Hyperkaliämie – Notfalltherapie

SIP · KPJ · M2 · M3Schwierigkeit: mittelZuletzt aktualisiert:

Ein 76-jähriger Mann mit chronischer Nierenerkrankung (eGFR 24 ml/min/1,73 m²), der Ramipril und Spironolacton einnimmt, wird wegen zunehmender Schwäche in die Notaufnahme gebracht. Er ist ansprechbar, RR 112/70 mmHg, HF 48/min. Kalium in der BGA: 7,2 mmol/l. Im EKG: hohe, spitze T-Wellen, nicht abgrenzbare P-Wellen und ein verbreiterter QRS-Komplex.

Welche Maßnahme ist als erste indiziert?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: D. Kalzium i.v., z. B. 30 ml Kalziumglukonat 10 % über 10 Minuten

Eine schwere Hyperkaliämie (K⁺ ≥ 6,5 mmol/l) mit EKG-Veränderungen – hier zeltförmige T-Wellen, fehlende P-Wellen, verbreiterter QRS-Komplex und Bradykardie – erfordert eine Notfallbehandlung. Nach dem Hyperkaliämie-Algorithmus der ERC-Leitlinien 2025 (deutsche Fassung des GRC) wird bei EKG-Veränderungen oder Arrhythmie zuerst Kalzium i.v. gegeben (6,8 mmol): 30 ml Kalziumglukonat 10 % über 10 Minuten oder – bei Kreislaufstillstand bzw. Periarrest – 10 ml Kalziumchlorid 10 % über 5 Minuten. Kalzium senkt das Kalium nicht, stabilisiert aber das Myokard. Danach wird Kalium nach intrazellulär verschoben (25 g Glukose mit 10 IE Normalinsulin über 15–30 Minuten i.v., Salbutamol 10–20 mg vernebelt) und eliminiert (Natriumzirkoniumzyklosilikat 10 g oder Patiromer 8,4 g; Dialyse erwägen). Serumkalium und Blutzucker werden überwacht, Expertenhilfe wird früh angefordert. Auslösende Medikamente wie Spironolacton und Ramipril sind zu pausieren.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Natrium-Zirkonium-Zyklosilikat oral als alleinige ErstmaßnahmeFalsch. Kaliumbinder entfernen Kalium aus dem Körper, wirken aber verzögert und schützen das Herz nicht akut.
  • B. Furosemid 40 mg i.v.Falsch. Schleifendiuretika sind bei eingeschränkter Nierenfunktion unsicher wirksam und kein Erstmittel bei EKG-Veränderungen.
  • C. Natriumbikarbonat 8,4 % 100 ml i.v. als Routine-ErstmaßnahmeFalsch. Bikarbonat ist im ERC-Algorithmus 2025 kein Erstmittel zum Myokardschutz.
  • D. Kalzium i.v., z. B. 30 ml Kalziumglukonat 10 % über 10 MinutenRichtig. Bei schwerer Hyperkaliämie mit EKG-Veränderungen wird zuerst Kalzium i.v. gegeben (30 ml Kalziumglukonat 10 % über 10 min; 10 ml Kalziumchlorid 10 % über 5 min bei Kreislaufstillstand/Periarrest).
  • E. Spironolacton absetzen und Kalium in 2 Stunden kontrollierenFalsch. Absetzen ist sinnvoll, ersetzt aber nicht die sofortige Notfalltherapie bei lebensbedrohlichen EKG-Veränderungen.

Merke

Hyperkaliämie mit EKG-Veränderungen: zuerst Kalzium i.v. (ERC 2025: 30 ml Kalziumglukonat 10 % über 10 min), dann Insulin-Glukose und Salbutamol, dann Kalium eliminieren.

Aus der Quelle

„i.v. Kalzium (6,8 mmol) 30 ml 10% Kalziumglukonat i.v. über 10 Min. ODER 10 ml 10% Kalziumchlorid i.v. über 5 Min. (Kreislaufstillstand oder periarrest)“

Quellen

  1. Deutscher Rat für Wiederbelebung (GRC). Algorithmus Hyperkaliämie bei Erwachsenen – deutsche Fassung der ERC-Leitlinien 2025, publiziert Oktober 2025.
  2. European Resuscitation Council Guidelines 2025: Special Circumstances in Resuscitation. Resuscitation 2025;215 Suppl 1:110753.

Originale Übungsfragen, von Medelix auf Grundlage der zitierten Quellen verfasst — keine offiziellen oder ehemaligen Prüfungsfragen (IMPP, MedUni, ÖÄK o. a.). Nur zu Lernzwecken; ersetzt keine ärztliche Beurteilung. So entstehen unsere Prüfungsfragen.