ICH-Score
Risiko der 30-Tage-Mortalität bei spontaner intrazerebraler Blutung
Quellen zuletzt geprüft: 2026-10-13
ICH-Score
Risiko der 30-Tage-Mortalität bei spontaner intrazerebraler Blutung
Abgeleitet an 152 Patienten eines einzigen Zentrums (UCSF, 1997–98) in einer Zeit häufiger früher Therapiebegrenzung. Ein hoher Wert allein rechtfertigt keine Therapiebegrenzung — sonst entsteht eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.
Interpretation
| 0 | 30-Tage-Mortalität 0 % in der Ableitungskohorte (alle 26 Patienten überlebten). |
|---|---|
| 1 | 30-Tage-Mortalität ≈ 13 % in der Ableitungskohorte. |
| 2 | 30-Tage-Mortalität ≈ 26 %. |
| 3 | 30-Tage-Mortalität ≈ 72 %. |
| 4 | 30-Tage-Mortalität ≈ 97 %. |
| 5–6 | Alle 6 Patienten mit Score 5 verstarben; Score 6 kam in der Ableitungskohorte nicht vor. |
Was ist der ICH-Score?
Der ICH-Score graduiert die spontane intrazerebrale Blutung von 0 bis 6 anhand von GCS, Blutungsvolumen, Ventrikeleinbruch, infratentorieller Lage und Alter. Hemphill und Kollegen leiteten ihn 2001 an 152 Patienten der University of California, San Francisco, mit der 30-Tage-Mortalität als Endpunkt ab. Er dient der standardisierten Kommunikation und Forschung, nicht der individuellen Prognoseentscheidung.
Wann wird er eingesetzt?
- Standardisierte Schweregradbeschreibung bei Aufnahme mit spontaner ICB.
- Stratifizierung in Registern, Qualitätssicherung und Studien.
- Strukturierung früher Gespräche über den Schweregrad im Team.
Wann nicht?
- Zur Begründung früher Therapiebegrenzung — Leitlinien warnen davor, dies an einem Score festzumachen.
- Bei traumatischer, tumorbedingter Blutung oder hämorrhagischer Transformation eines Infarkts; abgeleitet wurde er bei primärer ICB.
- Als Prädiktor des funktionellen Outcomes; entwickelt wurde er für die 30-Tage-Mortalität.
So wird berechnet
| Kriterium | Punkte |
|---|---|
| Glasgow Coma Scale | |
| 13–15 | 0 |
| 5–12 | 1 |
| 3–4 | 2 |
| Blutungsvolumen ≥ 30 ml | +1 |
| Ventrikeleinbruch (intraventrikuläre Blutung) | +1 |
| Infratentorielle Lage | +1 |
| Alter ≥ 80 Jahre | +1 |
Praxistipps und Grenzen
- Abgeleitet an 152 Patienten eines einzigen Zentrums (UCSF, 1997–98) in einer Zeit häufiger früher Therapiebegrenzung. Ein hoher Wert allein rechtfertigt keine Therapiebegrenzung — sonst entsteht eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.
- Volumen im ersten CT nach ABC/2 bestimmen: größter Durchmesser (A), senkrechter Durchmesser (B) und Schichtanzahl × Schichtdicke (C) in cm, Produkt durch 2.
- Die GCS wird bei Aufnahme bzw. nach initialer Stabilisierung erhoben, nicht unter Sedierung.
- Die Ableitungskohorte war klein und enthielt frühe Therapiebegrenzungen; in modernen Kohorten mit voller Therapie ist die Mortalität oft niedriger.
- Ein Wert von 6 ist möglich, kam in der Ableitungskohorte aber nicht vor.
Häufige Fragen
Wie berechnet man das ICB-Volumen?
Mit der ABC/2-Methode: die drei senkrecht aufeinander stehenden Durchmesser in Zentimetern multiplizieren und durch 2 teilen — das Ergebnis ist in Millilitern.
Wie hoch ist die Mortalität bei ICH-Score 3?
Etwa 72 % nach 30 Tagen in der Ableitungskohorte von 2001. Aktuelle Kohorten mit maximaler Therapie können abweichen.
Sagt der ICH-Score das funktionelle Outcome vorher?
Er korreliert damit, wurde aber für die 30-Tage-Mortalität entwickelt. Die funktionelle Prognose lässt sich nach den ersten Tagen voller Therapie besser beurteilen.
Evidenz und Leitlinien
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