Sepsis und septischer Schock

SIP · KPJ · M2 · M3Schwierigkeit: leichtZuletzt aktualisiert:

Ein 68-jähriger Mann wird von der Rettung in die Notaufnahme gebracht. Seit gestern Fieber, Schüttelfrost, Dysurie und linksseitige Flankenschmerzen. Befund: Temperatur 39,4 °C, RR 84/48 mmHg, Puls 118/min, Atemfrequenz 26/min, er ist verlangsamt und desorientiert (GCS 14). Laktat 4,2 mmol/l. Der Harnstreifen ist nitrit- und leukozytenpositiv. Zwei venöse Zugänge sind gelegt, Blutkulturen sind abgenommen, eine kristalloide Infusion läuft.

Welches Vorgehen bezüglich antimikrobieller Therapie entspricht der Surviving Sepsis Campaign 2021?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: A. Sofortige i.v. Gabe eines Breitspektrum-Antibiotikums, möglichst innerhalb von 1 Stunde nach Erkennen

Der Patient erfüllt klinisch die Kriterien einer Sepsis mit wahrscheinlichem septischem Schock bei Urosepsis: Hypotonie (MAP ≈ 60 mmHg), Laktat > 2 mmol/l, Bewusstseinsveränderung, Tachypnoe (qSOFA 3 Punkte). Die Surviving Sepsis Campaign 2021 empfiehlt bei möglichem septischem Schock oder hoher Sepsiswahrscheinlichkeit die sofortige antimikrobielle Therapie, idealerweise innerhalb von 1 Stunde nach Erkennen (starke Empfehlung). Blutkulturen sollen möglichst vorher abgenommen werden, dürfen die Therapie aber nicht verzögern. Das 3-Stunden-Fenster mit vorheriger rascher Abklärung gilt nur für eine mögliche Sepsis ohne Schock. Parallel erfolgen Volumentherapie (mindestens 30 ml/kg Kristalloide in den ersten 3 Stunden als schwache Empfehlung), bei persistierender Hypotonie Noradrenalin mit initialem Ziel-MAP von 65 mmHg sowie die Fokussanierung (z. B. Entlastung einer gestauten Niere). Bildgebung und Kulturergebnisse helfen bei Fokus und Deeskalation, rechtfertigen aber keinen Aufschub.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Sofortige i.v. Gabe eines Breitspektrum-Antibiotikums, möglichst innerhalb von 1 Stunde nach ErkennenRichtig: Bei möglichem septischem Schock sofort Antibiotika, idealerweise innerhalb 1 h nach Erkennen.
  • B. Antibiotikagabe erst nach Erhalt von Harnkultur und Antibiogramm, um gezielt zu behandelnFalsch: Kulturergebnisse dauern Tage; sie dienen der späteren Deeskalation, nicht als Voraussetzung für den Therapiebeginn.
  • C. Zunächst Procalcitonin bestimmen; Entscheidung über Antibiotika innerhalb von 3 StundenFalsch: Das 3-h-Zeitfenster gilt nur für mögliche Sepsis ohne Schock; hier liegt Hypotonie mit Laktaterhöhung vor.
  • D. Antibiotikum erst nach CT-Abdomen, wenn ein Fokus bildgebend gesichert istFalsch: Bildgebung zur Fokussuche ist sinnvoll, darf die Antibiotikagabe aber nicht verzögern.
  • E. Orale Gabe von Ciprofloxacin und Wiederbestellung in die Ambulanz am nächsten TagFalsch: Ein hämodynamisch instabiler Patient mit Sepsis braucht stationäre Behandlung mit i.v. Therapie.

Merke

Bei möglichem septischem Schock werden Antibiotika sofort, idealerweise innerhalb einer Stunde nach Erkennen, gegeben – Diagnostik darf das nicht verzögern.

Aus der Quelle

„For adults with possible septic shock or a high likelihood for sepsis, we recommend administering antimicrobials immediately, ideally within 1 h of recognition“

Quellen

  1. Evans L et al. Surviving Sepsis Campaign: International Guidelines for Management of Sepsis and Septic Shock 2021. Intensive Care Med 2021;47:1181–1247.

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