Chronische Nierenerkrankung – Nephroprotektion

SIP · Allgemeinmedizin · M2 · M3Schwierigkeit: mittelZuletzt aktualisiert:

Eine 63-jährige Frau ohne Diabetes mellitus hat eine chronische Nierenerkrankung bei langjähriger arterieller Hypertonie. Unter Ramipril 10 mg (maximal verträgliche Dosis) liegt der Blutdruck bei 126/78 mmHg. Labor: eGFR (CKD-EPI) 38 ml/min/1,73 m², Kalium 4,8 mmol/l, Albumin/Kreatinin-Quotient im Harn 320 mg/g. Keine Herzinsuffizienz.

Welche zusätzliche nephroprotektive Therapie empfiehlt die KDIGO-Leitlinie 2024?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: A. Ein SGLT2-Hemmer (z. B. Dapagliflozin oder Empagliflozin)

Die KDIGO-Leitlinie 2024 empfiehlt bei Erwachsenen mit chronischer Nierenerkrankung einen SGLT2-Hemmer (Evidenzgrad 1A), wenn die eGFR ≥ 20 ml/min/1,73 m² und der Albumin/Kreatinin-Quotient ≥ 200 mg/g (≥ 20 mg/mmol) beträgt oder eine Herzinsuffizienz vorliegt – unabhängig von einem Diabetes. Bei eGFR 20–45 und geringerer Albuminurie wird er ebenfalls vorgeschlagen (2B). Diese Patientin erfüllt mit eGFR 38 und ACR 320 mg/g die 1A-Kriterien. Nach Therapiebeginn ist ein leichter, reversibler eGFR-Abfall zu erwarten; das ist kein Grund zum Absetzen. Während längerer Nüchternphasen, Operationen oder schwerer akuter Erkrankung kann der SGLT2-Hemmer pausiert werden. Die RAS-Blockade mit maximal verträglicher Dosis bleibt Basistherapie; eine duale RAS-Blockade wird nicht empfohlen. Finerenon ist für Menschen mit Typ-2-Diabetes und Albuminurie vorgesehen.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Ein SGLT2-Hemmer (z. B. Dapagliflozin oder Empagliflozin)Richtig. Bei CKD mit eGFR ≥ 20 ml/min/1,73 m² und ACR ≥ 200 mg/g wird ein SGLT2-Hemmer empfohlen (1A) – auch ohne Diabetes.
  • B. Zusätzlich ein Angiotensin-Rezeptorblocker (duale RAS-Blockade)Falsch. Die Kombination aus ACE-Hemmer und ARB erhöht das Risiko für Hyperkaliämie und akute Nierenschädigung ohne nachgewiesenen Nutzen.
  • C. FinerenonFalsch. Das nichtsteroidale MRA wird von KDIGO bei Typ-2-Diabetes mit Albuminurie vorgeschlagen; diese Patientin hat keinen Diabetes.
  • D. Keine Zusatztherapie, da SGLT2-Hemmer nur bei Diabetes wirksam sindFalsch. Der nephroprotektive Nutzen ist unabhängig vom Diabetesstatus belegt (z. B. DAPA-CKD, EMPA-KIDNEY).
  • E. Absetzen von Ramipril, weil die eGFR unter 45 ml/min/1,73 m² liegtFalsch. Die RAS-Blockade bleibt bei Albuminurie Basistherapie und soll bei dieser eGFR fortgeführt werden.

Merke

CKD mit eGFR ≥ 20 und ACR ≥ 200 mg/g: SGLT2-Hemmer zusätzlich zur RAS-Blockade – auch ohne Diabetes.

Aus der Quelle

„We recommend treating adults with CKD with an SGLT2i for the following (1A): eGFR ≥20 ml/min per 1.73 m2 with urine ACR ≥200 mg/g (≥20 mg/mmol), or heart failure, irrespective of level of albuminuria.“

Quellen

  1. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int 2024;105(4S):S117–S314.

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