FE-Harnstoff (fraktionelle Harnstoffexkretion)
Prärenale vs. tubuläre AKI, wenn bereits Diuretika gegeben wurden
Quellen zuletzt geprüft: 2026-10-13
FE-Harnstoff (fraktionelle Harnstoffexkretion)
Prärenale vs. tubuläre AKI, wenn bereits Diuretika gegeben wurden
Abgeleitet an 102 Episoden akuten Nierenversagens bei stationären Erwachsenen. Weniger verlässlich bei Sepsis, höherem Alter, osmotischer Diurese und eiweißreicher Ernährung; Harnstoff und Kreatinin jeweils in Plasma und Urin in derselben Einheit eingeben.
Interpretation
| ≤ 35 % — prärenales Muster | Carvounis 2002: FE-Harnstoff ≤ 35 % trennte prärenale Azotämie (mit oder ohne Diuretika) besser von ATN als die FENa. |
|---|---|
| > 35 % — untypisch für prärenale AKI | Der Mittelwert in der ATN-Gruppe lag bei 58,6 %; Werte über 35 % sprechen gegen eine rein prärenale Ursache. |
Was ist der FE-Harnstoff (fraktionelle Harnstoffexkretion)?
Die fraktionelle Harnstoffexkretion (FE-Harnstoff) ist der Anteil des filtrierten Harnstoffs, der im Urin erscheint. Da Harnstoff überwiegend passiv im proximalen Tubulus transportiert wird, beeinflussen Diuretika ihn weniger als Natrium. Carvounis und Kollegen (2002) fanden, dass eine FE-Harnstoff ≤ 35 % prärenale Azotämie – auch unter Diuretika – besser von akuter Tubulusnekrose trennte als die FENa.
Wann wird er eingesetzt?
- Akute Nierenschädigung bei Patienten, die Schleifen- oder Thiaziddiuretika erhalten haben
- Widersprüchliche FENa und klinisches Bild
- Gleichzeitig abgenommene Plasma- und Spontanurinproben
Wann nicht?
- Osmotische Diurese (Hyperglykämie, Mannitol) oder sehr hohe Eiweißzufuhr
- Als alleiniger Test ohne klinische Beurteilung und Urinsediment
So wird berechnet
FE-Harnstoff (%) = (Urin-Harnstoff × Plasma-Kreatinin) / (Plasma-Harnstoff × Urin-Kreatinin) × 100
Praxistipps und Grenzen
- Abgeleitet an 102 Episoden akuten Nierenversagens bei stationären Erwachsenen. Weniger verlässlich bei Sepsis, höherem Alter, osmotischer Diurese und eiweißreicher Ernährung; Harnstoff und Kreatinin jeweils in Plasma und Urin in derselben Einheit eingeben.
- In Carvounis’ Studie hatten 89 % der prärenalen Patienten unter Diuretika eine FE-Harnstoff < 35 %, aber nur 48 % eine FENa < 1 %.
- Spätere Studien fanden eine schwächere Trennschärfe bei Sepsis und bei älteren Patienten.
- Plasma- und Urinharnstoff müssen dieselbe Einheit haben, ebenso Plasma- und Urinkreatinin – die Einheiten kürzen sich heraus.
Häufige Fragen
Welche FE-Harnstoff spricht für eine prärenale AKI?
35 % oder weniger. Die ATN-Gruppe der Originalstudie lag im Mittel bei etwa 59 %.
Warum FE-Harnstoff statt FENa?
Diuretika steigern die Natriumausscheidung und erhöhen die FENa auch bei prärenaler Ursache; die Harnstoffausscheidung ist deutlich weniger betroffen.
Kann ich BUN statt Harnstoff verwenden?
Ja, solange Plasma und Urin beide als BUN (oder beide als Harnstoff) in derselben Einheit vorliegen – das Verhältnis bleibt gleich.
Evidenz und Leitlinien
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