Ambulant erworbene Pneumonie

M2Schwierigkeit: leichtZuletzt aktualisiert:

Eine 34-jährige, bislang gesunde Lehrerin stellt sich in der Hausarztpraxis mit seit 3 Tagen bestehendem Fieber bis 39 °C, produktivem Husten und rechtsseitigen atemabhängigen Thoraxschmerzen vor. Sie ist wach und orientiert. Atemfrequenz 22/min, RR 122/76 mmHg, Herzfrequenz 98/min, SpO₂ 96 % bei Raumluft. Auskultatorisch feinblasige Rasselgeräusche rechts basal; im Röntgen-Thorax Infiltrat im rechten Unterlappen. Keine Vorerkrankungen, keine bekannten Allergien, keine Antibiotikatherapie in den letzten 3 Monaten. Die häusliche Versorgung ist gesichert.

Welches Vorgehen ist am ehesten angezeigt?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: B. Ambulante Therapie mit Amoxicillin p. o. und Reevaluation nach 48–72 Stunden

Es handelt sich um eine leichtgradige ambulant erworbene Pneumonie ohne Komorbidität. Der CRB-65-Score beträgt 0 (keine Verwirrtheit, Atemfrequenz < 30/min, RR systolisch ≥ 90 und diastolisch > 60 mmHg, Alter < 65 Jahre), die Oxygenierung ist ausreichend. Solche Patienten sollten laut S3-Leitlinie ambulant behandelt und nach 48–72 Stunden reevaluiert werden. Mittel der Wahl ist Amoxicillin, weil Streptococcus pneumoniae der häufigste Erreger ist, Pneumokokken in Deutschland nur sehr selten penicillinresistent sind und Doxycyclin sowie Makrolide deutlich höhere Resistenzraten aufweisen – das gilt ausdrücklich auch für jüngere Patienten, bei denen Mykoplasmen häufiger vorkommen. Amoxicillin-Clavulansäure ist für leichte Pneumonien mit definierter Komorbidität vorgesehen, Fluorchinolone nur, wenn keine gleichwertige Alternative verfügbar ist. Eine Pneumonie mit radiologisch gesichertem Infiltrat ist antibiotisch zu behandeln.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Ambulante Therapie mit Moxifloxacin p. o.Falsch: Fluorchinolone sind wegen ihrer Toxizität Alternativen, die nur eingesetzt werden sollen, wenn keine gleich gute Alternative verfügbar ist.
  • B. Ambulante Therapie mit Amoxicillin p. o. und Reevaluation nach 48–72 StundenRichtig: CRB-65 = 0 ohne Komorbidität → ambulante Therapie mit Amoxicillin als Mittel der Wahl und Reevaluation nach 48–72 h.
  • C. Stationäre Aufnahme und Therapie mit Ceftriaxon i. v. plus ClarithromycinFalsch: Bei CRB-65 = 0 und normaler Oxygenierung ist keine stationäre Behandlung erforderlich; eine i. v.-Kombinationstherapie entspricht der mittelschweren Pneumonie.
  • D. Ambulante Therapie mit Amoxicillin-Clavulansäure p. o.Falsch: Amoxicillin-Clavulansäure ist Primärtherapie der leichten Pneumonie mit definierter, stabiler Komorbidität (z. B. Herzinsuffizienz, schwere COPD).
  • E. Keine Antibiotikatherapie, symptomatische Behandlung und Wiedervorstellung in einer WocheFalsch: Eine radiologisch gesicherte Pneumonie wird kalkuliert antibiotisch behandelt; die Reevaluation erfolgt nach 48–72 h, nicht erst nach einer Woche.

Merke

Leichte ambulant erworbene Pneumonie ohne Komorbidität (CRB-65 = 0): ambulant Amoxicillin p. o. und Kontrolle nach 48–72 Stunden.

Aus der Quelle

„Amoxicillin ist Mittel der Wahl. Dies gilt auch für jüngere Patienten, da Pneumokokken als pathogener anzusehen sind als Mycoplasma pneumoniae und Doxycyclin als auch Makrolide im Vergleich zu Penicillin die ungleich höhere Resstenzrate ausweisen.“

Quellen

  1. S3-Leitlinie Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie – Update 2021 (AWMF 020-020).

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