Ebola (Bundibugyo-Virus) 2026: Lage und Vorgehen bei Verdachtsfällen in Deutschland
Bundibugyo-Ebola-Ausbruch in der DR Kongo: aktuelle Zahlen, Risiko für Europa und das RKI-Flussschema für Verdachtsfälle in Praxis und Klinik.
Von Medelix RedaktionVeröffentlicht: 2 Min. Lesezeit
Seit Mai 2026 läuft in der Demokratischen Republik Kongo ein großer Ebolafieber-Ausbruch durch das Bundibugyo-Virus. Bis zum 7. Oktober 2026 wurden 8.728 bestätigte Fälle und 4.205 Todesfälle gemeldet ([1]). Die WHO hat am 17. Mai 2026 eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite (PHEIC) ausgerufen ([1]). Für Menschen in der EU schätzt das ECDC die Infektionswahrscheinlichkeit als sehr gering ein ([1]). Wichtig für die Praxis: Anders als gegen das Zaire-Ebolavirus gibt es gegen das Bundibugyo-Virus weder zugelassene Impfstoffe noch spezifische Therapien ([1], [3]).
Stand: Oktober 2026. Die Lage ändert sich laufend; maßgeblich sind die tagesaktuellen Angaben von RKI und ECDC.
Lage im Überblick (ECDC, Woche 41/2026)
- DR Kongo: 8.728 bestätigte Fälle, darunter 4.205 Todesfälle (Daten bis 6. Oktober). Betroffen sind sieben Provinzen, am stärksten Ituri (6.513 Fälle) und Nord-Kivu (1.785 Fälle) ([1]).
- Uganda: 20 bestätigte Fälle im Mai und Juni 2026. Die WHO erklärte den Ausbruch dort am 27. August für beendet ([1]).
- Kenia: erster importierter Fall, gemeldet am 6. Oktober 2026 ([1]).
- Europa: Mehrere evakuierte Patienten wurden in europäischen Sonderisolierstationen behandelt, unter anderem an der Charité in Berlin. Ein dort behandelter US-Arzt wurde im Juni 2026 entlassen ([1]).
- Das ECDC hält den Ausbruch wegen Lücken in der Kontaktnachverfolgung wahrscheinlich für größer als gemeldet ([1]).
Erreger und Klinik
- Übertragung: durch direkten Kontakt mit Erkrankten oder Verstorbenen, besonders mit deren Körperflüssigkeiten. Keine Übertragung über die Atemluft ([3]).
- Inkubationszeit: 2–21 Tage, Symptome meist nach 8–9 Tagen. Ansteckend sind Betroffene ab Symptombeginn ([2]).
- Frühsymptome sind unspezifisch: Fieber, Schüttelfrost, starkes Krankheitsgefühl, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Halsschmerzen, Diarrhö, Erbrechen, Bauchschmerzen, konjunktivale Injektion und ein makulopapulöses, stammbetontes Exanthem. Später können Hämorrhagien, Ikterus, Multiorganversagen und Schock hinzukommen ([2]).
- Letalität: In den Bundibugyo-Ausbrüchen 2007 und 2012 lag sie bei 30–40 % ([3]).
- Therapie und Impfung: Das RKI nennt keine zugelassenen Arzneimittel gegen Bundibugyo-Ebola ([3]). Impfstoffkandidaten befinden sich in präklinischer oder früher klinischer Entwicklung. Die WHO schlägt vor, den Zaire-Impfstoff rVSV-ZEBOV (Ervebo) bei Bundibugyo-Ausbrüchen vor allem im Rahmen von Studienprotokollen einzusetzen ([1]).
Vorgehen bei Verdacht: das RKI-Flussschema (Stand 18.09.2026)
Ein Verdacht besteht bei neu aufgetretenen Symptomen innerhalb von 21 Tagen nach möglicher Exposition ([2]). Als Exposition gelten zum Beispiel:
- direkter Kontakt mit Ebola-Erkrankten oder Verstorbenen oder deren Körperflüssigkeiten ohne angemessene persönliche Schutzausrüstung (PSA),
- direkter Kontakt mit Personen mit Ebola-ähnlichen Symptomen,
- Aufenthalt oder Arbeit in Gesundheitseinrichtungen oder Laboren im Ausbruchsgebiet,
- seltener: Kontakt mit Fledertieren, erkrankten Affen oder rohem Wildfleisch ([2]).
Erstmaßnahmen ([2]):
- Patientin oder Patient vor Ort in einem separaten Raum isolieren, 1,5 m Abstand halten.
- PSA bei direktem Kontakt: FFP3-Maske, Schutzbrille oder Gesichtsschutz, Einmal-Schutzkittel, doppelte Handschuhe, Fußschutz. Händedesinfektion mit einem mindestens begrenzt viruziden Mittel.
- Das zuständige Gesundheitsamt kontaktieren. Es lässt sich vom STAKOB-Kompetenzzentrum beraten und entscheidet über die Verlegung auf eine Sonderisolierstation ([4]).
- Bei begründetem Verdacht: schriftliche Übermittlung nach § 12 IfSG und Hygiene- und Schutzmaßnahmen einhalten.
- Diagnostik: Blut, bei neurologischen Symptomen Liquor, gegebenenfalls Urin oder Nasopharyngealabstrich. Ist der Test negativ, wird er wiederholt, sobald seit Symptombeginn mehr als 72 Stunden vergangen sind ([2]).
Bei Fieber nach Tropenaufenthalt bleiben die häufigeren Differenzialdiagnosen relevant, vor allem Malaria. Die Abklärung erfolgt in Absprache mit dem Gesundheitsamt.
Fazit
Das Risiko für die Bevölkerung in Europa ist sehr gering. Für Rückkehrende aus dem Ausbruchsgebiet, etwa medizinisches Personal humanitärer Einsätze, zählt aber die Reiseanamnese der letzten 21 Tage. Bei Verdacht gilt: isolieren, schützen, das Gesundheitsamt anrufen.
Quellen
- ECDC. Communicable disease threats report, week 41, 3–9 October 2026: https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/communicable-disease-threats-report-3-9-october-week-41 (PDF: https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/communicable-disease-threats-report-week-41-2026.pdf)
- RKI. Ebolafieber: Verdachtsabklärung und Erstmaßnahmen (Flussschema), Stand 18.09.2026: https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/E/Ebola/Massnahmen-Verdachtsfall-Infografik.html
- RKI. Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Ebolafieber: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Ebola/Ebola.html
- RKI. Ebolafieber (Themenseite, mit Hinweisen des STAKOB): https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/E/Ebola/ebola-node.html