Tarlatamab: Fachinformation – Dosierung, Gegenanzeigen, Wechselwirkungen, Nebenwirkungen

Für Fachkreise

4.1 Anwendungsgebiete

IMDYLLTRA wird als Monotherapie zur Behandlung erwachsener Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium (extensive-stage small cell lung cancer, ES-SCLC) angewendet, die nach Krankheitsprogression während oder nach einer Erstlinienbehandlung basierend auf platinhaltiger Chemotherapie eine systemische Therapie benötigen.

4.2 Dosierung und Art der Anwendung

Die Behandlung mit IMDYLLTRA sollte unter der Anleitung und Aufsicht eines in der Anwendung von Krebstherapien erfahrenen Arztes eingeleitet und in einer geeigneten Gesundheitseinrichtung angewendet werden. Siehe Tabelle 2 für Empfehlungen zu möglichen Begleitmedikationen.

Patienten sind an Tag 1 und Tag 8 ab Beginn der Infusion für 6 bis 8 Stunden zu überwachen. Eine zusätzliche Überwachung sowie eine Überwachung bei nachfolgenden Infusionen erfolgen nach Ermessen des Arztes.

Für Tag 1 und Tag 8 sollten Patienten angewiesen werden, für 24 Stunden ab Beginn jeder Infusion zusammen mit einer Betreuungsperson in der Nähe einer geeigneten Gesundheitseinrichtung zu verbleiben.

Sowohl Patienten als auch Betreuungspersonen sind vor der Entlassung über Anzeichen und Symptome eines Zytokinfreisetzungssyndroms (cytokine release syndrome, CRS) und eines Immuneffektorzellenassoziierten Neurotoxizitätssyndroms (immune effector cell-associated neurotoxicity syndrome, ICANS) aufzuklären.

Dosierung

Das empfohlene Dosierungsschema von IMDYLLTRA besteht aus einer Anfangsdosis von 1 mg an Tag 1, gefolgt von 10 mg an den Tagen 8 und 15 sowie danach alle 2 Wochen, wie in Tabelle 1 gezeigt.

Patienten sollten bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder bis zum Auftreten einer nicht tolerierbaren Toxizität behandelt werden.

Tabelle 1: Empfohlenes Dosierungsschema von IMDYLLTRA

Dosis von IMDYLLTRA
Tag 1

1 mg

Tag 8

10 mg

Tag 15 und danach alle

2 Wochen

10 mg

Empfohlene Begleitmedikationen

Begleitmedikationen zur Anwendung von IMDYLLTRA sind wie in Tabelle 2 angegeben anzuwenden, um das Risiko eines Zytokinfreisetzungssyndroms zu reduzieren (siehe Abschnitt 4.4).

Tabelle 2: Begleitmedikationen für Tag 1 und Tag 8

Behandlungstag
Arzneimittel

Anwendung

Tag 1 und Tag 8

8 mg Dexamethason intravenös (oder ein äquivalentes Arzneimittel) anwenden

Innerhalb von 1 Stunde vor der

IMDYLLTRA-Infusion

Gemäß leitliniengerechter

Standardtherapie wird eine intravenöse Anwendung von 1 Liter

9 mg/ml (0,9 %) Natriumchlorid-

Injektionslösung empfohlen.

Unmittelbar nach Abschluss der

IMDYLLTRA-Infusion

Wiederaufnahme der IMDYLLTRA-Behandlung nach Dosisverzögerung

Wenn sich die Gabe einer IMDYLLTRA-Dosis verzögert, sollte die Therapie basierend auf den in Tabelle 3 aufgeführten Empfehlungen wiederaufgenommen und das Dosierungsschema entsprechend fortgesetzt werden. Es sollten die empfohlenen Begleitmedikationen wie in Tabelle 2 angegeben angewendet werden.

Tabelle 3: Empfehlungen für eine Wiederaufnahme der Therapie mit IMDYLLTRA nach einer Dosisverzögerung

Letzte angewendete Dosis
Zeit seit der letzten angewendeten Dosis

Maßnahmea

1 mg an Tag 1 maximal 2 Wochen

(≤ 14 Tage)

10 mg IMDYLLTRA anwenden, danach mit dem geplanten Dosierungsschema fortfahren.

länger als 2 Wochen

(> 14 Tage)

1 mg IMDYLLTRA anwenden. Wenn die Dosis vertragen wird, 1 Woche später auf 10 mg erhöhen. Danach mit dem geplanten Dosierungsschema fortfahren.

10 mg an Tag 8 maximal 3 Wochen

(≤ 21 Tage)

10 mg IMDYLLTRA anwenden, danach mit dem geplanten Dosierungsschema fortfahren.

länger als 3 Wochen

(> 21 Tage)

1 mg IMDYLLTRA anwenden. Wenn die Dosis vertragen wird, 1 Woche später auf 10 mg erhöhen. Danach mit dem geplanten Dosierungsschema fortfahren.

10 mg an Tag 15 und danach alle

2 Wochen maximal 4 Wochen

(≤ 28 Tage)

10 mg IMDYLLTRA anwenden, danach mit dem geplanten Dosierungsschema fortfahren.

länger als 4 Wochen

(> 28 Tage)

1 mg IMDYLLTRA anwenden. Wenn die Dosis vertragen wird, 1 Woche später auf 10 mg erhöhen. Danach mit dem geplanten Dosierungsschema fortfahren.

a Empfohlene Begleitmedikationen vor und nach den IMDYLLTRA-Infusionen an Tag 1 und Tag 8 anwenden und Patienten entsprechend überwachen (siehe Tabelle 2).

Dosisänderungen und Management von Nebenwirkungen

Es wird keine Dosisreduktion für IMDYLLTRA empfohlen.

Empfohlene Maßnahmen zur Behandlung eines CRS siehe Tabelle 4, empfohlene Maßnahmen zur Behandlung eines ICANS siehe Tabelle 5 und empfohlene Maßnahmen zur Behandlung von anderen Nebenwirkungen siehe Tabelle 6.

Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS)

Ein CRS ist basierend auf dem klinischen Bild zu diagnostizieren (siehe Abschnitt 4.4). Patienten sind auf andere Ursachen von Fieber, Hypoxie und Hypotonie zu untersuchen und zu managen. Bei Verdacht auf ein CRS ist dieses entsprechend den Empfehlungen in Tabelle 4 zu behandeln. Patienten mit einem CRS von Grad 2 oder höher (z. B. Hypotonie ohne Ansprechen auf Flüssigkeitsgabe oder Hypoxie mit Bedarf an zusätzlichem Sauerstoff) sollten auf Anzeichen und Symptome eines CRS, einschließlich Fieber, Hypotonie und Hypoxie, je nach Befund mittels Pulsoxymetrie oder kardialer Telemetrie überwacht werden. Bei schwerem oder lebensbedrohlichem CRS werden eine Anti-IL-6- Therapie, z. B. mit Tocilizumab, sowie eine Aufnahme auf eine Intensivstation (ITS) zur supportiven Therapie empfohlen.

Tabelle 4: Leitlinien zur Einstufung, Dosisänderung und Behandlung bei
Zytokinfreisetzungssyndroma

CRS-
Grad

Definierende Symptome

IMDYLLTRA-Dosisänderung

Behandlung

Grad 1

Symptome erfordern nur eine symptomatische

Behandlung (z. B. Fieber

≥ 38 °C ohne Hypotonie oder Hypoxie).

- IMDYLLTRA unterbrechen, bis das

Ereignis abgeklungen ist, danach die Behandlung mit

IMDYLLTRA mit der nächsten geplanten Dosis wiederaufnehmen.b

- Symptomatische fiebersenkende

Behandlung (z. B.

Paracetamol) beginnen.

- 4 – 10 mg

Dexamethasonc

(oder ein äquivalentes

Arzneimittel) oral oder intravenös erwägen.

CRS-
Grad

Definierende Symptome

IMDYLLTRA-Dosisänderung

Behandlung

Grad 2

Symptome, die eine moderate Intervention erfordern und auf diese ansprechen:

- Fieber ≥ 38 °C,

- Hypotonie, die auf

Flüssigkeitsgabe anspricht und keine

Vasopressoren erfordert, und/oder

- Hypoxie, die eine

Nasenkanüle mit niedrigem

Durchfluss (Low-

Flow) oder

Blow-by-

Sauerstoff erfordert.

- IMDYLLTRA nicht anwenden, bis das Ereignis abgeklungen ist, danach die Behandlung mit IMDYLLTRA mit der nächsten geplanten Dosis wiederaufnehmen.b

- Hospitalisierung mit

Überwachung auf

Fieber, Hypotonie und Hypoxie mittels

Pulsoxymetrie oder, sofern angezeigt, mittels kardialer

Telemetrie empfohlen.

- Symptomatische fiebersenkende

Behandlung (z. B.

Paracetamol) anwenden.

- Bei Bedarf zusätzlichen

Sauerstoff und intravenöse

Flüssigkeiten anwenden.

- 8 mg

Dexamethasonc

(oder ein äquivalentes

Arzneimittel) oral oder intravenös erwägen.

- Tocilizumab (oder ein äquivalentes

Arzneimittel) erwägen.

Bei Wiederaufnahme der
Behandlung mit der nächsten geplanten Dosis sollten Patienten nach ärztlichem Ermessen in einer geeigneten medizinischen Einrichtung überwacht werden.b

CRS-
Grad

Definierende Symptome

IMDYLLTRA-Dosisänderung

Behandlung

Grad 3

Schwere Symptome, definiert als Temperatur

≥ 38 °C mit:

- hämodynamischer

Instabilität, die einen Vasopressor

(mit oder ohne

Vasopressin) erfordert, und/oder

- sich verschlechternder

Hypoxie oder

Atemstörung, die eine Nasenkanüle mit hohem

Durchfluss (High-

Flow) (> 6 l/min

Sauerstoff) oder eine

Gesichtsmaske erfordert.

- IMDYLLTRA unterbrechen, bis das

Ereignis abgeklungen ist, danach die Behandlung mit

IMDYLLTRA mit der nächsten geplanten Dosis wiederaufnehmen.b

- Bei erneut auftretenden

Ereignissen von Grad 3

IMDYLLTRA dauerhaft absetzen.

Ergänzend zu den

Maßnahmen bei Grad 2:

- Eine intensive

Überwachung, z. B.

Versorgung auf der

ITS, wird empfohlen.

- Alle 8 Stunden 8 mg

Dexamethasonc

(oder ein äquivalentes

Arzneimittel) intravenös anwenden, maximal

3 Dosen.

- Unterstützung mit

Vasopressoren nach

Bedarf.

- Zusätzliche Gabe von High-Flow-

Sauerstoff nach

Bedarf.

- Tocilizumab (oder ein äquivalentes

Arzneimittel) wird empfohlen.

- Vor der nächsten

Dosis

Begleitmedikationen gemäß den

Empfehlungen für

Tag 1 und Tag 8 anwenden (siehe

Tabelle 2).

Bei Wiederaufnahme der
Behandlung mit der nächsten geplanten Dosis sollten Patienten nach ärztlichem Ermessen in einer geeigneten medizinischen Einrichtung überwacht werden.b

CRS-
Grad

Definierende Symptome

IMDYLLTRA-Dosisänderung

Behandlung

Grad 4

Lebensbedrohliche

Symptome, definiert als

Temperatur ≥ 38 °C mit:

- hämodynamischer

Instabilität, die mehrere

Vasopressoren

(mit Ausnahme von Vasopressin) erfordert, und/oder

- sich verschlechternder

Hypoxie oder

Atemstörung trotz

Sauerstoffgabe, die eine Beatmung mit positivem Druck erfordert.

IMDYLLTRA dauerhaft absetzen.

- Versorgung auf der

ITS.

- Maßnahmen wie bei

Grad 3.

a CRS basierend auf Consensus Grading (2019) der American Society for Transplantation and Cellular Therapy (ASTCT).

b Empfehlungen zur Wiederaufnahme der IMDYLLTRA-Behandlung nach Dosisverzögerung siehe Tabelle 3.

c Steroide gemäß leitliniengerechter Standardtherapie ausschleichen.

ITS = Intensivstation

Immuneffektorzellenassoziiertes Neurotoxizitätssyndrom (ICANS)

Patienten sind auf Anzeichen und Symptome eines ICANS zu überwachen. Andere Ursachen für neurologische Symptome sind auszuschließen. Bei schwerer oder lebensbedrohlicher neurologischer Toxizität sollte eine intensivmedizinische Behandlung erfolgen. Bei Verdacht auf ein ICANS ist dieses entsprechend den Empfehlungen in Tabelle 5 zu behandeln.

Tabelle 5: Leitlinien zu Einstufung, Dosisänderung und Management bei
Immuneffektorzellenassoziiertem Neurotoxizitätssyndroma

ICANS-
Grada

Definierende

Symptome

IMDYLLTRA-Dosisänderung

Behandlung

Grad 1

ICE-Score 7 – 9b ohne

Bewusstseinsstörung.

- IMDYLLTRA bis zum

Abklingen des ICANS unterbrechen, danach die

Behandlung mit

IMDYLLTRA mit der nächsten geplanten Dosis wiederaufnehmen.c

- Supportive

Behandlung.

ICANS-
Grada

Definierende

Symptome

IMDYLLTRA-Dosisänderung

Behandlung

Grad 2

ICE-Score 3 – 6b und/oder leichte

Somnolenz, durch

Ansprache erweckbar.

- IMDYLLTRA bis zum

Abklingen des ICANS unterbrechen, danach die

Behandlung mit

IMDYLLTRA mit der nächsten geplanten Dosis wiederaufnehmen.c

- Supportive

Behandlung.

- 8 mg – 10 mg

Dexamethasond

(oder ein äquivalentes

Arzneimittel) oral oder intravenös.

- Wenn sich die

Symptome verschlechtern,

Dexamethason alle

12 Stunden oder

1 mg/kg

Methylprednisolond

(oder ein äquivalentes

Arzneimittel) intravenös alle

12 Stunden wiederholen.

- Auf neurologische

Symptome hin überwachen und die

Konsultation eines

Neurologen und anderer

Spezialisten für weitere

Untersuchungen und Behandlungen erwägen.

- Patienten nach der nächsten

IMDYLLTRA-

Dosis nach ärztlichem

Ermessen überwachen.c

ICANS-
Grada

Definierende

Symptome

IMDYLLTRA-Dosisänderung

Behandlung

Grad 3

ICE-Score 0 – 2b und/oder

Bewusstseinsstörung, nur durch taktilen Reiz erweckbar und/oder jeder klinische

Krampfanfall, fokal oder generalisiert, mit rascher

Rückbildung

oder

nicht-konvulsive
Krampfanfälle im EEG, die bei Intervention wieder abklingen, und/oder fokales oder lokales Ödem, nachweisbar in der Neurobildgebung.

- IMDYLLTRA bis zum
Abklingen des ICANS unterbrechen, danach die

Behandlung mit

IMDYLLTRA mit der nächsten geplanten Dosis wiederaufnehmen.c

- Wenn nicht innerhalb von

7 Tagen eine Besserung auf Grad ≤ 1 auftritt,

IMDYLLTRA dauerhaft absetzen.

- Bei erneut auftretenden

Ereignissen von Grad 3 dauerhaft absetzen.

- Intensive

Überwachung, z. B.

Versorgung auf der

ITS, empfohlen.

- Zum Schutz der

Atemwege eine mechanische

Beatmung erwägen.

10 mg

Dexamethasond

(oder ein äquivalentes

Arzneimittel) intravenös alle

6 Stunden oder

1 mg/kg

Methylprednisolond

(oder ein äquivalentes

Arzneimittel) intravenös alle

12 Stunden.

- Wiederholung der

Neurobildgebung

(CT oder MRT) alle 2 – 3 Tage erwägen, wenn der

Patient eine anhaltende

Neurotoxizität

≥ Grad 3 aufweist.

- Patienten nach der nächsten

IMDYLLTRA-

Dosis nach ärztlichem

Ermessen überwachen.c

ICANS-
Grada

Definierende

Symptome

IMDYLLTRA-Dosisänderung

Behandlung

Grad 4

ICE-Score 0b (Patient ist nicht erweckbar und nicht in der Lage, den

ICE-Test durchzuführen) und/oder Stupor oder

Koma und/oder lebensbedrohlicher, länger andauernder

Krampfanfall

(> 5 Minuten) oder repetitive klinische bzw.

im EEG erkennbare

Krampfanfälle ohne zwischenzeitliche

Rückkehr zum

Ausgangszustand und/oder diffuses zerebrales Ödem in der

Neurobildgebung,

Dezerebrationsstarre oder

Dekortikationsstarre oder Papillenödem,

Abducensparese oder

Cushing-Triade.

- IMDYLLTRA dauerhaft absetzen.

- Versorgung auf der

ITS.

- Zum Schutz der

Atemwege eine mechanische

Beatmung erwägen.

- Hoch dosierte

Kortikosteroide wie

1 000 mg/Tag

Methylprednisolond in geteilten Dosen intravenös über

3 Tage.

- Wiederholung der

Neurobildgebung

(CT oder MRT) alle 2 – 3 Tage erwägen, wenn der

Patient eine anhaltende

Neurotoxizität

≥ Grad 3 aufweist.

- Konvulsiven Status epilepticus gemäß den Leitlinien der

Einrichtung behandeln.

a ICANS basierend auf Consensus Grading (2019) der American Society for Transplantation and Cellular Therapy (ASTCT).

b Wenn der Patient erweckbar und in der Lage ist, sich einer Untersuchung auf Immuneffektorzellenassoziierte Enzephalopathie (Immune Effector Cell-Associated Encephalopathy, ICE-Bewertung) zu unterziehen, Folgendes beurteilen: Orientierung (Kenntnis von Jahr, Monat, Stadt, Krankenhaus = 4 Punkte); Benennen (benennt 3 Gegenstände, z. B. auf Uhr, Stift, Knopf zeigen = 3 Punkte); Befolgen von Anweisungen (z. B. „Zeigen Sie mir 2 Finger“ oder „Schließen Sie die Augen und strecken Sie die Zunge heraus“ = 1 Punkt); Schreiben (Fähigkeit, einen Standardsatz zu schreiben = 1 Punkt); und Konzentrieren (von 100 in Zehnerschritten rückwärts zählen = 1 Punkt). Ist der Patient nicht erweckbar und nicht imstande, die ICE- Bewertung durchzuführen (ICANS Grad 4) = 0 Punkte.

c Empfehlungen zur Wiederaufnahme der IMDYLLTRA-Behandlung nach Dosisverzögerung siehe Tabelle 3.

d Steroide gemäß leitliniengerechter Standardtherapie ausschleichen.

CT = Computertomographie; EEG = Elektroenzephalogramm; ITS = Intensivstation;

MRT = Magnetresonanztomographie

Neutropenie und andere Nebenwirkungen

Neutropenie und andere Nebenwirkungen sollten gemäß Tabelle 6 behandelt werden.

Tabelle 6: Empfohlene Unterbrechungen der Behandlung mit IMDYLLTRA zum Management von anderen Nebenwirkungena, b

Nebenwirkungen
Schweregrada

Dosisänderungb

Neutropenie

(siehe

Abschnitt 4.4)

Grad 1 und 2

Keine Unterbrechung der Behandlung erforderlich.

Grad 3

- Behandlung mit IMDYLLTRA mindestens für 3 Tage und so lange unterbrechen, bis sich das Ereignis auf Grad ≤ 2 bessert, danach Behandlung mit IMDYLLTRA wiederaufnehmen.

Eine Behandlung mit einem

Granulozyten-koloniestimulierenden Faktor

(granulocyte-colony stimulating factor,

G-CSF) in Erwägung ziehen.

Grad 4

- Behandlung mit IMDYLLTRA mindestens für 3 Tage und so lange unterbrechen, bis sich das Ereignis auf Grad ≤ 2 bessert, danach Behandlung mit IMDYLLTRA wiederaufnehmen.

- Wenn das Ereignis > 7 Tage anhält oder ein Ereignis von Grad 4 erneut auftritt, IMDYLLTRA dauerhaft absetzen.

Eine Behandlung mit einem

Granulozyten-koloniestimulierenden Faktor

(granulocyte-colony stimulating factor,

G-CSF) in Erwägung ziehen.

Lebertoxizität

(siehe

Abschnitt 4.4)c

Grad 3

ALT oder AST oder Bilirubin erhöht

- Behandlung mit IMDYLLTRA unterbrechen, bis Besserung auf

Grad ≤ 1 erreicht wurde.

Grad 4

ALT oder AST oder Bilirubin erhöht

- IMDYLLTRA dauerhaft absetzen.

AST oder ALT > 3 × ULN mit

Gesamtbilirubin > 2 × ULN ohne Vorhandensein alternativer Ursachen

- IMDYLLTRA dauerhaft absetzen.

Andere

Nebenwirkungen

(siehe

Abschnitt 4.8)

Grad 3 oder 4

IMDYLLTRA unterbrechen, bis Erholung auf Grad ≤ 1 oder der Ausgangszustand erreicht wurde.

Dauerhaftes Absetzen in Erwägung ziehen, wenn die Nebenwirkung nicht innerhalb von 28 Tagen abklingt.

- Bei Ereignissen von Grad 4 dauerhaftes Absetzen erwägen.
a Schweregrad basierend auf den allgemeinen Terminologiekriterien für unerwünschte Ereignisse des National Cancer Institute (NCI CTCAE), Version 5.0.

b Empfehlungen zur Wiederaufnahme der IMDYLLTRA-Behandlung nach Dosisverzögerung siehe Tabelle 3.

c Bei Patienten mit erhöhten Leberenzymen bei Therapiebeginn sollte das Vielfache der Ausgangswerte zur Beurteilung einer Lebertoxizität herangezogen werden.

ALT = Alanin-Aminotransferase; AST = Aspartat-Aminotransferase; ULN = obere Normgrenze (upper limit of normal)

Besondere Patientengruppen

Ältere Patienten

Es ist keine Dosisanpassung bei älteren Patienten (≥ 65 Jahre) erforderlich.

Leberfunktionsstörung

Bei Patienten mit leichter Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe Abschnitt 5.2). Es liegen begrenzte Daten zu Patienten mit mittelschwerer Leberfunktionsstörung vor.
IMDYLLTRA wurde bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung nicht untersucht. Für Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Leberfunktionsstörung können keine Dosisempfehlungen gegeben werden.

Nierenfunktionsstörung

Bei Patienten mit leichter oder mittelschwerer Nierenfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe Abschnitt 5.2). IMDYLLTRA wurde bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung nicht untersucht. Für Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung bis hin zu terminaler Niereninsuffizienz können keine Dosisempfehlungen gegeben werden.

Kinder und Jugendliche

Es gibt im Anwendungsgebiet der Behandlung von kleinzelligem Lungenkarzinom keinen relevanten Nutzen von IMDYLLTRA bei Kindern und Jugendlichen.

Art der Anwendung

IMDYLLTRA ist zur intravenösen Anwendung vorgesehen.

IMDYLLTRA muss vor der intravenösen Anwendung rekonstituiert und danach weiter verdünnt werden.

Hinweise zur Rekonstitution und Verdünnung des Arzneimittels vor der Anwendung, siehe Abschnitt 6.6.

Die Infusionsleitung für die Prämedikation kann für IMDYLLTRA verwendet werden. Zwischen der Anwendung der Begleitmedikationen und der IMDYLLTRA-Anwendung sollte die Infusionsleitung gespült werden.

Der gesamte Inhalt von IMDYLLTRA ist über einen Zeitraum von 1 Stunde als intravenöse Infusion mit konstanter Durchflussrate mittels einer Infusionspumpe anzuwenden, siehe Tabelle 7. Die Pumpe sollte programmierbar, verriegelbar und elastomerfrei sein und über einen Alarm verfügen.

Die Infusionsleitung wird mit 9 mg/ml (0,9 %) Natriumchlorid-Injektionslösung ODER dem fertig zubereiteten IMDYLLTRA vorgefüllt.

Nach Abschluss der IMDYLLTRA-Infusion sollte die intravenöse Infusionsleitung 3 – 5 Minuten lang mit 9 mg/ml (0,9 %) Natriumchlorid-Injektionslösung gespült werden.

Tabelle 7: Informationen zur Anwendung von Tarlatamab

Infusionsdauer für eine intravenöse
250 ml-Zubereitung

Infusionsrate (ml/Stunde)

1 Stunde

250 ml/Stunde

4.3 Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.

4.8 Nebenwirkungen

Zusammenfassung des Sicherheitsprofils

Die Sicherheit von IMDYLLTRA wurde bei 473 Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom (SCLC) untersucht, die in klinischen Studien die Tarlatamab-Zieldosis von 10 mg als Monotherapie erhielten.

Die häufigsten Nebenwirkungen sind: CRS (56,7 %), verminderter Appetit (36,4 %), Fieber (31,9 %), Dysgeusie (31,3 %), Obstipation (30,4 %), Anämie (30,0 %), Ermüdung (29,8 %), Übelkeit (24,9 %), Asthenie (19,0 %), Neutropenie (16,9 %), Hyponatriämie (16,7 %), Kopfschmerzen (16,3 %), Lymphopenie (15,6 %).

Die häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen sind CRS (19,7 %) und Fieber (4,7 %).

Tabellarische Auflistung der Nebenwirkungen

Nebenwirkungen, die in klinischen Studien berichtet wurden, sind nach Systemorganklasse und Häufigkeit aufgeführt. Die Häufigkeiten der Nebenwirkungen basieren auf gepoolten Daten aus jeweils einer Phase I-, Phase II- und Phase III-Studie mit 473 Patienten. Die mediane Expositionsdauer betrug 18,0 Wochen (Spanne: 0,1 bis 175,1 Wochen).

Nebenwirkungen sind gemäß MedDRA-Systemorganklasse und Häufigkeit aufgeführt. Die Häufigkeitskategorien sind wie folgt definiert: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100, < 1/10), gelegentlich (≥ 1/1 000, < 1/100), selten (≥ 1/10 000, < 1/1 000), sehr selten (< 1/10 000) und nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar). Innerhalb jeder Häufigkeitsgruppe sind die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregrad aufgeführt.

Tabelle 8: Nebenwirkungen

MedDRA-
Systemorganklasse

Nebenwirkung

Alle Grade

Grad ≥ 3

Erkrankungen des

Blutes und des

Lymphsystems

Anämie

Sehr häufig

Häufig

Neutropeniea, c

Sehr häufig

Häufig

Lymphopenieb

Sehr häufig

Sehr häufig

Thrombozytopenie

Häufig

Gelegentlich

Leukopenie

Häufig

Gelegentlich

Erkrankungen des

Gastrointestinaltrakts

Obstipation

Sehr häufig

Gelegentlich

Übelkeit

Sehr häufig

Gelegentlich

Erbrechen

Sehr häufig

Gelegentlich

Diarrhö

Sehr häufig

Gelegentlich

Allgemeine

Erkrankungen und

Beschwerden am

Verabreichungssort

Fieber

Sehr häufig

Gelegentlich

Ermüdung

Sehr häufig

Häufig

Asthenie

Sehr häufig

Häufig

Schüttelfrost

Häufig

Nicht berichtet

Erkrankungen des

Immunsystems

Zytokinfreisetzungssyndromc

Sehr häufig

Häufig

Untersuchungen

Gewicht erniedrigt

Sehr häufig

Häufig

Alanin-Aminotransferase erhöht

Sehr häufig

Häufig

Aspartat-Aminotransferase erhöht

Häufig

Häufig

Leukozytenzahl erniedrigt

Häufig

Häufig

Stoffwechsel- und

Ernährungsstörungen

Appetit vermindert

Sehr häufig

Häufig

Hyponatriämie

Sehr häufig

Häufig

Hypokaliämie

Sehr häufig

Häufig

Hypomagnesiämie

Häufig

Gelegentlich

Skelettmuskulatur-,

Bindegewebs- und

Knochenerkrankungen

Myalgie

Häufig

Nicht berichtet

MedDRA-
Systemorganklasse

Nebenwirkung

Alle Grade

Grad ≥ 3

Erkrankungen des

Nervensystems

Dysgeusie

Sehr häufig

Nicht berichtet

Kopfschmerzen

Sehr häufig

Nicht berichtet

Schwindelgefühl

Häufig

Nicht berichtet

Immuneffektorzellenassoziiertes

Neurotoxizitätssyndromc

Häufig

Gelegentlich

Tremor

Häufig

Nicht berichtet

Neurotoxizität

Gelegentlich

Nicht berichtet

Krampfanfall

Gelegentlich

Gelegentlich

Ataxie

Gelegentlich

Gelegentlich

Enzephalopathie

Gelegentlich

Gelegentlich

Psychiatrische

Erkrankungen

Verwirrtheitszustand

Häufig

Gelegentlich

Delirium

Häufig

Gelegentlich

Erkrankungen der

Atemwege, des

Brustraums und

Mediastinums

Dyspnoe

Sehr häufig

Häufig

Erkrankungen der Haut und des

Unterhautgewebes

Pruritus

Sehr häufig

Gelegentlich

Ausschlag

Häufig

Gelegentlich

Gefäßerkrankungen

Hypotonie

Häufig

Häufig

Hypertonie

Häufig

Häufig a Umfasst Neutrophilenzahl erniedrigt.

b Umfasst Lymphozytenzahl erniedrigt.

c Weitere Informationen sind unter „Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen“ zu finden.

Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen

Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS)

In klinischen Studien mit gepoolten Sicherheitsdaten von 473 Patienten mit SCLC, die 1 mg IMDYLLTRA als erste Dosis und 10 mg als zweite und spätere Dosen erhielten, trat ein CRS bei 56,7 % der Patienten auf, und zwar mit Ereignissen von Grad 1 bei 39,3 % der Patienten, von Grad 2 bei 15,4 % der Patienten, von Grad 3 bei 1,7 % der Patienten und von Grad 4 bei 0,2 % der Patienten.
Schwerwiegende Ereignisse im Zusammenhang mit CRS wurden bei 19,7 % der Patienten berichtet.

Nach der ersten Dosis von IMDYLLTRA trat bei 41,4 % der Patienten CRS jeglichen Grades auf;

nach der zweiten Dosis kam es bei 34,0 % der Patienten zu CRS jeglichen Grades. Der Großteil der CRS-Ereignisse trat nach den ersten beiden Dosen auf, während bei 8,5 % der Patienten ein CRS nach der dritten Dosis oder später auftrat. Nach der Infusion an Tag 1 trat bei 13,7 % der Patienten ein CRS von ≥ Grad 2 auf. Nach der Infusion an Tag 8 trat bei 4,4 % der Patienten ein CRS von ≥ Grad 2 auf.

Die mediane Zeit von der zuletzt angewendeten IMDYLLTRA-Dosis bis zum erstmaligen Einsetzen eines CRS betrug 15,9 Stunden (Spanne: 9,0 bis 26,5 Stunden). Bei jenen Ereignissen von Grad 1, die zu Grad 2 oder höher fortschritten, betrug die mediane Zeit vom Ereignis von Grad 1 bis zum Ereignis von Grad 2 oder höher 22,1 Stunden (Interquartilabstand: 8,5 – 31,6 Stunden). Ein Zytokinfreisetzungssyndrom führte bei 2,1 % der Patienten zu einer Behandlungsunterbrechung und/oder Dosisänderung und bei 0,6 % der Patienten zu einem Absetzen von Tarlatamab.

Nach der Markteinführung wurde über Fälle von CRS mit tödlichem Ausgang berichtet.

Informationen zum Management eines CRS, siehe Abschnitt 4.4.

Immuneffektorzellenassoziiertes Neurotoxizitätssyndrom (ICANS)

Tarlatamab kann ICANS verursachen, einschließlich lebensbedrohlicher oder tödlicher Ereignisse.

In klinischen Studien mit gepoolten Sicherheitsdaten von 473 Patienten mit SCLC, die IMDYLLTRA in einer Dosierung von 10 mg erhielten, wurde bei 4,7 % der Patienten über ein ICANS berichtet. Die mediane Zeit von der ersten IMDYLLTRA-Dosis bis zum erstmaligen Einsetzen des ICANS betrug 9,0 Tage (Interquartilabstand: 2 – 13 Tage). Die mediane Zeit bis zum Abklingen des ICANS betrug 4 Tage (Interquartilabstand: 2 – 8 Tage).

Informationen zum Management eines ICANS, siehe Abschnitt 4.4.

Neutropenie

In klinischen Studien mit gepoolten Sicherheitsdaten von 473 Patienten mit SCLC, die IMDYLLTRA in einer Dosierung von 10 mg erhielten, trat bei 16,9 % der Patienten eine Neutropenie auf, darunter Ereignisse von Grad 3 oder Grad 4 bei 8,2 % der Patienten. Die mediane Zeit von der ersten IMDYLLTRA-Dosis bis zum erstmaligen Einsetzen einer Neutropenie betrug 43 Tage (Spanne: 29 bis 109 Tage). Eine zur Behandlungsunterbrechung führende Neutropenie trat bei 3,2 % der Patienten auf, wobei sie in keinem der Fälle zu einem Behandlungsabbruch führte. Eine Behandlung mit G-CSF war bei 6 % der Patienten erforderlich.

Informationen zum klinischen Management von Neutropenie, siehe Abschnitt 4.4.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über das in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.

4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Rückverfolgbarkeit

Um die Rückverfolgbarkeit biologischer Arzneimittel zu verbessern, müssen die Bezeichnung des Arzneimittels und die Chargenbezeichnung des angewendeten Arzneimittels eindeutig dokumentiert werden.

Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS)

Die Anwendung von Tarlatamab wurde mit einem CRS in Verbindung gebracht, einschließlich lebensbedrohlicher oder tödlicher Ereignisse, siehe Abschnitt 4.8. Ein CRS kann mit Symptomen wie Fieber, Hypotonie, Hypoxie, Ermüdung, Tachykardie, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen einhergehen.

Patienten und Betreuungspersonen sind über das potenzielle Auftreten eines CRS nach der Entlassung aufzuklären und anzuweisen, sich unverzüglich in ärztliche Behandlung zu begeben, wenn Anzeichen oder Symptome auftreten.

Tarlatamab sollte in einer medizinischen Einrichtung angewendet werden, die über eine entsprechende Ausrüstung zur Überwachung und zum Management eines CRS verfügt. Vor Beginn der Infusionen ist sicherzustellen, dass Patienten einen ausgeglichenen Volumenhaushalt aufweisen. Patienten sind während der Einleitung der Tarlatamab-Behandlung engmaschig auf Anzeichen und Symptome eines CRS zu überwachen. Zur Minderung des CRS-Risikos ist es wichtig, die Behandlung mit Tarlatamab mit der in Tabelle 1 angegebenen empfohlenen Anfangsdosis einzuleiten.

Ein CRS ist entsprechend den Empfehlungen in Tabelle 4 zu behandeln.

Immuneffektorzellenassoziiertes Neurotoxizitätssyndrom (ICANS)

Die Anwendung von Tarlatamab wurde mit einem ICANS in Verbindung gebracht, einschließlich lebensbedrohlicher oder tödlicher Ereignisse, siehe Abschnitt 4.8. Ein ICANS kann bis mehrere Wochen nach der Anwendung von Tarlatamab auftreten. Nebenwirkungen, die mit einem ICANS einhergehen können, sind unter anderem Kopfschmerzen, Enzephalopathie, Verwirrtheit, Delirium, Krampfanfall, Ataxie, Neurotoxizität und Tremor. Patienten sind während der Tarlatamab-Behandlung engmaschig auf Anzeichen und Symptome eines ICANS zu überwachen.

Patienten und Betreuungspersonen sind über das potenzielle Auftreten eines ICANS nach der Entlassung aufzuklären und anzuweisen, sich unverzüglich in ärztliche Behandlung zu begeben, wenn Anzeichen oder Symptome auftreten.

Ein ICANS ist entsprechend den Empfehlungen in Tabelle 5 zu behandeln.

Neutropenie

Die Anwendung von Tarlatamab wurde mit Neutropenie in Verbindung gebracht, siehe Abschnitt 4.8.
Patienten sind während der Tarlatamab-Behandlung engmaschig auf Anzeichen und Symptome einer Neutropenie zu überwachen.

Eine Neutropenie ist entsprechend den Empfehlungen in Tabelle 6 zu behandeln.

Infektionen

Schwerwiegende Infektionen, einschließlich lebensbedrohlicher und tödlicher Infektionen, wurden bei mit Tarlatamab behandelten Patienten berichtet. Die häufigsten Infektionen sind unter anderem Pneumonie, Harnwegsinfektion, COVID-19, Infektion der oberen Atemwege, Infektion der Atemwege, Candida-Infektion, orale Candidose und Nasopharyngitis.

Patienten sind vor und während der Behandlung mit Tarlatamab auf Anzeichen und Symptome von Infektionen zu überwachen.

Überempfindlichkeit

Überempfindlichkeitsreaktionen, einschließlich seltener schwerwiegender Ereignisse, wurden bei mit Tarlatamab behandelten Patienten berichtet. Klinische Anzeichen und Symptome einer Überempfindlichkeit können unter anderem Ausschlag und Bronchospasmus einschließen. Patienten sind während der Behandlung mit Tarlatamab auf Anzeichen und Symptome einer Überempfindlichkeit zu überwachen und entsprechend dem klinischen Befund zu behandeln. Je nach der Schwere sollte eine Unterbrechung der Behandlung oder das dauerhafte Absetzen von Tarlatamab in Betracht gezogen werden, siehe Tabelle 6 zur Behandlung anderer Nebenwirkungen.

Lebertoxizität

Die Anwendung von Tarlatamab wurde mit erhöhten Leberenzymen in Verbindung gebracht. Eine Erhöhung der Leberenzyme kann mit oder ohne gleichzeitiges CRS auftreten.

Leberenzyme und Bilirubin sollten vor der Behandlung mit Tarlatamab sowie nach klinischer Indikation überwacht werden. Potenzielle Toxizitäten sind entsprechend den Empfehlungen in Tabelle 6 zu behandeln.

Frauen im gebärfähigen Alter/Kontrazeption

Der Schwangerschaftsstatus von Frauen im gebärfähigen Alter ist vor Einleitung der Behandlung mit Tarlatamab zu überprüfen. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und über einen Zeitraum von 2 Monaten nach der letzten Tarlatamab-Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden (siehe Abschnitt 4.6).

Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung

Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Dosis, d. h. es ist nahezu „natriumfrei“.

Dieses Arzneimittel enthält 0,04 mg Polysorbat 80 pro 1 mg-Durchstechflasche sowie 0,2 mg pro 10 mg-Durchstechflasche. Polysorbate können allergische Reaktionen hervorrufen.

4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt. Die Einleitung der Tarlatamab-Behandlung verursacht eine vorübergehende Freisetzung von Zytokinen, die CYP450- Enzyme unterdrücken und zu erhöhten Expositionen gegenüber gleichzeitig angewendeten CYP- Substraten führen können. Patienten, die gleichzeitig CYP450-Substrate erhalten, insbesondere jene mit kleinem therapeutischen Index, sollten im Hinblick auf bekannte unerwünschte Ereignisse überwacht werden. Die Dosis des gleichzeitig angewendeten Arzneimittels sollte nach Bedarf angepasst werden.

4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Frauen im gebärfähigen Alter/Kontrazeption

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und bis 2 Monate nach der Behandlung mit Tarlatamab eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.

Schwangerschaft

Es liegen keine Daten zur Anwendung von Tarlatamab bei Schwangeren vor.

Eine an Mäusen durchgeführte Studie zur Reproduktionstoxizität unter Verwendung des murinen Surrogatmoleküls muS757 zeigte, dass muS757 plazentagängig ist (siehe Abschnitt 5.3). Basierend auf seinem Wirkmechanismus und dem potenziellen Auftreten von Nebenwirkungen (wie CRS) nach Exposition gegenüber Tarlatamab kann Tarlatamab den Fötus schädigen, wenn eine Schwangere damit behandelt wird (siehe Abschnitt 5.1).

Die Anwendung von Tarlatamab während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen.

Der Schwangerschaftsstatus von Frauen im gebärfähigen Alter ist vor Beginn der Behandlung mit Tarlatamab zu überprüfen.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Tarlatamab in die Muttermilch übergeht. Da viele Arzneimittel, einschließlich Antikörper, in die Muttermilch übergehen können, kann ein Risiko für das Neugeborene/Kleinkind nicht ausgeschlossen werden. Das Stillen soll während der Behandlung mit Tarlatamab und für mindestens 2 Monate nach der letzten Dosis unterbrochen werden.

Fertilität

Es gibt keine klinischen Studien zur Untersuchung der Auswirkungen von Tarlatamab auf die Fertilität.

4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen

Aufgrund des potenziellen Auftretens von mit ICANS assoziierten neurologischen Ereignissen nach der Infusion von Tarlatamab hat Tarlatamab möglicherweise großen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Im Falle neurologischer Symptome sind Patienten anzuweisen, kein Fahrzeug zu führen und keinen gefährlichen Beschäftigungen oder Aktivitäten, wie z. B. dem Bedienen schwerer oder potenziell gefährlicher Maschinen, nachzugehen, bis diese Symptome abgeklungen sind.

4.9 Überdosierung

In klinischen Studien wurden Dosen von bis zu 100 mg alle 2 Wochen und 200 mg alle 3 Wochen untersucht. Im Falle einer Überdosierung muss der Patient engmaschig im Hinblick auf Anzeichen oder Symptome von Nebenwirkungen überwacht werden und sollte symptomatisch behandelt werden;
außerdem sollten nach Bedarf unterstützende Maßnahmen eingeleitet werden.

5.
PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Mittel, andere monoklonale Antikörper und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, ATC-Code: L01FX33

Wirkmechanismus

Tarlatamab ist ein bispezifischer, gegen den Delta-like-Liganden 3 (DLL3) gerichteter CD3-T-Zell- Engager, der an den auf der Oberfläche von Tumorzellen exprimierten DLL3 und an das auf der Oberfläche von T-Zellen exprimierte CD3 bindet. Die bispezifische Bindung von Tarlatamab an T-Zellen und DLL3-positive Tumorzellen löst eine Aktivierung von T-Zellen, die Produktion von inflammatorischen Zytokinen sowie die Freisetzung zytotoxischer Proteine aus, was zu einer gerichteten Lyse von Tumorzellen führt.

Pharmakodynamische Wirkungen

Das pharmakodynamische Ansprechen nach einer einmaligen Infusion von Tarlatamab zeigte sich in Form einer Umverteilung und Aktivierung von T-Zellen sowie einer vorübergehenden Erhöhung der Zytokine. Eine periphere Umverteilung der T-Zellen (d. h. Adhäsion von T-Zellen an das Endothel von Blutgefäßen und/oder Transmigration in Gewebe) trat innerhalb von 24 Stunden nach der Tarlatamab-Initialdosis von 1 mg an Tag 1 auf. Die T-Zell-Zahlen nahmen innerhalb von 6 Stunden nach der Infusion ab und kehrten bei den meisten Patienten vor der nächsten Infusion an Tag 8 auf die Ausgangswerte zurück.

Die Serumzytokine IL-2, IL-6, IL-8, IL-10, IFN-γ und TNF-α waren nach der Initialdosis von 1 mg Tarlatamab an Tag 1 vorübergehend erhöht. Die Zytokinspiegel erreichten innerhalb der ersten 2 Tage nach Beginn der Tarlatamab-Infusion ihren Höchstwert und kehrten im Allgemeinen vor der nächsten Infusion an Tag 8 auf die Ausgangswerte zurück. Bei nachfolgenden Behandlungen trat ein Anstieg der Zytokinwerte im Vergleich zur ersten Infusion an Tag 1 bei weniger Patienten und mit geringerer Intensität auf.

Immunogenität

Anti-Drug-Antikörper (anti-drug antibodies, ADA) wurden häufig nachgewiesen. Es gab keine Hinweise auf einen Einfluss von ADA auf Pharmakokinetik, Wirksamkeit oder Sicherheit; allerdings liegen weiterhin nur begrenzte Daten vor.

Klinische Wirksamkeit und Sicherheit

Studie DeLLphi-304

Auszug – vollständiger Text im Originaldokument. Originaldokument (PDF, EMA)

5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Es wurden populationspharmakokinetische Analysen zu Tarlatamab bei erwachsenen Patienten (n = 702) mit zuvor behandeltem fortgeschrittenem SCLC durchgeführt, um den zeitlichen Verlauf der Tarlatamab-Serumkonzentrationen nach intravenöser Anwendung zu beschreiben, die interindividuelle Variabilität zu quantifizieren sowie die Effekte patientenspezifischer Kovariaten auf die pharmakokinetischen (PK) Parameter von Tarlatamab zu bewerten.

Die maximale Serumkonzentration (Cmax), die minimale Serumkonzentration (Ctrough) und die Fläche unter der Serumkonzentrations-Zeit-Kurve im Steady-State (AUCtau) von Tarlatamab nahmen in dem bewerteten Dosisbereich von 1 mg bis 100 mg Q2W (das 10-Fache der empfohlenen Dosis) dosisproportional zu. Ein ungefährer Steady-State der Tarlatamab-Exposition im Serum wurde bis Zyklus 2 Tag 15 erreicht.

Verteilung

Der typische Wert (interindividueller Variationskoeffizient, VK %) für das zentrale Verteilungsvolumen beträgt 3,23 l (38 %), und das Verteilungsvolumen im Steady-State beträgt 8,19 l, wie auf Grundlage einer populationspharmakokinetischen Analyse geschätzt.

Biotransformation

Der Stoffwechselweg von Tarlatamab ist nicht beschrieben. Wie bei anderen proteinbasierten Arzneimitteln wird davon ausgegangen, dass Tarlatamab über katabole Stoffwechselwege zu kleinen Peptiden und Aminosäuren abgebaut wird.

Elimination

Bei Patienten mit SCLC betrug die systemische Clearance (interindividueller VK %) 0,728 l/Tag (34 %), und die terminale Eliminationshalbwertszeit betrug etwa 10,6 Tage, wie in der populationspharmakokinetischen Analyse geschätzt.
1,0

0,8

0,6

0,4

0,2

0,0

Überlebenswahrscheinlichkeit

Anzahl Patienten „at risk":

Tarlatamab

Standardtherapie
Monate

GRH2801 v3

Tarlatamab

Standardtherapie

Besondere Patientengruppen

Auszug – vollständiger Text im Originaldokument. Originaldokument (PDF, EMA)

Stand der Information: Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen Arzneimittel-Agentur https://www.ema.europa.eu verfügbar.

Quelle: Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Produktinformation. Keine Werbung, keine Therapieempfehlung. Bei Fragen zur eigenen Behandlung: Ärztin, Arzt oder Apotheke.