beratungsanlass, um eine KHK AUSZUSCHLIESSEN. Kein Triage-Instrument für das akute Koronarsyndrom: Warnzeichen, hämodynamische Instabilität oder EKG-Veränderungen sind Notfallbefunde, die der Score unabhängig von seinem Ergebnis nicht abbildet.

Quelle: Bösner S, Haasenritter J, Becker A et al. Ruling out coronary artery disease in primary care: development and validation of a simple prediction rule. CMAJ 2010;182(12):1295-1300.Öffnen

Interpretation

0–2 — niedrigNiedrige KHK-Wahrscheinlichkeit als Ursache des Brustschmerzes (ca. 2,5 % laut DEGAM-S3-Tabelle; NPV ca. 98 % in Entwicklung und Validierung). Andere Ursachen des Brustschmerzes rücken in den Vordergrund; die Einschätzung gilt für die aktuelle Beschwerdesymptomatik.
3 — mittelKHK-Wahrscheinlichkeit ca. 17 %: intermediär; der Score allein schließt eine KHK weder aus noch bestätigt er sie.
4–5 — hochKHK-Wahrscheinlichkeit ca. 50 %: hoch. Bei akuter Präsentation gehört ein akutes Koronarsyndrom zu den möglichen Ursachen.

Was ist der Marburger Herz-Score?

Der Marburger Herz-Score ist eine klinische Entscheidungsregel mit fünf Kriterien, die Hausärztinnen und Hausärzten hilft, bei Brustschmerz eine koronare Herzkrankheit auszuschließen. Bösner und Kollegen entwickelten ihn an der Universität Marburg an 1.199 Patienten aus deutschen Hausarztpraxen (2010) und validierten ihn anschließend extern in einer unabhängigen Primärversorgungskohorte. Die DEGAM-S3-Leitlinie Brustschmerz empfiehlt ihn für diesen Zweck.

Wann wird er eingesetzt?

  • Erwachsene, die sich in der Hausarztpraxis mit Brustschmerz als Hauptbeschwerde vorstellen.
  • Einschätzung, ob eine KHK als Ursache unwahrscheinlich ist und andere Ursachen (muskuloskelettal, gastrointestinal, psychogen) in den Vordergrund rücken.
  • Strukturierte Anamnese, wenn kein unmittelbarer Zugang zu Troponin oder Bildgebung besteht.

Wann nicht?

  • Verdacht auf akutes Koronarsyndrom mit anhaltendem Schmerz, Instabilität oder ST-Veränderungen — Notfallsituation außerhalb des Anwendungsbereichs.
  • Notaufnahme-Kollektive — dort nicht entwickelt; HEART-Score oder leitliniengerechte Troponin-Algorithmen nutzen.
  • Patienten, bei denen Brustschmerz nicht der Beratungsanlass ist.

So wird berechnet

KriteriumPunkte
Alter/Geschlecht: Frau ≥ 65 Jahre oder Mann ≥ 55 Jahre+1
Bekannte vaskuläre Erkrankung (KHK, zerebrovaskuläre Erkrankung oder pAVK)+1
Beschwerden belastungsabhängig+1
Schmerzen durch Palpation NICHT reproduzierbar+1
Patient vermutet, dass der Schmerz vom Herzen kommt+1

Praxistipps und Grenzen

  • Validiert in der Primärversorgung bei Brustschmerz als Beratungsanlass, um eine KHK AUSZUSCHLIESSEN. Kein Triage-Instrument für das akute Koronarsyndrom: Warnzeichen, hämodynamische Instabilität oder EKG-Veränderungen sind Notfallbefunde, die der Score unabhängig von seinem Ergebnis nicht abbildet.
  • Die Stärke liegt im negativen Ergebnis: Bei 0–2 Punkten lag der negative prädiktive Wert in Entwicklung und Validierung bei etwa 98 %.
  • Ein positiver Score (≥ 3) ist keine Diagnose — in der Validierung hatte nur etwa ein Viertel der positiven Patienten eine KHK.
  • Alle Kriterien stammen aus der Anamnese; EKG oder Labor sind nicht nötig, was den Score auch im Hausbesuch nutzbar macht.
  • Mit der klinischen Gesamteinschätzung kombinieren: Der ärztliche Gesamteindruck hatte in den Originalstudien zusätzlichen Wert.

Häufige Fragen

Ab wann ist der Marburger Herz-Score positiv?

Ab 3 Punkten. 0–2 Punkte sprechen für eine niedrige Wahrscheinlichkeit einer KHK als Ursache des Brustschmerzes.

Wird der Marburger Herz-Score in Leitlinien empfohlen?

Ja. Die DEGAM-S3-Leitlinie Brustschmerz (AWMF 053-023) empfiehlt ihn in der Primärversorgung zur Abschätzung der KHK-Wahrscheinlichkeit bei Brustschmerz.

Was unterscheidet den Marburger Herz-Score vom HEART-Score?

Der Marburger Herz-Score ist für die Hausarztpraxis gedacht und rein anamnestisch; der HEART-Score ist für die Notaufnahme und bezieht EKG und Troponin zur Abschätzung des kurzfristigen MACE-Risikos ein.

Welche Kriterien hat der Marburger Herz-Score?

Alter/Geschlecht (Frauen ≥ 65, Männer ≥ 55), bekannte Gefäßerkrankung, belastungsabhängige Beschwerden, nicht durch Palpation reproduzierbarer Schmerz und die Vermutung des Patienten, dass der Schmerz vom Herzen kommt — je 1 Punkt.

Evidenz und Leitlinien

  1. Primärquelle: Bösner S, Haasenritter J, Becker A et al. Ruling out coronary artery disease in primary care: development and validation of a simple prediction rule. CMAJ 2010;182(12):1295-1300.
  2. DEGAM S3-Leitlinie Brustschmerz (AWMF-Register 053-023), Version 2025: Empfehlung 5.3.2 und Tabelle 3.
  3. Haasenritter J et al. Coronary artery disease in primary care: accuracy of a simple diagnostic rule (Marburg Heart Score) — external validation. Br J Gen Pract 2012;62:e415-e421.

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