SGLT2-Hemmer-assoziierte Ketoazidose
SIP · KPJ · M2 · M3Schwierigkeit: mittelZuletzt aktualisiert:
Ein 61-jähriger Mann mit Typ-2-Diabetes (Metformin 2 × 1000 mg, Empagliflozin 10 mg) ist am zweiten Tag nach laparoskopischer Hemikolektomie. Er isst kaum, klagt über Übelkeit und diffuse Bauchschmerzen, Atemfrequenz 26/min. Labor: Blutzucker 262 mg/dl, venöser pH 7,19, Bikarbonat 11 mmol/l, Natrium 136 mmol/l, Chlorid 101 mmol/l, β-Hydroxybutyrat 4,6 mmol/l, Laktat 1,4 mmol/l, Kreatinin 1,0 mg/dl.
Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?
Lösung und Erklärung
Richtige Antwort: E. SGLT2-Hemmer-assoziierte diabetische Ketoazidose mit nur mäßiger Hyperglykämie
Die Konstellation erfüllt die Kriterien einer diabetischen Ketoazidose: pH < 7,3, Bikarbonat < 18 mmol/l, Serumketone > 3 mmol/l und eine erhöhte Anionenlücke (136 − [101 + 11] = 24 mmol/l). Auffällig ist der nur mäßig erhöhte Blutzucker. Die ÖDG-Leitlinie beschreibt das als Sonderform unter SGLT2-Hemmer-Therapie mit nicht sehr stark ausgeprägter Hyperglykämie (250–300 mg/dl), die nicht ganz zutreffend als „euglykämische“ Ketoazidose bezeichnet wird. Auslöser sind typischerweise Operationen, Nahrungskarenz, akute Erkrankungen oder eine reduzierte Insulindosis. Normales Laktat spricht gegen eine Metformin-assoziierte Laktatazidose, die fehlende Hyperosmolarität und der niedrige pH gegen ein HHS. Therapeutisch: SGLT2-Hemmer absetzen, Flüssigkeit, Kalium nach Spiegel, Insulininfusion; weil der Blutzucker niedrig ist, wird bei dieser Form schon unter 200 mg/dl Glukose 5 % zugesetzt, damit Insulin bis zum Ausgleich der Ketoazidose weiterlaufen kann.
Die Antwortoptionen im Einzelnen
- A. Hyperglykämisch-hyperosmolares SyndromFalsch. Beim HHS liegt der Blutzucker meist ≥ 600 mg/dl, der pH ≥ 7,3 und die Ketone sind kaum erhöht.
- B. Metformin-assoziierte LaktatazidoseFalsch. Das Laktat ist normal (1,4 mmol/l); die Azidose ist ketotisch bedingt.
- C. Harmlose Hungerketose ohne BehandlungsbedarfFalsch. Eine Hungerketose verursacht keine so ausgeprägte Azidose (pH 7,19, Bikarbonat 11 mmol/l).
- D. Hyperchlorämische Azidose durch KochsalzinfusionenFalsch. Die hyperchlorämische Azidose hat eine normale Anionenlücke; hier beträgt sie 24 mmol/l.
- E. SGLT2-Hemmer-assoziierte diabetische Ketoazidose mit nur mäßiger HyperglykämieRichtig. Metabolische Azidose mit erhöhter Anionenlücke und Ketonen > 3 mmol/l bei nur mäßiger Hyperglykämie unter SGLT2-Hemmer, ausgelöst durch Operation und Nahrungskarenz. Die ÖDG nennt dafür typischerweise 250–300 mg/dl; die Bezeichnung „euglykämisch“ ist hier nicht ganz zutreffend.
Merke
Unter SGLT2-Hemmern kann eine Ketoazidose mit nur mäßig erhöhtem Blutzucker auftreten – bei Azidose immer Ketone messen.
Aus der Quelle
„Eine Sonderform stellt die bei Therapie mit einem SGLT2(„sodium/glucose cotransporter 2“)-Inhibitor gelegentlich auftretende diabetische Ketoazidose dar, die durch eine nicht sehr stark ausgeprägte Hyperglykämie (250–300 mg/dl) gekennzeichnet ist“