Serumosmolalität (berechnet)
Berechnete Serumosmolalität aus Natrium, Glukose und Harnstoff
Quellen zuletzt geprüft: 2026-10-27
Serumosmolalität (berechnet)
Berechnete Serumosmolalität aus Natrium, Glukose und Harnstoff
Ein berechneter Wert, keine Messung: Nicht gemessene Osmolyte (Ethanol, Methanol, Ethylenglykol, Mannitol) erfasst er nicht — deshalb ist die osmotische Lücke zum gemessenen Wert wichtig. Harnstoff passiert Zellmembranen frei; der Wert ist daher die Gesamt-, nicht die effektive Osmolalität (Tonizität).
Serumosmolalität (berechnet): Was ist das?
Die berechnete Serumosmolalität schätzt die Konzentration osmotisch wirksamer Teilchen aus den wichtigsten gemessenen Stoffen: Natrium (doppelt gezählt für die begleitenden Anionen), Glukose und Harnstoff. Smithline und Gardner (1976) machten die Formel zusammen mit dem Konzept der osmotischen Lücke bekannt — der Differenz zwischen gemessener und berechneter Osmolalität, die auf nicht gemessene Osmolyte hinweist.
Wann einsetzen?
- Abklärung einer Hypo- oder Hypernatriämie zusammen mit einer gemessenen Osmolalität
- Verdacht auf Intoxikation mit toxischen Alkoholen (Methanol, Ethylenglykol) — zur Berechnung der osmotischen Lücke
- Hyperglykämische Entgleisungen, bei denen Glukose wesentlich zur Osmolalität beiträgt
Wann nicht?
- Als Ersatz für die gemessene Osmolalität, wenn die Unterscheidung wichtig ist (z. B. Pseudohyponatriämie, toxische Alkohole)
- Ausgeprägte Hyperlipidämie oder Hyperproteinämie mit indirekter Natriummessung, die das Natrium unterschätzt
So wird berechnet
Berechnete Osmolalität = 2 × Na + Glukose + Harnstoff (alles in mmol/l) Konventionelle Einheiten: 2 × Na + Glukose (mg/dl)/18 + BUN (mg/dl)/2,8 Harnstoff (mg/dl) × 10/60,056 = mmol/l Osmotische Lücke = gemessene − berechnete Osmolalität
Praxistipps und Grenzen
- Ein berechneter Wert, keine Messung: Nicht gemessene Osmolyte (Ethanol, Methanol, Ethylenglykol, Mannitol) erfasst er nicht — deshalb ist die osmotische Lücke zum gemessenen Wert wichtig. Harnstoff passiert Zellmembranen frei; der Wert ist daher die Gesamt-, nicht die effektive Osmolalität (Tonizität).
- Osmotische Lücke = gemessene − berechnete Osmolalität; Smithline und Gardner hielten eine Lücke über etwa 10 mOsm/kg für auffällig, der Normbereich ist jedoch breit, und eine normale Lücke schließt eine Intoxikation mit toxischen Alkoholen nicht aus.
- Ethanol ist die häufigste Ursache einer erhöhten Lücke; manche Formeln addieren Ethanol (mmol/l).
- Harnstoff ist ein ineffektives Osmolyt: effektive Osmolalität (Tonizität) = 2 × Na + Glukose.
- Deutsche Labore geben meist Harnstoff statt BUN in mg/dl an; deshalb gibt es dafür eine eigene Einheitenoption (Harnstoff mg/dl × 10/60,056 = mmol/l).
Häufige Fragen
Wie lautet die Formel für die berechnete Serumosmolalität?
2 × Na + Glukose + Harnstoff, alles in mmol/l. In konventionellen Einheiten: 2 × Na + Glukose/18 + BUN/2,8.
Wie berechne ich die osmotische Lücke?
Den berechneten Wert von der gemessenen Osmolalität (Gefrierpunktosmometer) abziehen. Eine Lücke deutlich über 10 mOsm/kg spricht für nicht gemessene Osmolyte wie Ethanol, Methanol, Ethylenglykol oder Mannitol.
Osmolalität oder Osmolarität?
Osmolalität bezieht sich auf kg Wasser und wird im Labor gemessen; die Formel liefert eine osmolaritätsähnliche Schätzung, die in der Praxis direkt mit ihr verglichen wird.
Evidenz und Leitlinien
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