Obinutuzumab: Fachinformation – Dosierung, Gegenanzeigen, Wechselwirkungen, Nebenwirkungen
Für Fachkreise
4.1 Anwendungsgebiete
Chronische lymphatische Leukämie (CLL)
Gazyvaro in Kombination mit Chlorambucil wird bei erwachsenen Patienten mit nicht vorbehandelter CLL angewendet, die aufgrund von Begleiterkrankungen für eine Therapie mit einer vollständigen Dosis von Fludarabin nicht geeignet sind (siehe Abschnitt 5.1).
Follikuläres Lymphom (FL)
Gazyvaro in Kombination mit Chemotherapie, gefolgt von einer Gazyvaro Erhaltungstherapie bei Patienten mit einem Therapieansprechen wird angewendet bei Patienten mit nicht vorbehandeltem fortgeschrittenem FL (siehe Abschnitt 5.1).
Gazyvaro in Kombination mit Bendamustin, gefolgt von einer Gazyvaro Erhaltungstherapie, wird angewendet bei Patienten mit FL, die auf eine Behandlung mit Rituximab oder einem Rituximab- haltigen Regime nicht angesprochen haben oder während bzw. bis zu 6 Monate nach der Behandlung progredient wurden.
Lupusnephritis (LN)
Gazyvaro in Kombination mit Mycophenolatmofetil (MMF) wird bei erwachsenen Patienten zur Behandlung von Lupusnephritis (LN) der aktiven Klasse III oder IV mit oder ohne begleitende Klasse V angewendet.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Gazyvaro soll unter engmaschiger Überwachung eines erfahrenen Arztes und unter Bedingungen angewendet werden, unter denen eine vollständige Ausrüstung zur Wiederbelebung sofort verfügbar ist.
Dosierung
Prophylaxe und Prämedikation gegen Tumorlysesyndrom (TLS)
Bei Patienten mit hoher Tumorlast und/oder hoher zirkulierender Lymphozytenzahl (> 25 x 109/l) und/oder einer Nierenfunktionsstörung (CrCl < 70 ml/min) wird ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Tumorlysesyndroms angenommen. Daher sollten diese Patienten eine Prophylaxe erhalten. Die Prophylaxe sollte aus einer adäquaten Hydratation sowie der Gabe von Urikostatika (z. B. Allopurinol) oder einer geeigneten alternativen Behandlung wie mit Uricase (z. B. Rasburicase) bestehen und 12 bis 24 Stunden vor Beginn der Infusion von Gazyvaro gemäß üblicher Praxis erfolgen (siehe Abschnitt 4.4). Die Patienten sollten, sofern als notwendig erachtet, vor jeder weiteren Infusion wieder eine Prophylaxe erhalten.
Prophylaxe und Prämedikation gegen Reaktionen im Zusammenhang mit einer Infusion (IRRs, infusion-related reactions)
Die Prämedikation zur Verringerung des Risikos für IRRs ist in Tabelle 1 dargestellt (siehe auch Abschnitt 4.4). Für Patienten mit FL wird eine Prämedikation mit Corticosteroiden empfohlen, die für Patienten mit CLL im ersten Zyklus und für Patienten mit LN obligatorisch ist (siehe Tabelle 1). Die Prämedikation für nachfolgende Infusionen und andere Prämedikationen sollten wie unten beschrieben verabreicht werden.
Hypotonie kann als Anzeichen von IRRs während der intravenösen Anwendung von Gazyvaro auftreten. Daher sollte das vorübergehende Absetzen einer antihypertensiven Medikation 12 Stunden vor, während sowie 1 Stunde nach jeder Infusion von Gazyvaro in Erwägung gezogen werden (siehe Abschnitt 4.4).
Tabelle 1: Zu verwendende Prämedikation vor der Infusion von Gazyvaro zur Reduzierung des Risikos für IRRs (siehe Abschnitt 4.4)
Indikation/
Tag der Be- handlung/
Zyklustag
Patienten mit
Prämedikationsbedarf
Prämedikation
Anwendung
Zyklus 1:
Tag 1 für
CLL und
FL
Alle Patienten
Corticosteroid intravenös1,4
(obligatorisch für CLL, empfohlen für FL)
Beendigung mindestens
1 Stunde vor der Infusion von Gazyvaro
Analgetikum/Antipyre- tikum oral2
Gabe mindestens
30 Minuten vor der
Infusion von Gazyvaro
Antihistaminikum3
Zyklus 1:
Tag 2 nur für CLL
Alle Patienten
Corticosteroid intravenös1
(obligatorisch)
Beendigung mindestens
1 Stunde vor der Infusion von Gazyvaro
Analgetikum/Antipyre- tikum oral2
Gabe mindestens
30 Minuten vor der
Infusion von Gazyvaro
Antihistaminikum3
Indikation/
Tag der Be- handlung/
Zyklustag
Patienten mit
Prämedikationsbedarf
Prämedikation
Anwendung
Alle nachfolgen- den
Infusionen für CLL und FL
Patienten ohne IRR während der vorherigen
Infusion
Analgetikum/Antipyre- tikum oral2
Gabe mindestens
30 Minuten vor der
Infusion von Gazyvaro
Patienten mit IRR
(Grad 1 oder 2) während der vorherigen Infusion
Analgetikum/Antipyre- tikum oral2
Antihistaminikum3
Patienten mit IRR
Grad 3 während der vorherigen Infusion
ODER
Patienten mit
Lymphozytenzahl
> 25 x 109/l vor der nächsten Behandlung
Corticosteroid intravenös1,4
Beendigung mindestens
1 Stunde vor der Infusion von Gazyvaro
Analgetikum/Antipyre- tikum oral2
Antihistaminikum3
Gabe mindestens
30 Minuten vor der
Infusion von Gazyvaro
LN
Alle Patienten
Corticosteroid intravenös5
Beendigung zwischen
30 und 60 Minuten vor der
Gazyvaro Infusion
Ab Dosis 6 sollte intravenöses
Corticosteroid nur
Patienten verabreicht werden, bei denen bei der vorherigen Infusion eine
IRR aufgetreten ist.
Analgetikum/Antipyre- tikum oral6
Antihistaminikum3
1 100 mg Prednison/Prednisolon oder 20 mg Dexamethason oder 80 mg Methylprednisolon. Hydrocortison sollte nicht angewendet werden, da es bei der Reduzierung der IRR-Raten nicht wirksam war.
2 z. B. 1 000 mg Acetaminophen/Paracetamol
3 z. B. 50 mg Diphenhydramin
4 Wenn eine Corticosteroid-haltige Chemotherapie am gleichen Tag wie Gazyvaro angewendet wird, kann das Corticosteroid oral verabreicht werden, sofern dies mindestens 60 Minuten vor der Infusion von Gazyvaro erfolgt; in diesem Fall ist die zusätzliche Gabe eines intravenösen Corticosteroids als Prämedikation nicht erforderlich.
5 80 mg Methylprednisolon i.v.
6 650 – 1 000 mg Acetaminophen/Paracetamol
Dosis
Chronische lymphatische Leukämie (CLL, in Kombination mit Chlorambucil1)
Für Patienten mit CLL ist die empfohlene Dosis von Gazyvaro in Kombination mit Chlorambucil in Tabelle 2 dargestellt.
Zyklus 1
Die empfohlene Dosierung von Gazyvaro in Kombination mit Chlorambucil beträgt 1 000 mg und wird über Tag 1 und 2 (oder Tag 1 fortgeführt) und an Tag 8 und Tag 15 des ersten Behandlungszyklus, der 28 Tage dauert, verabreicht.
Für die Infusion an Tag 1 und 2 (100 mg an Tag 1 und 900 mg an Tag 2) sollten zwei Infusionsbeutel vorbereitet werden. Wenn der erste Beutel ohne Änderung der Infusionsgeschwindigkeit und ohne Unterbrechung verabreicht werden konnte, kann der zweite Beutel noch am selben Tag verabreicht
werden (keine verzögerte Dosierung notwendig, keine Wiederholung der Vormedikation), sofern dafür angemessene Zeit, Bedingungen und ärztliche Aufsicht während der gesamten Infusion gewährleistet werden können. Wenn während der Verabreichung der ersten 100 mg Änderungen der Infusionsgeschwindigkeit oder Unterbrechungen vorgenommen werden mussten, muss der zweite Beutel am folgenden Tag verabreicht werden.
Zyklen 2 – 6
Die empfohlene Dosierung von Gazyvaro in Kombination mit Chlorambucil beträgt 1 000 mg und wird an Tag 1 jedes Zyklus verabreicht.
Tabelle 2: Dosierung von Gazyvaro während 6 Behandlungszyklen von jeweils 28 Tagen Dauer bei Patienten mit CLL
Zyklus
Tag der Behandlung
Dosierung von Gazyvaro
Zyklus 1
Tag 1
100 mg
Tag 2
(oder Tag 1 fortgesetzt)
900 mg
Tag 8
1 000 mg
Tag 15
1 000 mg
Zyklen 2 – 6
Tag 1
1 000 mg
1 Siehe Abschnitt 5.1 für Informationen zur Dosis von Chlorambucil.
Behandlungsdauer
Sechs Behandlungszyklen jeweils über 28 Tage.
Verspätete oder versäumte Dosen
Wenn eine geplante Dosis von Gazyvaro versäumt wurde, sollte sie schnellstmöglich verabreicht werden und nicht bis zur nächsten geplanten Dosis gewartet werden. Das geplante Behandlungsintervall für Gazyvaro sollte zwischen den einzelnen Dosierungen beibehalten werden.
Follikuläres Lymphom
Für Patienten mit FL ist die empfohlene Dosis von Gazyvaro in Kombination mit Chemotherapie in Tabelle 3 dargestellt.
Patienten mit nicht vorbehandeltem follikulärem Lymphom
Induktion (in Kombination mit Chemotherapie2)
Gazyvaro ist zusammen mit Chemotherapie wie folgt anzuwenden:
- sechs Behandlungszyklen von jeweils 28 Tagen Dauer in Kombination mit Bendamustin2 oder
- sechs Behandlungszyklen von jeweils 21 Tagen Dauer in Kombination mit Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin oder Prednisolon (CHOP), gefolgt von 2 weiteren Zyklen mit Gazyvaro allein, oder
- acht Behandlungszyklen von jeweils 21 Tagen Dauer in Kombination mit Cyclophosphamid, Vincristin und Prednison/Prednisolon/Methylprednisolon (CVP).
Erhaltung
Patienten, die auf eine Induktionstherapie mit Gazyvaro in Kombination mit Chemotherapie (CHOP oder CVP oder Bendamustin) vollständig oder partiell ansprechen, erhalten weiterhin Gazyvaro 1 000 mg als Einzelsubstanz in Form einer Erhaltungstherapie einmal alle 2 Monate über einen Zeitraum von 2 Jahren oder bis zu einer Krankheitsprogression (je nachdem, was zuerst eintritt).
Patienten mit follikulärem Lymphom, die auf eine Behandlung mit Rituximab oder einem Rituximab- haltigen Regime nicht angesprochen haben oder während bzw. bis zu 6 Monate nach der Behandlung progredient wurden
Induktion (in Kombination mit Bendamustin2)
Gazyvaro ist in Kombination mit Bendamustin2 in sechs Behandlungszyklen von jeweils 28 Tagen Dauer anzuwenden.
Erhaltung
Patienten, die auf eine Induktionstherapie (d. h. die ersten 6 Behandlungszyklen) mit Gazyvaro in Kombination mit Bendamustin vollständig oder partiell ansprechen oder deren Erkrankung nicht weiter fortgeschritten ist, erhalten weiterhin Gazyvaro 1 000 mg als Einzelsubstanz in Form einer Erhaltungstherapie einmal alle 2 Monate über einen Zeitraum von 2 Jahren oder bis zu einer Krankheitsprogression (je nachdem, was zuerst eintritt).
Tabelle 3: Follikuläres Lymphom: Dosierung von Gazyvaro während der Induktionstherapie, gefolgt von einer Erhaltungstherapie
Zyklus
Tag der Behandlung
Dosierung von Gazyvaro
Zyklus 1
Tag 1
1 000 mg
Tag 8
1 000 mg
Tag 15
1 000 mg
Zyklen 2 – 6 oder 2 – 8
Tag 1
1 000 mg
Erhaltung
Alle 2 Monate über einen Zeitraum von 2 Jahren oder bis zu einer
Krankheitsprogression (je nachdem, was zuerst eintritt)
1 000 mg
2 Siehe Abschnitt 5.1 für Informationen zur Dosis von Bendamustin.
Dauer der Behandlung
Induktionstherapie mit einer Dauer von etwa 6 Monaten (sechs Behandlungszyklen mit Gazyvaro von jeweils 28 Tagen Dauer bei Kombination mit Bendamustin bzw. acht Behandlungszyklen mit Gazyvaro von jeweils 21 Tagen Dauer bei Kombination mit CHOP oder CVP), gefolgt von einer Erhaltungstherapie einmal alle 2 Monate über einen Zeitraum von 2 Jahren oder bis zu einer Krankheitsprogression (je nachdem, was zuerst eintritt).
Verspätete oder versäumte Dosen
Wenn eine geplante Dosis von Gazyvaro versäumt wurde, sollte sie schnellstmöglich verabreicht werden. Lassen Sie diese nicht aus und warten Sie nicht bis zur nächsten geplanten Dosis.
Bei Auftreten einer Toxizität vor Tag 8 bzw. Tag 15 in Behandlungszyklus 1, die ein Aufschieben der Behandlung erfordert, sollten diese Dosen nach Abklingen der Toxizität verabreicht werden. In
solchen Fällen werden alle nachfolgenden Arztbesuche und der Beginn von Behandlungszyklus 2 entsprechend der Verspätung in Zyklus 1 verschoben.
Während der Erhaltungstherapie sollte das ursprüngliche Dosierungsschema für nachfolgende Dosen beibehalten werden.
Lupusnephritis
Die empfohlene Dosierung von Gazyvaro beträgt 1 000 mg und wird intravenös verabreicht (siehe Tabelle 4).
Gazyvaro sollte in Kombination mit Mycophenolatmofetil angewendet werden.
Tabelle 4: Dosierung von Gazyvaro bei Patienten mit Lupusnephritis
Dosis-Nr.
Zeitpunkt der Behandlung
Dosis
Erste Infusion
1 000 mg
Woche 2
(zwei Wochen nach Dosis 1)
1 000 mg
Woche 24
1 000 mg
Woche 26
(zwei Wochen nach Dosis 3)
1 000 mg
5* und folgende
Alle 6 Monate
1 000 mg
* Dosis 5 sollte sechs Monate nach Dosis 4 verabreicht werden.
Der Zustand und das Ansprechen des Patienten sollten in Woche 76 und darüber hinaus beurteilt werden, und für die Fortsetzung der Therapie sollte eine geeignete Risiko-Nutzen-Analyse durchgeführt werden.
Verspätete oder versäumte Dosen
Wenn eine geplante Dosis von Gazyvaro versäumt wurde, sollte sie schnellstmöglich verabreicht werden. Warten Sie nicht bis zur nächsten geplanten Dosis. Das Dosierungsschema sollte so angepasst werden, dass der erforderliche Abstand zwischen den Dosen eingehalten wird.
Dosisanpassungen während der Behandlung (alle Indikationen)
Eine Dosisreduktion von Gazyvaro wird nicht empfohlen.
Zur Behandlung von symptomatischen unerwünschten Ereignissen (einschließlich IRRs), siehe Abschnitt unten (Behandlung von IRRs oder Abschnitt 4.4)
Besondere Personengruppen
Ältere Patienten
Bei älteren Patienten ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe Abschnitt 5.2). Die Sicherheit und Wirksamkeit von Gazyvaro wurden bei Patienten mit LN im Alter von über 65 Jahren nicht untersucht.
Nierenfunktionsstörungen
Bei Patienten mit leichten bis mittelschweren Nierenfunktionsstörungen ist keine Dosisanpassung erforderlich (bei einer Kreatinin-Clearance [CrCl] 30 – 89 ml/min) (siehe Abschnitt 5.2). Die Sicherheit und Wirksamkeit von Gazyvaro wurden bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (CrCl < 30 ml/min) nicht untersucht (siehe Abschnitte 4.8 und 5.2).
Leberfunktionsstörungen
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Gazyvaro wurden bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen nicht untersucht. Es können keine speziellen Dosierungsempfehlungen gegeben werden.
Kinder und Jugendliche
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Gazyvaro wurden bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht untersucht. Es liegen keine Daten vor.
Art der Anwendung
Gazyvaro ist für die intravenöse Anwendung bestimmt. Es sollte mittels eines separaten Zugangs als intravenöse Infusion nach Verdünnung verabreicht werden (siehe Abschnitt 6.6). Die Infusionen von Gazyvaro dürfen nicht als intravenöse Druck- oder Bolusinjektion angewendet werden.
Hinweise zur Verdünnung von Gazyvaro vor der Anwendung, siehe Abschnitt 6.6.
Anleitungen zur Infusionsgeschwindigkeit sind in den Tabellen 5 – 8 zusammengefasst.
Chronische lymphatische Leukämie (CLL)
Tabelle 5: Chronische lymphatische Leukämie: Standardinfusionsgeschwindigkeit ohne IRRs/Überempfindlichkeit und Empfehlungen für den Fall einer IRR bei vorheriger Infusion
Zyklus
Tag der
Behandlung
Infusionsgeschwindigkeit
Die Infusionsgeschwindigkeit kann erhöht werden, sofern der Patient dies verträgt.
Zum Umgang mit IRRs während der Infusion, siehe
Umgang mit IRRs.
Zyklus 1
Tag 1
(100 mg)
25 mg/Std. über 4 Stunden. Infusionsgeschwindigkeit nicht erhöhen.
Tag 2
(oder Tag 1 fortgesetzt)
(900 mg)
Wenn während der vorherigen Infusion keine IRR aufgetreten ist, mit einer Infusionsgeschwindigkeit von 50 mg/Std. verabreichen.
Die Infusionsgeschwindigkeit kann in Schritten von
50 mg/Std. alle 30 Minuten bis auf eine
Höchstgeschwindigkeit von 400 mg/Std. erhöht werden.
Wenn während der vorherigen Infusion eine IRR aufgetreten ist, die Infusion mit einer Geschwindigkeit von 25 mg/Std. beginnen. Die Infusionsgeschwindigkeit kann in Schritten von bis zu 50 mg/Std. alle 30 Minuten auf maximal 400 mg/Std. erhöht werden.
Tag 8
(1 000 mg)
Wenn während der vorherigen Infusion bei einer finalen Infusionsgeschwindigkeit von 100 mg/Std.
oder höher keine IRR aufgetreten ist, können
Infusionen mit einer Geschwindigkeit von
100 mg/Std. begonnen und in Schritten von
100 mg/Std. alle 30 Minuten auf maximal
400 mg/Std. erhöht werden.
Wenn während der vorherigen Infusion eine IRR aufgetreten ist, die Infusion mit einer Geschwindigkeit von 50 mg/Std. verabreichen. Die Infusionsgeschwindigkeit kann in Schritten von 50 mg/Std. alle 30 Minuten auf maximal 400 mg/Std.
erhöht werden.
Tag 15
(1 000 mg)
Zyklen 2 – 6
Tag 1
(1 000 mg)
Follikuläres Lymphom (FL)
Gazyvaro ist in Zyklus 1 mit der Standardinfusionsgeschwindigkeit zu verabreichen (siehe Tabelle 6).
Bei Patienten, bei denen während des 1. Zyklus keine IRRs von Grad ≥ 3 aufgetreten ist, kann Gazyvaro ab Zyklus 2 als Kurzinfusion (ca. 90 Minuten) (SDI, short duration infusion) angewendet werden (siehe Tabelle 7).
Tabelle 6: Follikuläres Lymphom: Standardinfusionsgeschwindigkeit und Empfehlungen für den Fall einer IRR bei vorheriger Infusion
Zyklus
Tag der Behandlung
Infusionsgeschwindigkeit
Die Infusionsgeschwindigkeit kann erhöht werden, sofern der Patient dies verträgt.
Zum Umgang mit IRRs während der Infusion, siehe Umgang mit IRRs.
Zyklus 1
Tag 1
(1 000 mg)
Mit einer Infusionsgeschwindigkeit von
50 mg/Std. verabreichen. Die
Infusionsgeschwindigkeit kann in Schritten von 50 mg/Std. alle 30 Minuten auf maximal 400 mg/Std. erhöht werden.
Tag 8
(1 000 mg)
Wenn während der vorherigen Infusion bei einer finalen Infusionsgeschwindigkeit von 100 mg/Std. oder höher keine IRR oder eine IRR Grad 1 aufgetreten ist, können Infusionen mit einer Geschwindigkeit von 100 mg/Std.
begonnen und in Schritten von 100 mg/Std.
alle 30 Minuten auf maximal 400 mg/Std.
erhöht werden.
Wenn während der vorherigen Infusion eine
IRR Grad 2 oder höher aufgetreten ist, die
Infusion mit einer Geschwindigkeit von
50 mg/Std. verabreichen. Die
Infusionsgeschwindigkeit kann in Schritten von 50 mg/Std. alle 30 Minuten auf maximal 400 mg/Std. erhöht werden.
Tag 15
(1 000 mg)
Zyklen 2 – 6 oder 2 – 8
Tag 1
(1 000 mg)
Erhaltung
Alle 2 Monate über einen Zeitraum von
2 Jahren oder bis zu einer
Krankheitsprogression
(je nachdem, was zuerst eintritt)
Tabelle 7: Follikuläres Lymphom: Kurzinfusionsgeschwindigkeit und Empfehlungen, falls unter der vorherigen Infusion eine IRR aufgetreten ist
Zyklus
Tag der Behandlung
Infusionsgeschwindigkeit
Zum Umgang mit IRRs während der Infusion, siehe Umgang mit IRRs.
Zyklen 2 – 6 oder 2 – 8
Tag 1
(1 000 mg)
Wenn während des 1. Zyklus keine IRR von Grad ≥ 3 aufgetreten ist:
100 mg/Std. über 30 Minuten, dann 900 mg/Std.
über ca. 60 Minuten.
Wenn während der vorherigen SDI eine IRR von Grad 1 – 2 mit anhaltenden Symptomen oder von Grad 3 aufgetreten ist, ist die nächste Infusion von Obinutuzumab mit der Standardinfusionsgeschwindigkeit zu verabreichen (siehe Tabelle 6).
Erhaltung
Alle 2 Monate über einen Zeitraum von
2 Jahren oder bis zu einer
Krankheitsprogression
(je nachdem, was zuerst eintritt)
Lupusnephritis
Die initiale Gazyvaro Infusion sollte mit der Standardinfusionsgeschwindigkeit verabreicht werden (siehe Tabelle 8).
Patienten, bei denen während der vorherigen Infusion keine Reaktionen im Zusammenhang mit einer Infusion vom Grad ≥ 3 aufgetreten sind, können Gazyvaro ab Dosis 2 als Kurzinfusion (ca.
90 Minuten) erhalten (siehe Tabelle 9), wobei die Prämedikation fortgesetzt wird.
Tabelle 8: Lupusnephritis: Standardinfusionsgeschwindigkeit
Dosis-Nr.
Zeitpunkt der Behandlung
Infusionsgeschwindigkeit
Erste Infusion
(1 000 mg)
Mit einer Geschwindigkeit von 50 mg/Std.
verabreichen. Die Infusionsgeschwindigkeit kann in Schritten von 50 mg/Std. alle 30 Minuten auf maximal 400 mg/Std. erhöht werden. Zum Umgang mit IRRs während der Infusion, siehe Umgang mit IRRs.
Woche 2 – zwei Wochen nach
Dosis 1
(1 000 mg)
Mit einer Geschwindigkeit von 100 mg/Std.
verabreichen. Die Infusionsgeschwindigkeit kann in Schritten von 100 mg/Std. alle 30 Minuten bis auf eine Höchstgeschwindigkeit von 400 mg/Std.
erhöht werden.
Woche 24
(1 000 mg)
Woche 26 – zwei Wochen nach Dosis 3
(1 000 mg)
5* und folgende
Alle 6 Monate
(1 000 mg)
* Dosis 5 sollte sechs Monate nach Dosis 4 verabreicht werden.
Tabelle 9: Lupusnephritis: Kurzinfusionsgeschwindigkeit und Empfehlungen, wenn unter der vorherigen Infusion eine IRR aufgetreten ist Dosis-Nr.
Infusionsgeschwindigkeit
Siehe Tabelle 8
2 und folgende
Wenn während des vorherigen Zyklus keine IRR von Grad ≥ 3 aufgetreten ist:
100 mg/Std. über 30 Minuten, dann 900 mg/Std. über ca.
60 Minuten.
Wenn während der vorherigen Kurzinfusion eine IRR vom
Grad 1-2 mit anhaltenden Symptomen oder eine IRR vom Grad 3 oder höher aufgetreten ist, ist Gazyvaro mit der Standardinfusionsgeschwindigkeit zu verabreichen (siehe Tabelle 8).
Umgang mit IRRs
Der Umgang mit IRRs kann eine vorübergehende Unterbrechung, eine Reduzierung der Infusionsgeschwindigkeit oder einen Abbruch der Behandlung mit Gazyvaro, wie unten beschrieben, erfordern (siehe auch Abschnitt 4.4).
Chronische lymphatische Leukämie (CLL) und follikuläres Lymphom (FL)
- Grad 4 (lebensbedrohlich): Die Infusion muss angehalten und die Therapie dauerhaft abgebrochen werden.
- Grad 3 (schwer): Die Infusion muss vorübergehend angehalten, und die Symptome müssen behandelt werden. Nach Abklingen der Symptome kann die Infusion erneut begonnen werden, mit nicht mehr als der halben vorherigen Geschwindigkeit (damit ist die Geschwindigkeit gemeint, die zum Zeitpunkt des Auftretens der IRR verwendet wurde). Wenn der Patient keine Symptome einer IRR entwickelt, kann die Infusionsgeschwindigkeit in den Schritten und Intervallen wieder erhöht werden, die der Behandlungsdosis entsprechen (siehe Tabellen 5 – 7).
Bei Patienten mit CLL, die die Tag-1-(Zyklus-1)-Dosis über zwei Tage verteilt erhalten, kann die Infusionsgeschwindigkeit für Tag 1 nach einer Stunde wieder bis auf 25 mg/Std. erhöht werden, aber nicht höher.
Die Infusion muss angehalten und die Therapie dauerhaft abgebrochen werden, wenn der Patient erneut Symptome einer IRR von Grad 3 entwickelt.
- Grad 1 – 2 (leicht bis mittelschwer): Die Infusionsgeschwindigkeit muss verringert, und die Symptome müssen behandelt werden. Nach Abklingen der Symptome kann die Infusion fortgesetzt werden, und wenn der Patient keine Symptome einer IRR entwickelt, kann die Infusionsgeschwindigkeit in den Schritten und Intervallen wieder erhöht werden, die der Behandlungsdosis entsprechen (siehe Tabellen 5 – 7). Bei Patienten mit CLL, welche die Tag-1- (Zyklus-1)-Dosis über zwei Tage verteilt erhalten, kann die Infusionsgeschwindigkeit für Tag 1 nach einer Stunde wieder bis auf 25 mg/Std. erhöht werden, aber nicht höher.
IRRs während einer SDI:
- Grad 4 (lebensbedrohlich): Die Infusion muss angehalten und die Therapie dauerhaft abgebrochen werden.
- Grad 3 (schwer): Die Infusion muss vorübergehend angehalten, und die Symptome müssen behandelt werden. Nach Abklingen der Symptome kann die Infusion erneut begonnen werden, allerdings nicht mit mehr als der halben vorherigen Geschwindigkeit (damit ist die Geschwindigkeit gemeint, die zum Zeitpunkt des Auftretens der IRR verwendet wurde) und nicht schneller als 400 mg/Std. Wenn der Patient nach Wiederaufnahme der Infusion eine zweite IRR von Grad 3 entwickelt, muss die Infusion angehalten und die Therapie dauerhaft abgebrochen werden. Wenn die Infusion ohne weitere IRRs von Grad 3 abgeschlossen werden kann, ist die nächste Infusion mit einer Geschwindigkeit zu verabreichen, die nicht höher ist als die Standardinfusionsgeschwindigkeit.
- Grad 1 – 2 (leicht bis mittelschwer): Die Infusionsgeschwindigkeit muss verringert, und die Symptome müssen behandelt werden. Nach Abklingen der Symptome kann die Infusion fortgesetzt werden, und wenn der Patient keine Symptome einer IRR entwickelt, kann die Infusionsgeschwindigkeit in den Schritten und Intervallen wieder erhöht werden, die der Behandlungsdosis entsprechen (siehe Tabellen 6 – 7).
Lupusnephritis (LN)
- Grad 4 (lebensbedrohlich): Die Infusion muss angehalten und die Therapie dauerhaft abgebrochen werden.
- Grad 3 (schwer): Die Infusion muss vorübergehend angehalten, und die Symptome müssen behandelt werden. Nach Abklingen der Symptome kann die Infusion erneut begonnen werden, mit nicht mehr als der halben vorherigen Geschwindigkeit (der Geschwindigkeit , die zum Zeitpunkt des Auftretens der IRR verwendet wurde). Wenn der Patient keine weiteren Symptome einer IRR entwickelt, kann die Infusionsgeschwindigkeit in den für die Behandlungsdosis geeigneten Schritten und Intervallen wieder erhöht werden (siehe Tabelle 8).
Die Infusion muss angehalten und die Therapie dauerhaft abgebrochen werden, wenn der Patient erneut Symptome einer IRR von Grad 3 entwickelt.
- Grad 1 – 2 (leicht bis mittelschwer): Die Infusionsgeschwindigkeit muss auf die Hälfte der Geschwindigkeit, die zum Zeitpunkt der Reaktion verwendet wurde, verringert, und die Symptome müssen behandelt werden. Nach Abklingen der Symptome kann die Infusion weitere
30 Minuten mit reduzierter Geschwindigkeit fortgesetzt werden. Wenn bei dem Patienten keine weiteren Symptome einer IRR auftreten, kann die Infusionsgeschwindigkeit in den für die Behandlungsdosis geeigneten Schritten und Intervallen wieder erhöht werden (siehe Tabellen 8 und 9).
IRRs während einer SDI:
- Grad 4 (lebensbedrohlich): Die Infusion muss angehalten und die Therapie dauerhaft abgebrochen werden.
- Grad 3 (schwer): Die Infusion muss vorübergehend angehalten, und die Symptome müssen behandelt werden. Nach Abklingen der Symptome kann die Infusion erneut begonnen werden, mit nicht mehr als der halben vorherigen Geschwindigkeit (der Geschwindigkeit, die zum Zeitpunkt des Auftretens der IRR verwendet wurde) und nicht schneller als 400 mg/Std.
Wenn der Patient nach Wiederaufnahme der Infusion eine zweite IRR von Grad 3 entwickelt, muss die Infusion angehalten und die Therapie dauerhaft abgebrochen werden. Wenn der Patient die Infusion ohne weitere IRRs von Grad 3 abschließen kann, ist die nächste Infusion mit einer Geschwindigkeit zu verabreichen, die nicht höher ist als die Standardinfusionsgeschwindigkeit. (siehe Tabelle 8).
- Grad 1 – 2 (leicht bis mittelschwer): Die Infusionsgeschwindigkeit muss verringert und die Symptome müssen behandelt werden. Nach Abklingen der Symptome kann die Infusion fortgesetzt werden, und wenn der Patient keine Symptome einer IRR entwickelt, kann die Infusionsgeschwindigkeit in den Schritten und Intervallen wieder erhöht werden, die der Behandlungsdosis entsprechen (siehe Tabellen 8 – 9). Wenn der Patient anhaltende Symptome entwickelt oder während der vorherigen 90-Minuten Infusion eine IRR von Grad 3 oder höher aufgetreten ist, verabreichen Sie alle nachfolgenden Gazyvaro-Infusionen mit der Standardinfusionsrate (siehe Tabelle 8).
4.3 Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.
4.8 Nebenwirkungen
Nebenwirkungen werden separat für die Indikationen Onkologie (chronische lymphatische Leukämie und follikuläres Lymphom) und Lupusnephritis aufgeführt.
Chronische lymphatische Leukämie (CLL) und follikuläres Lymphom (FL)
Zusammenfassung des Sicherheitsprofils
Die in klinischen Studien aufgetretenen Nebenwirkungen wurden während der Induktionstherapie, Erhaltungstherapie und während der Nachbeobachtungszeit bei indolentem Non-Hodgkin-Lymphom (iNHL), einschließlich FL, sowie bei der Behandlung und Nachbeobachtungszeit der CLL in den drei zulassungsrelevanten klinischen Studien festgestellt:
- BO21004/CLL11 (n = 781): Patienten mit nicht vorbehandelter CLL
- BO21223/GALLIUM (n = 1 390): Patienten mit nicht vorbehandeltem iNHL (davon 86 % der Patienten mit einem FL)
- GAO4753g/GADOLIN (n = 409): Patienten mit iNHL (davon 81 % der Patienten mit einem FL), die auf eine Behandlung mit Rituximab oder einem Rituximab-haltigen Regime nicht angesprochen haben oder während bzw. bis zu 6 Monate nach der Behandlung progredient wurden.
In diesen Studien wurde Gazyvaro in Kombination mit Chlorambucil bei CLL und mit Bendamustin, CHOP oder CVP, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Gazyvaro bei iNHL untersucht. In die Studien BO21223/GALLIUM und GAO4753g/GADOLIN wurden Patienten mit iNHL einschließlich FL aufgenommen. Um die Sicherheitsinformationen so umfassend wie möglich darzustellen, wurde die nachfolgende Analyse der Nebenwirkungen mit der gesamten Studienpopulation durchgeführt (d. h. mit iNHL).
Tabelle 10 listet alle Nebenwirkungen auf, einschließlich der aus den zulassungsrelevanten Studien (BO21004/CLL11, BO21223/GALLIUM, GAO4753g/GADOLIN), die in mindestens einer dieser Studien mit einer höheren Inzidenz (Unterschied von ≥ 2 %) im Gazyvaro Arm als im Arm mit der betreffenden Vergleichstherapie aufgetreten sind:
- Patienten mit CLL, die Gazyvaro plus Chlorambucil erhielten, verglichen mit Chlorambucil- Monotherapie oder Rituximab plus Chlorambucil (Studie BO21004/CLL11)
- Patienten mit nicht vorbehandeltem iNHL, die Gazyvaro plus Chemotherapie (Bendamustin, CHOP, CVP) erhielten, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Gazyvaro bei Patienten, die auf die Behandlung ansprachen, verglichen mit Rituximab plus Chemotherapie, gefolgt von einer Rituximab-Erhaltungstherapie bei Patienten, die auf die Behandlung ansprachen (Studie BO21223/GALLIUM)
- Patienten mit iNHL, die auf eine Behandlung mit Rituximab oder einem Rituximab-haltigen Regime nicht angesprochen haben oder während bzw. bis zu 6 Monate nach der Behandlung progredient wurden, und die Gazyvaro plus Bendamustin erhielten, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Gazyvaro bei einer kleinen Anzahl von Patienten, verglichen mit einer Bendamustin-Monotherapie (Studie GAO4753g/GADOLIN) Die in Tabelle 10 angegebenen Inzidenzen (alle Grade und Grad 3 – 5) sind die für die jeweilige Nebenwirkung höchsten Werte, die in einer der drei Studien festgestellt wurden.
Die Häufigkeiten sind wie folgt definiert: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100, < 1/10), gelegentlich (≥ 1/1 000, < 1/100), selten (≥ 1/10 000, < 1/1 000), sehr selten (< 1/10 000) und nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar). Innerhalb jeder Häufigkeitsgruppe werden die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregrad angegeben.
Tabellarische Auflistung der Nebenwirkungen
Tabelle 10: Zusammenfassung der Nebenwirkungen, die bei Patienten# berichtet wurden, die Gazyvaro plus Chemotherapie erhielten*
Systemorganklasse
Häufigkeit
Alle Grade
Gazyvaro + Chemotherapie*
(CLL, iNHL) gefolgt von
Gazyvaro
Erhaltungstherapie (iNHL)
Grad 3 – 5†
Gazyvaro + Chemotherapie*
(CLL, iNHL) gefolgt von
Gazyvaro
Erhaltungstherapie (iNHL)
Infektionen und parasitäre Erkrankungen
Sehr häufig
Infektionen der oberen
Atemwege, Sinusitis§,
Harnwegsinfektion,
Pneumonie§, Herpes Zoster§,
Nasopharyngitis
Häufig
Oraler Herpes Rhinitis,
Pharyngitis, Infektion der
Lunge, Influenza
Harnwegsinfektion,
Pneumonie, Infektion der
Lunge, Infektion der oberen
Atemwege, Sinusitis, Herpes
Zoster
Gelegentlich
Hepatitis-B-Reaktivierung
Nasopharyngitis, Rhinitis,
Influenza, oraler Herpes
Gutartige, bösartige und nicht spezifizierte Neubildungen (einschl. Zysten und Polypen) Häufig Plattenepithelkarzinom der Haut, Basalzellkarzinom Plattenepithelkarzinom der Haut, Basalzellkarzinom Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems Sehr häufig Neutropenie§, Thrombozytopenie, Anämie, Leukopenie Neutropenie, Thrombozytopenie Häufig Febrile Neutropenie Anämie, Leukopenie, febrile Neutropenie Gelegentlich Disseminierte intravaskuläre Gerinnung##
Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
Häufig
Tumorlysesyndrom,
Hyperurikämie, Hypokaliämie
Tumorlysesyndrom,
Hypokaliämie
Gelegentlich
Hyperurikämie
Psychiatrische Erkrankungen
Sehr häufig
Schlaflosigkeit
Häufig
Depression, Angstgefühl
Gelegentlich
Schlaflosigkeit, Depression,
Angstgefühl
Erkrankungen des Nervensystems
Sehr häufig
Kopfschmerzen
Häufig
Kopfschmerzen
Nicht bekannt
Progressive multifokale
Leukoenzephalopathie
Herzerkrankungen
Häufig
Vorhofflimmern
Vorhofflimmern
Gefäßerkrankungen
Häufig
Hypertonie
Hypertonie
Systemorganklasse
Häufigkeit
Alle Grade
Gazyvaro + Chemotherapie*
(CLL, iNHL) gefolgt von
Gazyvaro
Erhaltungstherapie (iNHL)
Grad 3 – 5†
Gazyvaro + Chemotherapie*
(CLL, iNHL) gefolgt von
Gazyvaro
Erhaltungstherapie (iNHL)
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
Sehr häufig
Husten§
Häufig
Nasenverstopfung,
Rhinorrhoe, Schmerzen im
Oropharynx
Gelegentlich
Husten, Schmerzen im
Oropharynx
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Sehr häufig
Diarrhö, Obstipation§
Häufig
Dyspepsie, Hämorrhoiden, gastrointestinale Perforation
Diarrhö
Gelegentlich
Obstipation, Hämorrhoiden
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes
Sehr häufig
Alopezie, Pruritus
Häufig
Ekzeme
Gelegentlich
Pruritus
Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
Sehr häufig
Arthralgie§,
Rückenschmerzen, Schmerzen in den Extremitäten
Häufig
Brustschmerzen die
Skelettmuskulatur betreffend,
Knochenschmerzen
Schmerzen in den Extremitäten
Gelegentlich
Arthralgie, Rückenschmerzen,
Brustschmerzen die
Skelettmuskulatur betreffend,
Knochenschmerzen
Erkrankungen der Nieren und Harnwege
Häufig
Dysurie, Harninkontinenz
Gelegentlich
Dysurie, Harninkontinenz
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
Sehr häufig
Fieber, Asthenie,
Ermüdung/Fatigue
Häufig
Brustkorbschmerzen
Fieber, Asthenie,
Ermüdung/Fatigue
Gelegentlich
Brustkorbschmerzen
Erkrankungen des Immunsystems
Selten
Zytokin-
Freisetzungssyndrom**
Untersuchungen
Häufig
Leukozytenzahl reduziert,
Neutrophilenzahl reduziert,
Gewichtszunahme
Leukozytenzahl reduziert,
Neutrophilenzahl reduziert
Gelegentlich
Hypogammaglobulinämie
Systemorganklasse
Häufigkeit
Alle Grade
Gazyvaro + Chemotherapie*
(CLL, iNHL) gefolgt von
Gazyvaro
Erhaltungstherapie (iNHL)
Grad 3 – 5†
Gazyvaro + Chemotherapie*
(CLL, iNHL) gefolgt von
Gazyvaro
Erhaltungstherapie (iNHL)
Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen
Sehr häufig
IRRs
IRRs
# Nur die größte in den Studien beobachtete Häufigkeit ist berichtet (basierend auf den Studien BO21004 [nicht vorbehandelte CLL], BO21223 [nicht vorbehandeltes fortgeschrittenes iNHL] und GAO4753g [Rituximab refraktäres iNHL]).
## Disseminierte intravaskuläre Gerinnung (DIC), einschließlich tödlicher Ereignisse, wurde in klinischen Studien und in der Überwachung nach der Markteinführung bei Patienten, die Gazyvaro erhielten, berichtet (siehe Abschnitt 4.4).
† Es wurden keine Nebenwirkungen von Grad 5 mit einem Unterschied von ≥ 2 % zwischen den Behandlungsarmen beobachtet.
* Chemotherapie: Chlorambucil bei CLL; Bendamustin, CHOP, CVP bei iNHL, einschließlich FL.
§ auch während der Erhaltungstherapie mit mindestens 2 % höherer Inzidenz im Gazyvaro Arm beobachtet (BO21223).
** Basierend auf Exposition in klinischen Studien in FL und CLL
Das Nebenwirkungsprofil der Patienten mit FL stimmte in beiden Studien mit dem der Gesamtpopulation der Patienten mit iNHL überein.
Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen
Die in den folgenden Abschnitten bei iNHL angegebenen Inzidenzen sind die höchsten Werte, die für die jeweilige Nebenwirkung in einer der zulassungsrelevanten Studien festgestellt wurden (BO21223/GALLIUM, GAO4753g/GADOLIN).
Die Studie MO40597 wurde konzipiert, um das Sicherheitsprofil von Kurzinfusionen (ca. 90 Minuten) ab Zyklus 2 bei Patienten mit zuvor unbehandeltem FL zu charakterisieren (siehe Abschnitt 5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften).
Reaktionen im Zusammenhang mit einer Infusion
Die am häufigsten in Verbindung mit IRR berichteten Symptome (≥ 5 %) waren Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Ermüdung/Fatigue, Schüttelfrost, Fieber, Hypotonie, Hautrötungen, Hypertonie, Tachykardie, Dyspnoe und Thoraxbeschwerden. Respiratorische Symptome, wie Bronchospasmus, Kehlkopf- oder Rachenreizung, Pfeifatmung, Kehlkopfödem, und kardiale Symptome, wie Vorhofflimmern, wurden ebenfalls berichtet (siehe Abschnitt 4.4).
Chronische lymphatische Leukämie
Die Inzidenz der IRRs war im Behandlungsarm mit Gazyvaro plus Chlorambucil höher als im Behandlungsarm mit Rituximab plus Chlorambucil. Die Inzidenz der IRRs betrug 66 % bei der ersten 1 000-mg-Infusion mit Gazyvaro (20 % der Patienten hatten eine IRR Grad 3 – 4). Insgesamt hatten7 % der Patienten eine IRR, die zum Abbruch der Therapie mit Gazyvaro führte. Die Inzidenz der IRRs bei nachfolgenden Infusionen betrug bei der zweiten 1 000-mg-Dosis 3 % und danach 1 %.
Nach der ersten 1 000-mg-Infusion von Zyklus 1 wurden keine IRRs von Grad 3 – 5 mehr berichtet.
Bei Patienten, die, wie in Abschnitt 4.2 beschrieben, die empfohlenen Maßnahmen zur Prävention von IRRs erhielten, wurde eine verringerte Inzidenz für IRRs aller Grade beobachtet. Die Häufigkeit der IRRs von Grad 3 – 4 (die bei einer relativ kleinen Anzahl an Patienten auftraten) war vor und nach der Umsetzung präventiver Maßnahmen vergleichbar.
Indolentes Non-Hodgkin-Lymphom einschließlich follikuläres Lymphom
IRRs Grad 3 – 4 traten bei 12 % der Patienten auf. In Zyklus 1 war die Gesamtinzidenz von IRRs bei Patienten, die Gazyvaro plus Chemotherapie erhielten, höher als bei Patienten im Vergleichsarm. Bei Patienten, die Gazyvaro plus Chemotherapie erhielten, war die Inzidenz von IRRs an Tag 1 am höchsten und nahm bei den nachfolgenden Infusionen kontinuierlich ab. Dieser abnehmende Trend setzte sich während der Erhaltungstherapie mit Gazyvaro als Einzelsubstanz fort.
Außer in Zyklus 1 war die Inzidenz von IRRs bei nachfolgenden Infusionen im Gazyvaro Arm und im Arm mit der Vergleichstherapie vergleichbar. Insgesamt kam es bei 4 % der Patienten zu einer Reaktion im Zusammenhang mit einer Infusion, die zu einem Abbruch der Behandlung mit Gazyvaro führte.
Kurzinfusion bei Patienten mit follikulärem Lymphom
In der Studie MO40597, in der die Sicherheit von Kurzinfusionen untersucht wurde, kam es bei einem größeren Anteil der Patienten in Zyklus 2 zu IRRs jeglicher Grade, verglichen mit dem Anteil der Patienten in Studie BO21223, bei denen es in Zyklus 2 nach der Standardinfusion zu IRRs kam (10/99 [10,1 %] vs. 23/529 [4,3 %]; die IRRs wurden vom Prüfarzt auf irgendeine Komponente der Studientherapie zurückgeführt). In der Studie MO40597 traten bei keinem Patienten nach der Kurzinfusion in Zyklus 2 IRRs von Grad ≥ 3 auf. In der Studie BO21223 traten bei 3/529 (0,6 %) Patienten in Zyklus 2 IRRs von Grad ≥ 3 auf. Die Symptome und Anzeichen einer IRR waren in beiden Studien ähnlich. Die in der Studie MO40597/GAZELLE beobachteten Reaktionen im Zusammenhang mit einer Infusion sind in Tabelle 11 zusammengefasst.
Tabelle 11: Studie MO40597/GAZELLE Kurzinfusion: Reaktionen im Zusammenhang mit einer Infusiona entsprechend des Zyklus (sicherheitsauswertbare Population)
CTCAE-
Grad
Z1
Gesamt
(Standard- infusion)
Z1b nach Tag
Z2C
Z3
Z4
Z5
Z6
Z7
Gesamt-
Induktions- zyklen
Tag 1
Tag 2d Tag 8
Tag 15
Alle
Grade
65/113
(57,5 %)
57/113
(50,4 %)
4/51
(7,8 %)
6/112
(5,4 %)
5/111
(4,5 %)
13/110
(11,8 %)
9/108
(8,3 %)
7/108
(6,5 %)
6/107
(5,6 %)
5/105
(4,8 %)
2/55
(3,6 %)
71/113
(62,8 %)
Grad ≥ 3 6/113
(5,3 %)
5/113
(4,4 %)
1/51
(2,0 %)
1/107
(0,9 %)
7/113
(6,2 %)
Z = Zyklus; CTCAE = Common Terminology Criteria for Adverse Events; IRR = Reaktion im Zusammenhang mit einer Infusion a Reaktionen im Zusammenhang mit einer Infusion, definiert als jedes Ereignis, das während oder innerhalb von 24 Stunden nach Beendigung der Infusion mit der Studienbehandlung auftrat und vom Prüfarzt als mit irgendeiner Komponente der Therapie in Zusammenhang stehend beurteilt wurde.
b Z1 umfasste drei Infusionen mit der Standardinfusionsrate, die in wöchentlichen Abständen verabreicht wurden.
c Die Patienten erhielten ab Z2 eine Kurzinfusion. Der Nenner bei Z2 und den nachfolgenden Zyklen stellt die Anzahl der Patienten dar, die in diesem Zyklus eine Kurzinfusion erhielten.
d Patienten, die an Tag 2 von Zyklus 1 mit Bendamustin behandelt wurden.
Neutropenie und Infektionen
Chronische lymphatische Leukämie
Die Inzidenz einer Neutropenie war im Behandlungsarm mit Gazyvaro plus Chlorambucil höher (41 %) als im Behandlungsarm mit Rituximab plus Chlorambucil. Die Neutropenie bildete sich spontan oder unter Anwendung von Granulozyten-Kolonie-stimulierendem Faktor (G-CSF) zurück.
Die Inzidenz von Infektionen betrug 38 % im Behandlungsarm mit Gazyvaro plus Chlorambucil und 37 % im Rituximab plus Chlorambucil-Therapiearm (Grad 3 – 5 Ereignisse wurden mit einer Inzidenz von 12 % bzw. 14 % und tödliche Ereignisse mit einer Inzidenz von < 1 % in beiden Behandlungsarmen berichtet). Es wurden auch Fälle von anhaltender Neutropenie (2 % im Therapiearm mit Gazyvaro plus Chlorambucil und 4 % im Rituximab plus Chlorambucil Therapiearm) sowie spät einsetzender Neutropenie (16 % im Therapiearm mit Gazyvaro plus Chlorambucil und 12 % im Rituximab plus Chlorambucil-Therapiearm) berichtet (siehe Abschnitt 4.4).
Indolentes Non-Hodgkin-Lymphom einschließlich follikuläres Lymphom
Die Inzidenz einer Neutropenie Grad 1 – 4 war im Behandlungsarm mit Gazyvaro plus Chemotherapie höher (50 %) als im Behandlungsarm mit der Vergleichstherapie, wobei das Risiko während der Induktionsphase erhöht war. Die Inzidenz einer anhaltenden sowie spät einsetzenden Neutropenie betrug 3 % bzw. 8 %. Die Inzidenz von Infektionen lag im Behandlungsarm mit Gazyvaro plus Chemotherapie bei 81 % (Ereignisse von Grad 3 – 5 wurden bei 22 % der Patienten und tödliche Ereignisse bei 3 % der Patienten beobachtet). Patienten, die eine Prophylaxe mit G-CSF erhielten, hatten eine niedrigere Rate an Infektionen von Grad 3 – 5 (siehe Abschnitt 4.4).
Kurzinfusion bei Patienten mit follikulärem Lymphom
In der Studie MO40597, in der die Sicherheit von Kurzinfusionen untersucht wurde, wurde bei einem größeren Anteil der Patienten Neutropenie als unerwünschtes Ereignis berichtet, verglichen mit dem Anteil der Patienten in Studie BO21223, in der die Patienten die Infusion über die Standarddauer erhielten (69/113 [61,1 %] vs. 247/595 [41,5 %] jeweils während der Induktionsphase). Der Median und der Wertebereich der Neutrophilenzahl waren in beiden Studien zu jedem Zeitpunkt vergleichbar.
Febrile Neutropenie wurde bei einem vergleichbaren Anteil der Patienten in MO40597 und in BO21223 berichtet (6/113 [5,3 %] vs. 31/595 [5,2 %]). Eine Infektion wurde in MO40597 weniger häufig berichtet als in BO21223 (45/113 [39,8 %] vs. 284/595 [47,7 %]).
Thrombozytopenie und Blutungsereignisse
Chronische lymphatische Leukämie
Die Inzidenz einer Thrombozytopenie war im Behandlungsarm mit Gazyvaro plus Chlorambucil höher als im Rituximab plus Chlorambucil-Therapiearm (16 % vs. 7 %), insbesondere während des ersten Behandlungszyklus. Bei 4 % der Patienten, die mit Gazyvaro plus Chlorambucil behandelt wurden, trat eine akute Thrombozytopenie (innerhalb von 24 Stunden nach der Infusion von Gazyvaro) auf (siehe Abschnitt 4.4). Die Gesamtinzidenz von Blutungsereignissen war im Gazyvaro und im Rituximab Behandlungsarm ähnlich. Die Anzahl an tödlichen Blutungsereignissen war zwischen den Behandlungsarmen ausgeglichen; allerdings traten alle Ereignisse mit Gazyvaro in Zyklus 1 auf. Es wurden keine Thrombozytopenie Grad 5 Ereignisse beobachtet. Ein klarer Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Thrombozytopenie und Blutungsereignissen konnte nicht festgestellt werden.
Indolentes Non-Hodgkin-Lymphom einschließlich follikuläres Lymphom
Die Inzidenz einer Thrombozytopenie betrug 15 %. In Zyklus 1 trat eine Thrombozytopenie im Behandlungsarm mit Gazyvaro plus Chemotherapie häufiger auf. Eine Thrombozytopenie während oder innerhalb von 24 Stunden nach Ende der Infusion (akute Thrombozytopenie) wurde bei Patienten im Behandlungsarm mit Gazyvaro plus Chemotherapie häufiger beobachtet als im Arm mit der
Vergleichstherapie. Die Inzidenz von Blutungsereignissen war in allen Behandlungsarmen vergleichbar. Blutungsereignisse und Blutungsereignisse von Grad 3 – 5 traten bei 12 % bzw. 4 % der Patienten auf. Blutungsereignisse mit tödlichem Ausgang sind bei weniger als 1 % der Patienten aufgetreten, von denen jedoch keines in Zyklus 1 auftrat.
Kurzinfusion bei Patienten mit follikulärem Lymphom
In der Studie MO40597, in der die Sicherheit von Kurzinfusionen untersucht wurde, wurde bei einem größeren Anteil der Patienten Thrombozytopenie als unerwünschtes Ereignis berichtet, verglichen mit der Studie BO21223, in der die Patienten während der gesamten Induktionsphase Infusionen über die Standarddauer erhielten (21/113 [28,6 %] vs. 63/595 [10,6 %] jeweils während der Induktionsphase).
Der Median und der Wertebereich der Thrombozytenzahl waren in beiden Studien zu jedem Zeitpunkt vergleichbar. Keines der in MO40597 berichteten Thrombozytopenie-Ereignisse stand mit Blutungen in Zusammenhang.
Lupusnephritis
Zusammenfassung des Sicherheitsprofils
In gepoolten Daten aus placebokontrollierten Studien mit 200 Patienten mit Lupusnephritis, die mit Gazyvaro behandelt wurden, waren die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen Infektionen der oberen Atemwege (29 %), COVID-19 (22,5 %) und Harnwegsinfektionen (21 %).
Tabellarische Auflistung der Nebenwirkungen
Die in Tabelle 12 aufgeführten Nebenwirkungen basieren auf gepoolten Sicherheitsdaten aus zwei klinischen Studien bei Patienten mit Lupusnephritis der Klasse III oder IV nach ISN/RPS 2003 mit oder ohne begleitende Klasse-V-Lupusnephritis bis Woche 76:
- REGENCY (CA41705): eine Phase-III-Studie, an der 136 Patienten teilnahmen, die mit Gazyvaro plus einer Standardtherapie bestehend aus Mycophenolatmofetil (MMF) und Corticosteroiden behandelt wurden.
- NOBILITY (WA29748): eine Phase-II-Studie, an der 64 Patienten teilnahmen, die mit Gazyvaro plus Standardtherapie mit MMF/Mycophenolsäure und Corticosteroiden behandelt wurden.
Die Häufigkeiten sind wie folgt definiert: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100, < 1/10), gelegentlich (≥ 1/1 000, < 1/100), selten (≥ 1/10 000, < 1/1 000), sehr selten (< 1/10 000) und nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar). Innerhalb jeder Häufigkeitsgruppe werden die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregrad angegeben.
Tabelle 12: Nebenwirkungen bei Patienten mit LN, die Gazyvaro + Standardtherapie* erhielten
Systemorganklasse
Häufigkeit
Alle Grade
Grade 3 – 5
Infektionen und parasitäre Erkrankungen
Sehr häufig
Infektion der oberen
Atemwege, COVID-19,
Harnwegsinfektion, Bronchitis
Häufig
Pneumonie, Herpes simplex
COVID-19,
Harnwegsinfektion, Pneumonie
Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen
Sehr häufig
IRR
Häufig
IRR
Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
Sehr häufig
Neutropenie
Häufig
Neutropenie
Systemorganklasse
Häufigkeit
Alle Grade
Grade 3 – 5
Untersuchungen
Sehr häufig
Immunglobulin M im Blut erniedrigt**
*Mycophenolatmofetil (MMF) und Corticosteroide
** Frequenzkategorie, abgeleitet aus Laborwerten, die im Rahmen der routinemäßigen Laborüberwachung in klinischen Studien erhoben wurden.
Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen
Infektionen
Infektionen wurden bei 72,0 % der Patienten im Gazyvaro Behandlungsarm vs. 61,7 % der Patienten im Placebo-Behandlungsarm berichtet. Die am häufigsten berichteten Infektionen waren Infektionen der oberen und unteren Atemwege. Infektionen vom Grad 3 – 5 wurden bei 11,5 % der Patienten im Gazyvaro Behandlungsarm vs. 9,8 % der Patienten im Placebo-Behandlungsarm beschrieben. Tödlich verlaufende Infektionsereignisse wurden bei 1 % der Patienten im Gazyvaro Behandlungsarm vs.
0,5 % der Patienten im Placebo-Behandlungsarm berichtet (siehe Abschnitt 4.4).
Neutropenie
Neutropenie und verwandte Ereignisse wurden bei 14,0 % der Patienten im Gazyvaro Behandlungsarm vs. 6,2 % der Patienten im Placebo-Behandlungsarm berichtet. Eine Neutropenie vom Grad 3 – 4 wurde bei 7 % der mit Gazyvaro behandelten Patienten vs. 0,5 % der Patienten im Placeboarm beschrieben. Die meisten Neutropenie- und verwandten Ereignisse klangen spontan oder unter Anwendung von Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktoren ab/verbesserten sich (siehe Abschnitt 4.4).
Reaktionen im Zusammenhang mit einer Infusion
IRRs wurden bei 13,5 % der Patienten im Gazyvaro Behandlungsarm vs. 10,4 % der Patienten im Placeboarm berichtet. Die IRRs waren in beiden Armen überwiegend von Grad 1 – 2 und traten während/nach der ersten Infusion auf. IRRs vom Grad 3 – 4 wurden bei 1,5 % der Patienten im Gazyvaro Behandlungsarm vs. 0,5 % der Patienten im Placeboarm beschrieben. Alle Ereignisse vom Grad 3 – 4 traten während/nach entweder der ersten oder zweiten Infusion auf. Die Häufigkeit und der Schweregrad der IRRs nahmen mit weiteren Infusionen ab (siehe Abschnitt 4.4).
In der REGENCY-Studie waren die häufigsten Anzeichen/Symptome einer IRR Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. In der NOBILITY-Studie waren die häufigsten Symptome einer IRR Pyrexie und Tachykardie.
Besondere Patientengruppen
Ältere Patienten
Chronische lymphatische Leukämie
In der zulassungsrelevanten Studie BO21004/CLL11 waren 46 % (156 von 336) der mit Gazyvaro plus Chlorambucil behandelten Patienten mit CLL 75 Jahre oder älter (das mediane Alter betrug 74 Jahre). Bei diesen Patienten traten mehr schwerwiegende unerwünschte Ereignisse und unerwünschte Ereignisse, die zum Tode führten, auf, als bei den Patienten unter 75 Jahren.
Indolentes Non-Hodgkin-Lymphom einschließlich follikuläres Lymphom
In den zulassungsrelevanten Studien (BO21223/GALLIUM, GAO4753g/GADOLIN) für iNHL traten bei Patienten, die 65 Jahre alt oder älter waren, mehr schwerwiegende unerwünschte Ereignisse und unerwünschte Ereignisse, die zum Studienabbruch oder Tod führten, auf, als bei Patienten < 65 Jahren.
Nierenfunktionsstörung
Chronische lymphatische Leukämie
In der zulassungsrelevanten Studie BO21004/CLL11 hatten 27 % (90 von 336) der mit Gazyvaro plus Chlorambucil behandelten Patienten eine mittelschwere Nierenfunktionsstörung (CrCl < 50 ml/min).
Bei diesen Patienten traten mehr schwerwiegende unerwünschte Ereignisse und unerwünschte Ereignisse, die zum Tod führten, auf, als bei den Patienten mit einer CrCl ≥ 50 ml/min (siehe Abschnitte 4.2, 4.4 und 5.2). Patienten mit einer CrCl < 30 ml/min wurden aus der Studie ausgeschlossen (siehe Abschnitt 5.1).
Indolentes Non-Hodgkin-Lymphom einschließlich follikuläres Lymphom
In den zulassungsrelevanten Studien (BO21223/GALLIUM, GAO4753g/GADOLIN) für iNHL hatten 5 % (35 von 698) bzw. 7 % (14 von 204) der mit Gazyvaro behandelten Patienten eine mittelschwere Nierenfunktionsstörung (CrCl < 50 ml/min). Bei diesen Patienten traten mehr schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, unerwünschte Ereignisse von Grad 3 – 5 und unerwünschte Ereignisse, die zum Therapieabbruch führten (nur bei Patienten in Studie BO21223), auf, als bei den Patienten mit einer CrCl ≥ 50 ml/min (siehe Abschnitte 4.2 und 5.2). Patienten mit einer CrCl < 40 ml/min wurden aus den Studien ausgeschlossen (siehe Abschnitt 5.1).
Lupusnephritis
Die populationspharmakokinetische Analyse von Gazyvaro zeigte, dass die Kreatinin-Clearance keinen Einfluss auf die Pharmakokinetik von Obinutuzumab bei Patienten mit LN hat. Die Pharmakokinetik von Obinutuzumab bei Patienten mit leichter (CrCl 60 - <90 ml/min, n = 45) oder mittelschwerer (CrCl 30 - <60 ml/min, n = 17) Nierenfunktionsstörung war mit den Werten von Patienten mit normaler Nierenfunktion vergleichbar. Die Sicherheit und Wirksamkeit von Gazyvaro bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung wurden nicht formal untersucht.
Zusätzliche Sicherheitsinformationen aus klinischen Studienerfahrung
Verschlimmerung vorbestehender Herzerkrankungen
Bei Patienten mit CLL und NHL wurden Fälle von Arrhythmien (wie z. B. Vorhofflimmern und Tachyarrhythmien), Angina pectoris, akutes Koronarsyndrom, Myokardinfarkt und Herzversagen bei einer Behandlung mit Gazyvaro berichtet (siehe Abschnitt 4.4). Diese Ereignisse können im Rahmen einer IRR auftreten und tödlich verlaufen.
Auffällige Laborwerte
Bei Patienten mit CLL wurde eine vorübergehende Erhöhung der Leberenzyme
(Aspartataminotransferase [AST], Alaninaminotransferase [ALT] und alkalische Phosphatase) kurz nach der ersten Infusion mit Gazyvaro beobachtet.
Die Behandlung mit Obinutuzumab führte zu einer Verringerung der Gesamt-Immunglobuline in gepoolten LN-Daten aus placebokontrollierten Studien, die hauptsächlich auf eine Verringerung der IgM-Werte zurückzuführen war.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über das in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Rückverfolgbarkeit
Um die Rückverfolgbarkeit biologischer Arzneimittel zu verbessern, müssen die Bezeichnung des Arzneimittels und die Chargenbezeichnung des angewendeten Arzneimittels eindeutig dokumentiert werden.
Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen werden separat für die Indikationen Onkologie (chronische lymphatische Leukämie und follikuläres Lymphom) und Lupusnephritis aufgeführt.
Chronische lymphatische Leukämie (CLL) und follikuläres Lymphom (FL)
Basierend auf einer Subgruppenanalyse bei Patienten mit nicht vorbehandeltem FL ist die Wirksamkeit bei Patienten mit FLIPI 0 - 1 (Niedrigrisikogruppe) derzeit nicht aussagekräftig (siehe Abschnitt 5.1). Für die Therapiewahl dieser Patienten ist das Gesamtsicherheitsprofil von Gazyvaro plus Chemotherapie und die spezifische Patientensituation sorgfältig zu bedenken.
Reaktionen im Zusammenhang mit einer Infusion (IRRs, infusion related reactions)
Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen bei Patienten, die Gazyvaro erhielten, waren IRRs, die vorwiegend während der ersten 1 000 mg Infusion auftraten. Die IRRs können mit einem Zytokin- Freisetzungssyndrom in Zusammenhang stehen, das ebenfalls bei mit Gazyvaro behandelten Patienten berichtet wurde. Bei Patienten mit CLL, die, wie in Abschnitt 4.2 beschrieben, kombinierte Maßnahmen zur Prävention von IRRs erhielten (adäquate Gabe von Corticosteroiden, oralen Analgetika/Antihistaminika, Absetzen antihypertensiver Arzneimittel am Morgen der ersten Infusion und die Verabreichung der ersten Dosis des Zyklus 1 verteilt über 2 Tage), wurde eine niedrigere Inzidenz für IRRs aller Grade beobachtet. Die Häufigkeit der IRRs von Grad 3 – 4 (basierend auf einer kleinen Anzahl an Patienten) war vor und nach der Einführung präventiver Maßnahmen ähnlich. Die präventiven Maßnahmen zur Reduzierung von IRRs sollten befolgt werden (siehe Abschnitt 4.2). Die Inzidenz und der Schweregrad der infusionsbedingten Symptome gingen nach der ersten 1 000-mg- Infusion stark zurück, wobei bei den meisten Patienten während der nachfolgenden Zyklen von Gazyvaro keine IRRs auftraten (siehe Abschnitt 4.8).
Bei der Mehrzahl der Patienten, unabhängig von der Indikation, waren die IRRs leicht bis mittelschwer und konnten durch Verlangsamung oder vorübergehendes Anhalten der ersten Infusion kontrolliert werden. Es wurden aber auch schwere und lebensbedrohliche IRRs beobachtet, die einer symptomatischen Behandlung bedurften. Das klinische Erscheinungsbild von IRRs kann sich mit dem von Immunglobulin E(IgE)-vermittelten allergischen Reaktionen decken (z. B. Anaphylaxie).
Patienten mit hoher Tumorlast und/oder einer hohen zirkulierenden Lymphozytenzahl bei CLL [> 25 x 109/l] unterliegen möglicherweise einem höheren Risiko für schwere IRRs. Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen (CrCl < 50 ml/min) und bei Patienten mit sowohl CIRS (Cumulative Illness Rating Scale) > 6 als auch CrCl < 70 ml/min besteht ein höheres Risiko für IRRs, einschließlich schwerer IRRs (siehe Abschnitt 4.8). Zur Behandlung von IRRs siehe Abschnitt 4.2, „Dosierung und Art der Anwendung“.
Wenn beim Patienten eines der folgenden Ereignisse auftritt, dürfen keine weiteren Infusionen von Gazyvaro verabreicht werden:
- akute lebensbedrohliche Atemwegssymptome,
- eine IRR Grad 4 (d. h. lebensbedrohlich) oder
- zum zweiten Mal eine IRR Grad 3 (verlängert/rezidivierend) (nach Wiederaufnahme der ersten Infusion oder während einer nachfolgenden Infusion).
Patienten mit bereits vorbestehenden Herz- oder Lungenerkrankungen sollten während der Infusion und in der Zeit danach sorgfältig überwacht werden. Während der intravenösen Infusionen von Gazyvaro kann eine Hypotonie auftreten. Deshalb sollte 12 Stunden vor und während jeder Infusion von Gazyvaro sowie in der ersten Stunde nach der Verabreichung ein Aussetzen von blutdrucksenkenden Behandlungen in Erwägung gezogen werden. Bei Patienten mit akutem Risiko für die Entwicklung einer hypertensiven Krise sollten der Nutzen und die Risiken des Aussetzens ihrer antihypertensiven Medikation sorgfältig abgewogen werden.
Überempfindlichkeitsreaktionen
Bei mit Gazyvaro behandelten Patienten wurde über sofortige Überempfindlichkeitsreaktionen (z. B.
Anaphylaxie) sowie über verzögerte Überempfindlichkeitsreaktionen (z. B. Serumkrankheit) berichtet.
Die klinische Abgrenzung von Überempfindlichkeitsreaktionen und IRRs kann schwierig sein. Die Symptome von Überempfindlichkeitsreaktionen können nach vorheriger Exposition auftreten und sehr selten nach der ersten Infusion. Wenn während oder nach einer Infusion der Verdacht auf eine Überempfindlichkeitsreaktion besteht, muss die Infusion angehalten und die Behandlung dauerhaft abgesetzt werden. Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Obinutuzumab dürfen nicht behandelt werden (siehe Abschnitt 4.3).
Tumorlysesyndrom (TLS)
Unter der Behandlung mit Gazyvaro wurde das Auftreten eines TLS berichtet. Patienten, bei denen ein Risiko für TLS vermutet wird (z. B. Patienten mit einer hohen Tumorlast und/oder einer hohen zirkulierenden Lymphozytenzahl [> 25 x 109/l] und/oder einer Nierenfunktionsstörung [CrCl < 70 ml/min]), sollten eine Prophylaxe erhalten. Die Prophylaxe sollte aus einer angemessenen Hydratation und der Gabe von Urikostatika (z. B. Allopurinol) oder einer geeigneten alternativen Behandlung wie mit Uricase (z. B. Rasburicase) bestehen und 12 bis 24 Stunden vor Beginn der Infusion von Gazyvaro gemäß üblicher Praxis erfolgen (siehe Abschnitt 4.2). Alle Patienten, bei denen ein Risiko vermutet wird, sollten während der ersten Behandlungstage sorgfältig beobachtet werden, insbesondere im Hinblick auf die Nierenfunktion, Kalium- und die Harnsäurewerte. Zusätzliche Richtlinien gemäß üblicher Praxis sind zu befolgen. Zur Behandlung des TLS müssen der Elektrolythaushalt korrigiert, die Nierenfunktion und der Flüssigkeitshaushalt überwacht und je nach Bedarf unterstützende Behandlungsmaßnahmen einschließlich Dialyse durchgeführt werden.
Neutropenie
Schwere und lebensbedrohliche Neutropenie, einschließlich febriler Neutropenie, wurde unter Behandlung mit Gazyvaro berichtet. Patienten, bei denen eine Neutropenie auftritt, sollten bis zur Wiederherstellung normaler Werte durch regelmäßige Laboruntersuchungen engmaschig überwacht werden. Wenn eine Behandlung erforderlich ist, sollte sie entsprechend den lokalen Empfehlungen erfolgen und die Verabreichung von G-CSF (Granulocyte Colony-Stimulating Factor) in Betracht gezogen werden. Etwaige Zeichen für Begleitinfektionen sollten entsprechend behandelt werden. Im Falle einer schweren oder lebensbedrohlichen Neutropenie sollte eine verzögerte Dosierung in Betracht gezogen werden. Bei Patienten mit schwerer und länger als eine Woche anhaltender Neutropenie wird während der Behandlungsdauer eine antimikrobielle Prophylaxe bis zur Verminderung der Neutropenie auf Grad 1 oder 2 ausdrücklich empfohlen. Eine antivirale und antimykotische Prophylaxe sollte ebenfalls in Betracht gezogen werden (siehe Abschnitt 4.2). Spät einsetzende Neutropenie (Eintritt > 28 Tage nach Behandlungsende) oder anhaltende Neutropenie (Dauer mehr als 28 Tage nach Abschluss/Abbruch der Behandlung) können auftreten. Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen (CrCl < 50 ml/min) besteht ein höheres Risiko für eine Neutropenie (siehe Abschnitt 4.8).
Thrombozytopenie
Schwere und lebensbedrohliche Thrombozytopenie, einschließlich akuter Thrombozytopenie (Eintreten innerhalb von 24 Stunden nach der Infusion), wurde unter Behandlung mit Gazyvaro beobachtet. Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen (CrCl < 50 ml/min) besteht ein höheres Risiko für eine Thrombozytopenie (siehe Abschnitt 4.8). Tödlich verlaufende Blutungsereignisse wurden ebenfalls in Zyklus 1 bei Patienten berichtet, die mit Gazyvaro behandelt wurden. Ein klarer Zusammenhang zwischen Thrombozytopenie und Blutungsereignissen konnte nicht festgestellt werden.
Patienten sollten insbesondere während des ersten Zyklus engmaschig auf eine Thrombozytopenie überwacht werden. Bei schweren oder lebensbedrohlichen Thrombozytopenien sollten bis zur Wiederherstellung normaler Werte regelmäßige Laboruntersuchungen durchgeführt und eine Dosisverzögerung in Erwägung gezogen werden. Eine Transfusion von Blutprodukten (d. h.
Thrombozytentransfusion) gemäß lokalen Empfehlungen liegt im Ermessen des behandelnden Arztes.
Die Anwendung anderer begleitender Therapien, wie z. B. von Thrombozytenaggregationshemmern oder Antikoagulantien, welche Thrombozytopenie-assoziierte Ereignisse verschlechtern könnten, sollte ebenso überdacht werden, insbesondere während des ersten Zyklus.
Gerinnungsstörungen, einschließlich disseminierter intravaskulärer Gerinnung (DIC, disseminated intravascular coagulation)
DIC, einschließlich tödlicher Ereignisse, wurden in klinischen Studien und in der Überwachung nach Markteinführung bei Patienten, die Gazyvaro erhielten, berichtet. In den meisten Fällen handelte es
sich um verdeckte/ kompensierte DIC mit subklinischen (asymptomatischen) Veränderungen der Thrombozyten und der Laborkoagulationsparameter, die innerhalb von 1-2 Tagen nach der ersten Infusion auftraten und in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen spontan abklangen und die kein Absetzen des Arzneimittels bzw. keine spezifische Intervention erforderten. In einigen Fällen waren die Ereignisse mit IRRs und/oder TLS assoziiert. Es wurden keine spezifischen Baseline- Risikofaktoren für DIC identifiziert. Patienten mit Verdacht auf eine verdeckte/ kompensierte DIC sollten engmaschig mit Gerinnungsparametern, einschließlich Thrombozyten, und klinischer Beobachtung auf Anzeichen oder Symptome einer manifesten DIC überwacht werden. Gazyvaro sollte beim ersten Auftreten des Verdachts auf manifeste DIC abgesetzt und eine geeignete Behandlung eingeleitet werden.
Verschlechterung vorbestehender Herzerkrankungen
Bei Patienten mit vorbestehender Herzerkrankung sind unter Behandlung mit Gazyvaro Arrhythmien (wie z. B. Vorhofflimmern und Tachyarrhythmien), Angina pectoris, akutes Koronarsyndrom, Myokardinfarkt und Herzversagen aufgetreten (siehe Abschnitt 4.8). Diese Ereignisse können als Teil einer IRR auftreten und tödlich verlaufen. Patienten mit einer Herzerkrankung in der Anamnese sollten daher engmaschig überwacht werden. Außerdem ist bei diesen Patienten eine Hydratation mit Vorsicht durchzuführen, um eine potenzielle Flüssigkeitsüberlastung zu vermeiden.
Infektionen
Bei Vorliegen einer aktiven Infektion sollte Gazyvaro nicht verabreicht werden. Die Anwendung von Gazyvaro bei Patienten mit rezidivierenden oder chronischen Infektionen in der Anamnese sollte mit Vorsicht erfolgen. Schwerwiegende Bakterien-, Pilz- und Virusinfektionen (letztere neu oder reaktiviert) können während und nach Abschluss der Behandlung mit Gazyvaro auftreten. Tödlich verlaufende Infektionen wurden berichtet.
Bei Patienten (CLL) mit sowohl CIRS > 6 als auch CrCl < 70 ml/min besteht ein höheres Risiko für Infektionen, einschließlich schwerwiegender Infektionen (siehe Abschnitt 4.8). In den Studien zum follikulären Lymphom wurde in allen Studienphasen, einschließlich der Nachbeobachtungszeit, ein gehäuftes Auftreten von Infektionen beobachtet, welches in der Erhaltungsphase am höchsten war. In der Nachbeobachtungszeit wurden Infektionen von Grad 3 – 5 häufiger bei jenen Patienten beobachtet, die in der Induktionsphase Gazyvaro plus Bendamustin erhalten hatten.
Hepatitis-B-Reaktivierung
Bei Patienten, die mit anti-CD20-Antikörpern einschließlich Gazyvaro behandelt werden, kann eine Reaktivierung des Hepatitis-B-Virus (HBV) auftreten, die in einigen Fällen zu fulminanter Hepatitis, Leberversagen und zum Tod geführt hat (siehe Abschnitt 4.8). Bei allen Patienten soll vor Beginn der Behandlung mit Gazyvaro eine HBV-Testung durchgeführt werden. Diese sollte mindestens den Hepatitis-B-Oberflächenantigen(HBsAg)-Status und den Hepatitis-B-Core-Antikörper(HBcAk)-Status beinhalten und kann, gemäß lokalen Empfehlungen, mit weiteren geeigneten Markern ergänzt werden.
Patienten mit aktiver Hepatitis-B-Erkrankung dürfen nicht mit Gazyvaro behandelt werden. Patienten mit einer positiven Hepatitis-B-Serologie sollen vor Behandlungsbeginn einen Spezialisten für Lebererkrankungen aufsuchen und gemäß lokalen medizinischen Standards überwacht und behandelt werden, um eine Hepatitis-B-Reaktivierung zu verhindern.
Progressive multifokale Leukoenzephalopathie (PML)
Bei mit Gazyvaro behandelten Patienten kann eine progressive multifokale Leukoenzephalopathie (PML) auftreten (siehe Abschnitt 4.8). Bei allen Patienten mit neu auftretender oder einer Veränderung einer bereits existierenden neurologischen Symptomatik ist die Diagnose einer PML in Betracht zu ziehen. Die Symptome einer PML sind unspezifisch und können in Abhängigkeit von der betroffenen Region des Gehirns variieren. Motorische Symptome mit Befunden im Corticospinaltrakt (z. B. Muskelschwäche, Lähmungen und Wahrnehmungsstörungen), sensorische Auffälligkeiten, zerebelläre Symptome und Gesichtsfeldausfälle sind häufig. Es können auch sogenannte kortikale Anzeichen/Symptome auftreten (z. B. Aphasie oder visuell-räumliche Desorientierung). Die Abklärung einer PML beinhaltet unter anderem eine fachärztliche neurologische Untersuchung, eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und eine Lumbalpunktion (Liquoruntersuchung auf John-Cunningham-Virus-DNA). Während der Überprüfung auf eine mögliche PML sollte die Behandlung mit Gazyvaro unterbrochen und, falls die PML bestätigt wird, dauerhaft abgesetzt werden. Es ist auch zu erwägen, eine begleitende Chemotherapie oder immunsupprimierende Therapie abzusetzen oder zu reduzieren. Zur Abklärung und Behandlung der PML sollte der Patient an einen Neurologen überwiesen werden.
Immunisierung
Die Sicherheit einer Immunisierung mit viralen Lebend- oder abgeschwächten Impfstoffen nach einer Behandlung mit Gazyvaro wurde nicht untersucht. Eine Impfung mit viralen Lebendimpfstoffen wird während der Behandlung und bis zur B-Zell-Regeneration nicht empfohlen.
Exposition mit Obinutuzumab in utero und Impfung von Säuglingen mit viralen Lebendimpfstoffen
Säuglinge von Müttern, die während der Schwangerschaft Gazyvaro ausgesetzt waren, sollten hinsichtlich einer potenziellen B-Zell-Depletion überwacht werden. Die Impfung von Säuglingen mit viralen Lebendimpfstoffen sollte verschoben werden, bis sich ihre B-Zell-Werte normalisiert haben.
Die Sicherheit und der Zeitpunkt der Impfung sollten mit dem zuständigen Kinderarzt besprochen werden (siehe Abschnitt 4.6).
Lupusnephritis (LN)
Infektionen
Bei Vorliegen einer aktiven Infektion sollte Gazyvaro nicht verabreicht werden. Die Anwendung von Gazyvaro bei Patienten mit rezidivierenden oder chronischen Infektionen in der Anamnese sollte mit Vorsicht erfolgen. Schwerwiegende Bakterien-, Pilz- und neue oder reaktivierte Virusinfektionen können während und nach Abschluss der Behandlung mit Gazyvaro auftreten. Tödlich verlaufende Infektionen wurden berichtet.
Bei allen Patienten sollte vor Beginn einer Behandlung mit Gazyvaro ein Screening auf Hepatitis-B- Viren (HBV) durchgeführt werden. Dies sollte mindestens den HBsAg-Status und den HBcAb-Status beinhalten und kann, gemäß lokalen Empfehlungen, mit weiteren geeigneten Markern ergänzt werden.
Patienten mit aktiver Hepatitis-B-Erkrankung dürfen nicht mit Gazyvaro behandelt werden. Patienten mit positiver Hepatitis-B-Serologie sollten überwacht und gemäß lokalen medizinischen Standards behandelt werden, um eine Hepatitis-B-Reaktivierung zu verhindern.
Neutropenie
Während der Behandlung mit Gazyvaro wurden schwere und lebensbedrohliche Neutropenie einschließlich febriler Neutropenie berichtet. Patienten, bei denen eine Neutropenie auftritt, sollten bis zur Wiederherstellung normaler Werte durch regelmäßige Laboruntersuchungen engmaschig überwacht werden. Wenn eine Behandlung erforderlich ist, sollte sie entsprechend den lokalen Empfehlungen erfolgen und die Verabreichung von G-CSF (Granulocyte Colony-Stimulating Factor)
in Betracht gezogen werden. Etwaige Anzeichen für eine Begleitinfektion sollten entsprechend behandelt werden.
Reaktionen im Zusammenhang mit einer Infusion
Bei Patienten mit LN traten Reaktionen im Zusammenhang mit einer Infusion (IRRs) vorwiegend während der Infusion der ersten 1 000 mg auf. Die IRRs waren im Allgemeinen leicht (Grad 1) bis mittelschwer (Grad 2) und konnten durch Verlangsamung oder vorübergehendes Anhalten der Infusion behandelt werden (siehe Umgang mit IRRs). Es wurden jedoch auch schwere (Grad 3) und lebensbedrohliche (Grad 4) IRRs berichtet, die eine symptomatische Behandlung erforderten.
Informationen zur Prophylaxe, siehe Abschnitt 4.2.
Wenn beim Patienten eines der folgenden Ereignisse auftritt, dürfen keine weiteren Infusionen von Gazyvaro verabreicht werden:
- akute lebensbedrohliche Atemwegssymptome,
- eine IRR Grad 4 (d. h. lebensbedrohlich) oder
- zum zweiten Mal eine IRR Grad 3 (verlängert/rezidivierend) (nach Wiederaufnahme der ersten Infusion oder während einer nachfolgenden Infusion).
Patienten mit bereits vorbestehenden Herz- oder Lungenerkrankungen sollten während der Infusion und in der Zeit danach sorgfältig überwacht werden. Während der intravenösen Infusionen von Gazyvaro kann eine Hypotonie auftreten. Deshalb sollte 12 Stunden vor und während jeder Infusion von Gazyvaro sowie in der ersten Stunde nach der Verabreichung ein Aussetzen von blutdrucksenkenden Behandlungen in Erwägung gezogen werden. Bei Patienten mit akutem Risiko für die Entwicklung einer hypertensiven Krise sollten der Nutzen und die Risiken des Aussetzens ihrer antihypertensiven Medikation sorgfältig abgewogen werden.
Progressive multifokale Leukoenzephalopathie (PML)
PML wurde bei Patienten berichtet, die wegen CLL und/oder FL mit Gazyvaro behandelt wurden (siehe Abschnitt 4.8), und es wurde nicht berichtet bei Patienten, die während placebokontrollierten LN-Studien mit Gazyvaro behandelt wurden. Bei allen Patienten mit neu auftretender oder einer Veränderung einer bereits existierenden neurologischen Symptomatik ist die Diagnose einer PML in Betracht zu ziehen. Die Symptome einer PML sind unspezifisch und können in Abhängigkeit von der betroffenen Region des Gehirns variieren. Motorische Symptome mit Befunden im Kortikospinaltrakt (z. B. Muskelschwäche, Lähmungen und Wahrnehmungsstörungen), sensorische Auffälligkeiten, zerebelläre Symptome und Gesichtsfeldausfälle sind häufig. Es können auch sogenannte kortikale Anzeichen/Symptome auftreten (z. B. Aphasie oder visuell-räumliche Desorientierung). Die Abklärung einer PML beinhaltet unter anderem eine fachärztliche neurologische Untersuchung, eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und eine Lumbalpunktion (Liquoruntersuchung auf John-Cunningham-Virus-DNA). Während der Überprüfung auf eine mögliche PML sollte die Behandlung mit Gazyvaro unterbrochen und, falls die PML bestätigt wird, dauerhaft abgesetzt werden. Es ist auch zu erwägen, eine begleitende Chemotherapie oder immunsupprimierende Therapie abzusetzen oder zu reduzieren. Zur Abklärung und Behandlung der PML sollte der Patient an einen Neurologen überwiesen werden.
Immunisierung
Die Sicherheit einer Immunisierung mit viralen Lebend- oder abgeschwächten Impfstoffen nach einer Behandlung mit Gazyvaro wurde nicht untersucht. Eine Impfung mit viralen Lebendimpfstoffen wird während der Behandlung und bis zur B-Zell-Regeneration nicht empfohlen.
Exposition mit Obinutuzumab in utero und Impfung von Säuglingen mit viralen Lebendimpfstoffen
Säuglinge von Müttern, die während der Schwangerschaft Gazyvaro ausgesetzt waren, sollten hinsichtlich einer potenziellen B-Zell-Depletion überwacht werden. Die Impfung von Säuglingen mit viralen Lebendimpfstoffen sollte verschoben werden, bis sich ihre B-Zell-Werte normalisiert haben.
Die Sicherheit und der Zeitpunkt der Impfung sollten mit dem zuständigen Kinderarzt besprochen werden (siehe Abschnitt 4.6).
Ältere Patienten
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Gazyvaro sind bei Patienten mit LN im Alter von über 65 Jahren nicht erwiesen.
Nierenfunktionsstörungen
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Gazyvaro wurden bei Patienten mit schwerer
Nierenfunktionsstörung (CrCl < 30 ml/min) nicht untersucht.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Es wurden keine formalen Studien zur Erfassung von Arzneimittelwechselwirkungen durchgeführt. Es wurden jedoch begrenzte Substudien zur Erfassung von Arzneimittelwechselwirkungen mit Gazyvaro und Bendamustin, CHOP, Fludarabin und Cyclophosphamid (FC) und Chlorambucil durchgeführt.
Ein Risiko für Wechselwirkungen mit anderen gleichzeitig angewendeten Arzneimitteln kann nicht ausgeschlossen werden.
Pharmakokinetische Wechselwirkungen
Obinutuzumab ist weder ein Substrat noch ein Hemmer oder Induktor des Cytochrom P450 (CYP450), der Uridindiphosphat-Glucuronyltransferase(UGT)-Enzyme oder von Transportern wie P- Glykoprotein. Deshalb wird keine pharmakokinetische Wechselwirkung mit Arzneimitteln erwartet, die über diese Enzymsysteme metabolisiert werden.
Die gleichzeitige Anwendung mit Gazyvaro hatte keine Auswirkung auf die Pharmakokinetik von Bendamustin, FC, Chlorambucil oder einzelnen Komponenten der CHOP-Therapie. Ebenso gab es keine ersichtlichen Wirkungen von Bendamustin, FC, Chlorambucil oder CHOP auf die Pharmakokinetik von Gazyvaro.
Pharmakodynamische Wechselwirkungen
Aufgrund der immunsuppressiven Wirkung von Obinutuzumab wird die Impfung mit
Lebendimpfstoffen während der Behandlung und bis zur Normalisierung der B-Zell-Werte nicht empfohlen (siehe Abschnitt 4.4).
Die Kombination von Obinutuzumab mit Chlorambucil, Bendamustin, CHOP oder CVP kann das Risiko, eine Neutropenie zu entwickeln, erhöhen (siehe Abschnitt 4.4).
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Frauen im gebärfähigen Alter
Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und in den 18 Monaten nach der Behandlung mit Gazyvaro eine wirksame Empfängnisverhütung anwenden.
Schwangerschaft
Eine Reproduktionsstudie bei Cynomolgus-Affen ergab keinen Hinweis auf embryo-fetale Toxizität oder auf Teratogenität, führte jedoch bei den Nachkommen zu einer kompletten Depletion der B- Lymphozyten. Innerhalb von 6 Monaten nach der Geburt kehrten die B-Zellzahlen bei den Nachkommen auf normale Werte zurück und die immunologische Funktion war wiederhergestellt. Die Serumkonzentrationen von Obinutuzumab lagen bei den Nachkommen an Tag 28 nach der Geburt im Bereich der Konzentrationen im mütterlichen Serum, während die Konzentrationen in der Milch am selben Tag sehr gering waren. Das deutet darauf hin, dass Obinutuzumab die Plazentaschranke passiert (siehe Abschnitt 5.3). Es gibt keine Daten zur Anwendung von Obinutuzumab bei schwangeren Frauen. Gazyvaro sollte während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der mögliche Nutzen überwiegt das mögliche Risiko.
Im Falle einer Exposition während der Schwangerschaft kann bei Säuglingen aufgrund der pharmakologischen Eigenschaften des Arzneimittels mit einer B-Zell-Depletion gerechnet werden. Bei Säuglingen, deren Mütter während ihrer Schwangerschaft Gazyvaro ausgesetzt waren, sollte eine Verschiebung von Impfungen mit Lebendimpfstoffen in Betracht gezogen werden, bis sich die B-Zell- Werte des Säuglings wieder normalisiert haben (siehe Abschnitt 4.4).
Stillzeit
In Tierstudien wurde gezeigt, dass Obinutuzumab in die Muttermilch übertritt (siehe Abschnitt 5.3).
Da humanes Immunglobulin G (IgG) beim Menschen in die Muttermilch übertritt und das Potenzial für eine Resorption und Schädigung beim Säugling unbekannt sind, sollte Frauen empfohlen werden, während der Therapie mit Gazyvaro und in den 18 Monaten nach der letzten Dosis von Gazyvaro nicht zu stillen.
Fertilität
Es wurden keine speziellen Tierstudien durchgeführt, um die Wirkung von Obinutuzumab auf die Fertilität zu beurteilen. In Toxizitätsstudien mit wiederholter Verabreichung bei Cynomolgus-Affen hatte Obinutuzumab keine negativen Auswirkungen auf die männlichen oder weiblichen Reproduktionsorgane (siehe Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen
Gazyvaro hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. IRRs sind während der ersten Infusion mit Gazyvaro sehr häufig und Patienten, bei denen Symptome im Zusammenhang mit einer Infusion auftreten, wird geraten, nicht aktiv am Straßenverkehr teilzunehmen oder Maschinen zu bedienen, bis die Symptome abgeklungen sind.
4.9 Überdosierung
Aus klinischen Studien am Menschen liegen keine Erfahrungen mit Überdosierungen vor. In klinischen Studien mit Gazyvaro wurden Dosen von 50 mg bis einschließlich 2 000 mg pro Infusion verabreicht. Inzidenz und Schweregrad der in diesen Studien berichteten Nebenwirkungen scheinen nicht dosisabhängig zu sein.
Bei einer Überdosierung sollte die Infusion sofort unterbrochen oder reduziert werden und der Patient engmaschig überwacht werden. Solange der Patient B-Zell depletiert ist, sollte in Erwägung gezogen werden, das Blutbild sowie den Patienten auf ein erhöhtes Infektionsrisiko regelmäßig zu überwachen.
5.
PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Mittel, monoklonale Antikörper und Antikörper- Wirkstoff-Konjugate, ATC-Code: L01FA03
Wirkmechanismus
Obinutuzumab ist ein rekombinanter monoklonaler humanisierter und durch Glycoengineering modifizierter Typ-II-anti-CD20-Antikörper vom IgG1-Isotyp. Er richtet sich gezielt gegen die extrazelluläre Schleife des CD20-Transmembranantigens auf der Oberfläche nicht-maligner und maligner prä-B- und reifer B-Lymphozyten, nicht aber gegen hämatopoetische Stammzellen, pro-B- Zellen, normale Plasmazellen oder anderes normales Gewebe. Glycoengineering des Fc-Anteils von Obinutuzumab führt im Vergleich zu nicht durch Glycoengineering modifizierten Antikörpern zu einer höheren Affinität für Fcγ-RIII-Rezeptoren auf den Immuneffektorzellen, wie z. B. den natürlichen Killerzellen (NK-Zellen), Makrophagen und Monozyten.
In präklinischen Studien induziert Obinutuzumab den direkten Zelltod und vermittelt eine antikörperabhängige zelluläre Zytotoxizität (ADCC) und antikörperabhängige zelluläre Phagozytose (ADCP) über die Rekrutierung Fcγ-RIII-positiver Immuneffektorzellen. Außerdem vermittelt Obinutuzumab in vivo eine geringgradige komplementabhängige Zytotoxizität (CDC). Verglichen mit Typ-I-Antikörpern zeichnet sich Obinutuzumab, ein Typ-II-Antikörper, in einer äquivalenten Dosierung durch eine verbesserte Induktion des direkten Zelltods mit gleichzeitiger Reduzierung der CDC aus. Verglichen mit den nicht durch Glycoengineering modifizierten Antikörpern ist Obinutuzumab in einer äquivalenten Dosierung als Folge des Glycoengineerings durch eine verbesserte ADCC und ADCP charakterisiert. In tierexperimentellen Modellen vermittelt Obinutuzumab eine starke B-Zell-Depletion und Antitumorwirksamkeit.
In der zulassungsrelevanten klinischen Studie mit Patienten mit CLL (BO21004/CLL11) wurde bei 91 % (40 von 44) der auswertbaren mit Gazyvaro behandelten Patienten am Ende der Behandlungsphase eine B-Zell-Depletion (definiert als eine CD19+ B-Zellzahl < 0,07 x 109/l) beobachtet, die während der ersten 6 Monate Nachbeobachtungszeit stabil blieb. Die Erholung der B- Zellen wurde in der 12- bis 18-monatigen Nachbeobachtungszeit bei 35 % (14 von 40) der Patienten ohne progrediente Erkrankung und bei 13 % (5 von 40) mit progredienter Erkrankung beobachtet.
In der zulassungsrelevanten klinischen Studie mit Patienten mit iNHL (GAO4753/GADOLIN) wurde bei 97 % (171 von 176) der auswertbaren mit Gazyvaro behandelten Patienten am Ende der Behandlungsphase eine B-Zell-Depletion beobachtet, die bei 97 % (61 von 63) länger als 6 Monate nach der letzten Dosis stabil blieb. Die Erholung der B-Zellen wurde in der 12- bis 18-monatigen Nachbeobachtungszeit bei 11 % (5 von 46) der auswertbaren Patienten beobachtet.
Auszug – vollständiger Text im Originaldokument. Originaldokument (PDF, EMA)
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Ein populationspharmakokinetisches (PK) Modell wurde für die Auswertung der PK-Daten bei 469 Patienten mit iNHL, 342 Patienten mit CLL und 130 Patienten mit diffusem großzelligem B-Zell- Lymphom (DLBCL) aus den Studien der Phasen I, II und III, die Obinutuzumab allein oder in Kombination mit Chemotherapie erhielten, entwickelt.
Ein Populations-PK-Modell wurde entwickelt, um die PK-Daten von 196 LN-Patienten aus Phase-II- und Phase-III-Studien zu analysieren, die Obinutuzumab erhielten.
Resorption
Obinutuzumab wird intravenös verabreicht, daher kann die Resorption nicht untersucht werden. Es wurden keine Studien mit anderen Arten der Anwendung durchgeführt. Im populationspharmakokinetischen Modell betrug nach Tag 1 von Zyklus 6 der geschätzte mediane Cmax-Wert nach intravenöser Verabreichung bei CLL-Patienten 465,7 μg/ml und der AUC(τ)-Wert betrug 8 961 μg•d/ml. Bei Patienten mit iNHL betrug der geschätzte mediane Cmax-Wert 539,3 µg/ml und der AUC(τ)-Wert betrug 10 956 µg•d/ml. Basierend auf dem Populations-PK-Modell betrug bei LN-Patienten die geschätzte mediane Cmax im Steady-State 468 µg/ml, und die AUC im Steady-State betrug 8 740 µg•d/ml.
Verteilung
Nach intravenöser Verabreichung entsprach das Verteilungsvolumen im zentralen Kompartiment (2,98 l bei Patienten mit CLL, 2,97 l bei Patienten mit iNHL und 2,22 l bei Patienten mit LN) etwa dem Serumvolumen, was darauf schließen lässt, dass die Verteilung hauptsächlich auf das Plasma und die interstitielle Flüssigkeit begrenzt ist.
Biotransformation
Der Metabolismus von Obinutuzumab wurde nicht direkt untersucht. Antikörper werden vorwiegend über den katabolen Stoffwechsel ausgeschieden.
Elimination
Auszug – vollständiger Text im Originaldokument. Originaldokument (PDF, EMA)
Stand der Information: Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen Arzneimittel-Agentur https://www.ema.europa.eu verfügbar.
Quelle: Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Produktinformation. Keine Werbung, keine Therapieempfehlung. Bei Fragen zur eigenen Behandlung: Ärztin, Arzt oder Apotheke.