Metformin bei Niereninsuffizienz
SIP · KPJ · M2 · AllgemeinmedizinSchwierigkeit: mittelZuletzt aktualisiert:
Ein 74-jähriger Patient mit Typ-2-Diabetes nimmt seit Jahren Metformin 1.000 mg zweimal täglich (2.000 mg/Tag). HbA1c 6,9 %. Bei den letzten beiden Kontrollen lag die eGFR (CKD-EPI) stabil bei 38 bzw. 39 ml/min/1,73 m², vor einem Jahr bei 52 ml/min/1,73 m². Er hat derzeit keine akute Erkrankung, und eine Kontrastmitteluntersuchung ist nicht geplant.
Welches Vorgehen bezüglich Metformin entspricht der Fachinformation?
Lösung und Erklärung
Richtige Antwort: A. Dosis auf höchstens 1.000 mg/Tag reduzieren und die Nierenfunktion häufiger kontrollieren (z. B. alle 3–6 Monate)
Seit der EU-weiten Neubewertung durch die EMA (2016) darf Metformin auch bei mäßig eingeschränkter Nierenfunktion (GFR 30–59 ml/min) angewendet werden, die Dosis wird aber an die GFR angepasst. Die harmonisierte Fachinformation legt folgende maximale Tagesdosen fest: 3.000 mg bei einer GFR von 60–89 ml/min, 2.000 mg bei 45–59 ml/min und 1.000 mg bei 30–44 ml/min. Unter 30 ml/min ist Metformin kontraindiziert. Bei diesem Patienten liegt die eGFR wiederholt zwischen 30 und 44, die bisherige Dosis von 2.000 mg/Tag ist also zu hoch und muss auf höchstens 1.000 mg/Tag reduziert werden. Die GFR soll mindestens jährlich bestimmt werden, bei älteren Menschen und bei Risiko einer Progression häufiger, etwa alle 3–6 Monate. In Situationen, die die Nierenfunktion verändern können (Dehydratation, akute Erkrankung, jodhaltiges Kontrastmittel, größere Operationen), wird Metformin vorübergehend pausiert. So soll das Risiko einer Laktatazidose gering gehalten werden.
Die Antwortoptionen im Einzelnen
- A. Dosis auf höchstens 1.000 mg/Tag reduzieren und die Nierenfunktion häufiger kontrollieren (z. B. alle 3–6 Monate)Richtig: Bei einer GFR von 30–44 ml/min beträgt die maximale Tagesdosis 1.000 mg, und die Nierenfunktion wird engmaschiger kontrolliert.
- B. Unverändert 2.000 mg/Tag weitergeben, da die eGFR über 30 ml/min liegtFalsch: Über 30 ml/min ist Metformin zwar erlaubt, aber bei 30–44 ml/min mit höchstens 1.000 mg/Tag.
- C. Metformin sofort absetzen, da es ab einer eGFR < 45 ml/min kontraindiziert istFalsch: Die Kontraindikation beginnt erst unter 30 ml/min. Bei 30–44 ml/min wird die Dosis reduziert, nicht abgesetzt.
- D. Dosis auf 3.000 mg/Tag erhöhen, um die verschlechterte Stoffwechsellage auszugleichenFalsch: 3.000 mg sind nur bei einer GFR ≥ 60 ml/min zulässig. Eine Dosiserhöhung bei sinkender GFR erhöht das Laktatazidose-Risiko.
- E. Auf ein Metformin-Retardpräparat mit 2.000 mg einmal täglich umstellen, da Retardformen keine Dosisanpassung erfordernFalsch: Die GFR-abhängigen Höchstdosen gelten unabhängig von der Galenik, also auch für Retardpräparate; bei eGFR 30–44 ml/min beträgt die maximale Tagesdosis 1.000 mg.
Merke
Metformin ist bei einer GFR von 30–44 ml/min mit höchstens 1.000 mg/Tag erlaubt und erst unter 30 ml/min kontraindiziert.
Aus der Quelle
„GFR ml/min Maximale Tagesdosis (aufgeteilt auf 2-3 Dosen pro Tag) … 30-44 1.000 mg < 30 - Metformin ist kontraindiziert.“