Deutetrabenazine: Fachinformation – Dosierung, Gegenanzeigen, Wechselwirkungen, Nebenwirkungen
Für Fachkreise
4.1 Anwendungsgebiete
Austedo wird angewendet zur Behandlung mäßiger bis schwerer tardiver Dyskinesien bei Erwachsenen.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Die Einleitung und Titration der Austedo-Behandlung ist durch einen Arzt zu überwachen, der Erfahrung mit arzneimittelinduzierten Bewegungsstörungen hat.
Dosierung
Die Dosierung von Austedo ist für jeden Patienten individuell auf der Grundlage einer angemessenen Verringerung der Symptome der tardiven Dyskinesie sowie der Verträglichkeit festzulegen.
Die Behandlungseinleitung sollte mit 12 mg einmal täglich über eine Woche erfolgen. Die Dosis wird anschließend für eine weitere Woche auf 24 mg einmal täglich erhöht. Nach der zweiten Woche wird empfohlen, die Dosis in Abhängigkeit von der Verringerung der Symptome der tardiven Dyskinesie sowie der Verträglichkeit in wöchentlichen Abständen in Schritten von 6 mg einmal täglich zu titrieren. Der wirksame Dosisbereich wird als 24 mg bis 48 mg angesetzt. Die höchste empfohlene Tagesdosis beträgt 48 mg.
Bei Patienten, die starke CYP2D6-Inhibitoren erhalten oder schlechte CYP2D6-Metabolisierer sind, darf die Tagesdosis von Deutetrabenazin 36 mg nicht überschreiten (siehe Abschnitte 4.5 und 5.2).
Die Entscheidung über die Fortsetzung der Behandlung mit Deutetrabenazin soll patientenindividuell getroffen werden. Die Behandlung kann so lange fortgesetzt werden, wie ein therapeutischer Nutzen zu beobachten ist und der Patient die Behandlung verträgt.
Die Behandlung mit Deutetrabenazin kann ohne Ausschleichen abgesetzt werden.
Versäumte Dosis
Wenn ein Patient die Anwendung für weniger als eine Woche versäumt, kann die Behandlung mit der aktuellen Dosis wieder aufgenommen werden. Wenn der Patient die Anwendung länger als eine Woche versäumt, sollte die Austedo-Therapie mit 12 mg einmal täglich wieder aufgenommen werden.
Besondere Patientengruppen
Ältere Menschen
Es liegen nur begrenzte Erfahrungen über die Anwendung von Deutetrabenazin bei Patienten ≥ 65 Jahren vor. Basierend auf den Ergebnissen der populationspharmakokinetischen Analyse ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe Abschnitt 5.2).
Eingeschränkte Leberfunktion
Die Anwendung von Deutetrabenazin bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen ist kontraindiziert (siehe Abschnitte 4.3 und 5.2).
Eingeschränkte Nierenfunktion
Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe Abschnitt 5.2).
Kinder und Jugendliche
Es gibt im Anwendungsgebiet der tardiven Dyskinesien keinen relevanten Nutzen von Austedo bei Kindern und Jugendlichen.
Art der Anwendung
Zum Einnehmen.
Die Retardtabletten können unabhängig von oder zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Um die Eigenschaften der verlängerten Wirkstofffreisetzung zu erhalten, müssen die Tabletten im Ganzen mit Wasser geschluckt werden; sie dürfen nicht zerkaut, zerstoßen oder geteilt werden.
Der Wirkstoff ist in einer nicht resorbierbaren Hülle enthalten, die den Wirkstoff kontrolliert freisetzt.
Die Tablettenhülle wird vom Körper ausgeschieden. Die Patienten sollten darauf hingewiesen werden, dass sie gelegentlich etwas in ihrem Stuhl entdecken könnten, das wie eine Tablette aussieht.
4.3 Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.
Leberfunktionsstörung (siehe Abschnitt 4.2).
Gleichzeitige Behandlung mit Reserpin (siehe Abschnitt 4.5).
Gleichzeitige Behandlung mit Monoaminoxidase (MAO)-Hemmern (siehe Abschnitt 4.5).
Gleichzeitige Behandlung mit anderen Inhibitoren des vesikulären Monoamintransporters 2 (VMAT2) (siehe Abschnitt 4.5).
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des Sicherheitsprofils
Die am häufigsten gemeldeten Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Deutetrabenazin waren Somnolenz (11 %), Diarrhö, Mundtrockenheit und Ermüdung (jeweils 9 %). Somnolenz kann zu Beginn der Behandlung häufiger auftreten und mit Fortdauer der Behandlung abnehmen.
Die schwerwiegendsten Nebenwirkungen waren Depression und dysthyme Störung (2 %).
Tabellarische Auflistung der Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen aus klinischen Studien und Berichten nach dem Inverkehrbringen werden gemäß Einordnung in Systemorganklassen nach MedDRA dargestellt. Innerhalb jeder Häufigkeitsgruppe sind die Nebenwirkungen in der Reihenfolge ihres abnehmenden Häufigkeit Schweregrads. Die Häufigkeitsangaben basieren auf folgenden Kategorien: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100, < 1/10), gelegentlich (≥ 1/1 000, < 1/100), selten (≥ 1/10 000, < 1/1 000) und nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).
Die folgenden Nebenwirkungen wurden für Deutetrabenazin festgestellt (siehe Tabelle 1).
Tabelle 1: Auflistung der Nebenwirkungen
System-Organ-Klasse
Häufigkeit
Nebenwirkung
Infektionen und parasitäre
Erkrankungen
Häufig
Harnwegsinfekt
Nasopharyngitis
Psychiatrische Erkrankungen Häufig
Depression*
Dysthyme Störung*
Angst
Schlaflosigkeit
Agitiertheit*
Unruhe**
Erkrankungen des
Nervensystems
Sehr häufig
Somnolenz
Häufig
Akathisie**
Gelegentlich
Parkinsonismus
Erkrankungen des
Gastrointestinaltrakts
Häufig
Diarrhoe
Obstipation
Mundtrockenheit
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am
Verabreichungsort
Häufig
Ermüdung
Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte
Komplikationen
Häufig
Kontusion
*Die Vorzugsbezeichnungen Depression und dysthymische Störung wurden für die Häufigkeitsberechnung zusammengefasst.
**Die Vorzugsbezeichnungen Agitiertheit, Unruhe und Akathisie wurden für die Häufigkeitsberechnung zusammengefasst.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über das in Anhang V aufgeführte nationale Meldesystem anzuzeigen.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Depression
Deutetrabenazin kann Depressionen verursachen oder eine bereits bestehende Depression verschlimmern (siehe Abschnitt 4.8). Die Patienten sind hinsichtlich des Auftretens solcher
unerwünschten Wirkungen engmaschig zu überwachen. Die Patienten und ihre Betreuungspersonen sind über die Risiken zu informieren und anzuweisen, etwaige Sorgen unverzüglich ihrem Arzt mitzuteilen. Sollte die Depression nicht abklingen, ist ein Absetzen der Deutetrabenazin-Behandlung in Betracht zu ziehen.
QTc-Verlängerung
Deutetrabenazin kann das QTc-Intervall verlängern; erfolgt die Anwendung von Deutetrabenazin innerhalb des empfohlenen Dosisbereichs, ist das Ausmaß der QTc-Verlängerung allerdings nicht klinisch signifikant (siehe Abschnitt 5.1). Deutetrabenazin ist in Kombination mit anderen Arzneimitteln, die das QTc-Intervall verlängern (siehe Abschnitt 4.5), und bei Patienten mit kongenitalem Long-QT-Syndrom, Bradykardie, Hypokaliämie, Hypomagnesiämie oder anamnestisch bekannten Herzrhythmusstörungen mit Vorsicht anzuwenden.
Malignes neuroleptisches Syndrom (MNS)
Im Zusammenhang mit Arzneimitteln, die die dopaminerge Übertragung reduzieren, besteht ein potenzielles Risiko für MNS (siehe Abschnitt 4.5). Die Hauptsymptome eines MNS sind mentale Veränderungen, Rigidität, Hyperthermie, autonome Dysfunktion und erhöhte Kreatininphosphokinasewerte. Bei Verdacht eines MNS muss Deutetrabenazin sofort abgesetzt und eine geeignete symptomatische Behandlung eingeleitet werden.
Akathisie, Agitiertheit und Unruhe
Deutetrabenazin kann bei Patienten mit tardiven Dyskinesien das Risiko von Akathisie, Agitiertheit und Unruhe erhöhen (siehe Abschnitt 4.8). Patienten, die Deutetrabenazin erhalten, sollen auf Anzeichen und Symptome von Unruhe und Agitiertheit überwacht werden, da dies Anzeichen für die Entwicklung einer Akathisie sein können. Wenn ein Patient während der Deutetrabenazin-Behandlung eine Akathisie entwickelt, ist die Dosis zu reduzieren; bei einigen Patienten kann ein Abbruch der Therapie erforderlich sein.
Somnolenz
Somnolenz ist eine sehr häufige dosislimitierende Nebenwirkung von Deutetrabenazin (siehe Abschnitt 4.8); daher sind die Patienten darauf hinzuweisen, beim Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von Maschinen Vorsicht walten zu lassen (siehe Abschnitt 4.7). Aufgrund möglicher additiver Wirkungen ist zudem Vorsicht geboten, wenn Patienten andere sedierende Arzneimittel oder Alkohol in Kombination mit Deutetrabenazin einnehmen (siehe Abschnitt 4.5).
Parkinsonismus
Deutetrabenazin kann bei Patienten mit tardiver Dyskinesie Parkinsonismus verursachen (siehe Abschnitt 4.8). Wenn ein Patient Parkinsonismus entwickelt, ist die Deutetrabenazin-Dosis zu reduzieren und ein Abbruch der Behandlung in Betracht zu ziehen, wenn ein Abklingen ausbleibt.
Bindung an melaninhaltige Gewebe
Da Deutetrabenazin oder seine Metaboliten an melaninhaltiges Gewebe (z. B. Haut und Auge) binden, könnte es sich mit der Zeit in diesen Geweben anreichern. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass Deutetrabenazin nach längerer Anwendung in diesen Geweben toxisch wirkt. Die klinische Relevanz der Bindung von Deutetrabenazin an melaninhaltige Gewebe ist nicht bekannt.
Sonstige Bestandteile
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Retardtablette, d. h., es ist nahezu „natriumfrei“.
Dieses Arzneimittel enthält Gelborange S und/oder Allurarot AC, die allergische Reaktionen hervorrufen können (siehe Abschnitt 2).
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Reserpin
Deutetrabenazin und Reserpin dürfen nicht gleichzeitig angewendet werden (siehe Abschnitt 4.3).
Reserpin bindet irreversibel an VMAT2 und die Dauer seiner Wirkung beträgt mehrere Tage. Nach dem Absetzen von Reserpin müssen mindestens 20 Tage vergehen, bevor mit Deutetrabenazin begonnen werden kann. Verschreibende Ärzte müssen das Wiederauftreten der Dyskinesie abwarten, bevor sie Deutetrabenazin verabreichen, um das Risiko einer Überdosierung sowie eines starken Abbaus von Serotonin und Noradrenalin im zentralen Nervensystem zu verringern.
Monoaminoxidase(MAO)-Hemmer
Deutetrabenazin darf nicht in Kombination mit einem MAO-Hemmer (z. B. Moclobemid, Tranylcypromin, Isocarboxazid, Selegilin, Rasagilin, Safinamid, Linezolid) angewendet werden (siehe Abschnitt 4.3). Nach dem Absetzen eines MAO-Hemmers müssen mindestens 14 Tage vergehen, bevor mit Deutetrabenazin begonnen werden kann.
Andere VMAT2-inhibitoren
Deutetrabenazin darf nicht bei Patienten angewendet werden, die derzeit andere VMAT2-Inhibitoren (z. B. Tetrabenazin) einnehmen (siehe Abschnitt 4.3). Deutetrabenazin kann am Tag nach dem Absetzen von Tetrabenazin in einer Dosis begonnen werden, die etwa der Hälfte der Tetrabenazin- Tagesdosis entspricht.
Arzneimittel, die bekanntermaßen die dopaminerge Übertragung verringern
Das Risiko für Parkinsonismus, MNS und Akathisie kann durch die gleichzeitige Anwendung von Arzneimitteln, die die dopaminerge Übertragung verringern (z. B. Haloperidol, Chlorpromazin, Metoclopramid, Ziprasidon, Promazin), erhöht sein, daher ist Vorsicht geboten (siehe Abschnitt 4.4).
Arzneimittel, die bekanntermaßen das QTc-Intervall verlängern
Deutetrabenazin kann das QTc-Intervall verlängern. Deutetrabenazin ist in Kombination mit anderen Arzneimitteln, die das QTc-Intervall verlängern (siehe Abschnitt 4.4), mit Vorsicht anzuwenden.
Beispiele für Arzneimittel, die das QTc-Intervall verlängern, sind: Antiarrhythmika der Klasse IA (z. B. Chinidin, Disopyramid) und der Klasse III (z. B. Amiodaron, Sotalol), Antipsychotika (z. B.
Phenothiazinderivate, Pimozid, Haloperidol, Droperidol, Ziprasidon), trizyklische Antidepressiva (z. B. Amitriptylin), selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (z. B. Citalopram, Escitalopram), antimikrobielle Mittel (z. B. Fluorchinolone, Triazol-Derivate [z. B. Voriconazol], Erythromycin i.v., Pentamidin, Antimalariamittel) und Antihistaminika (z. B. Hydroxyzin, Mizolastin).
Alkohol oder andere sedierende Produkte
Die gleichzeitige Einnahme von Alkohol oder anderen sedierenden Produkten wird nicht empfohlen, da diese additive Wirkungen haben und die Sedierung und Somnolenz verstärken können (siehe Abschnitt 4.4). Beispiele für sedierende Produkte sind Benzodiazepine (z. B. Midazolam, Diazepam, Lorazepam), Antidepressiva (z. B. Mirtazapin, Amitriptylin, Trazodon), Antipsychotika (z. B.
Promethazin, Chlorprothixen), Opioide (z. B. Oxycodon, Buprenorphin), Antihistaminika (z. B.
Diphenhydramin, Dimenhydrinat) und zentral wirksame Antihypertensiva (z. B. Clonidin, Moxonidin).
Starke CYP2D6-Inhibitoren
Die gleichzeitige Anwendung von starken CYP2D6-Inhibitoren wie Chinidin (Antiarrhythmikum und Antimalariamittel) und Paroxetin, Fluoxetin und Bupropion (Antidepressiva) erhöht nachweislich die systemische Exposition gegenüber den aktiven Dihydro-Metaboliten von Deutetrabenazin. In Gegenwart eines starken CYP2D6-Inhibitors (Paroxetin) stieg die systemische Exposition der einzelnen aktiven Metaboliten an; im Falle des deuterierten α-Dihydrotetrabenazin [HTBZ] um das 1,9-fache und im Falle des deuterierten β-HTBZ um das 6,5-fache, was insgesamt zu einem 3-fachen Anstieg der aktiven Metaboliten, dem deuterierten Gesamt-(α + β)-HTBZ, führte (siehe Abschnitt 5.2). Eine Verringerung der Deutetrabenazin-Dosis kann erforderlich sein, wenn ein starker CYP2D6-Inhibitor bei Patienten hinzukommt, die eine konstante Deutetrabenazin-Dosis erhalten. Die Tagesdosis von Deutetrabenazin sollte bei Patienten, die starke CYP2D6-Inhibitoren einnehmen, 36 mg nicht überschreiten (siehe Abschnitt 4.2).
Levodopa und andere dopaminerge Arzneimittel
Levodopa und andere dopaminerge Arzneimittel (z. B. Pramipexol, Ropinirol) können die Wirkung von Deutetrabenazin verringern. Vorsicht ist geboten, wenn Deutetrabenazin zusammen mit Levodopa und anderen dopaminergen Arzneimitteln angewendet wird.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Bisher liegen nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Deutetrabenazin bei Schwangeren vor.
Es liegen keine ausreichenden tierexperimentellen Studien in Bezug auf eine Reproduktionstoxizität vor (siehe Abschnitt 5.3).
Die Anwendung von Austedo während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Deutetrabenazin oder seine Metabolite in die Muttermilch übergeht. Ein Risiko für das Neugeborene/Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Es muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung mit Austedo verzichtet werden soll / die Behandlung mit Austedo zu unterbrechen ist. Dabei ist sowohl der Nutzen des Stillens für das Kind als auch der Nutzen der Therapie für die Frau zu berücksichtigen.
Fertilität
Die Auswirkungen von Deutetrabenazin auf die Fertilität bei Mensch und Tier wurden nicht untersucht. Die orale Anwendung von Deutetrabenazin bei weiblichen Ratten führte zu einer Störung des Östruszyklus (siehe Abschnitt 5.3). In Tierversuchen mit Tetrabenazin wurde eine Verlängerung des weiblichen Zyklus und eine Verzögerung der Fertilität beobachtet.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen
Deutetrabenazin hat mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Deutetrabenazin kann Somnolenz verursachen, daher sind Patienten, die mit Deutetrabenazin behandelt werden, darauf hinzuweisen, kein Fahrzeug zu führen oder gefährliche Maschinen zu bedienen, bis sie in Erhaltungstherapie sind und wissen, wie das Arzneimittel auf sie wirkt (siehe Abschnitt 4.4).
4.9 Überdosierung
Es liegen nur begrenzte Erfahrungen mit höheren Dosen als der empfohlenen Tageshöchstdosis von 48 mg vor. Es sind vereinzelte Fälle einer Deutetrabenazin-Überdosierung (bis zu 240 mg pro Tag)
aus Berichten nach der Markteinführung und aus der Literatur bekannt. Zu den am häufigsten beobachteten Symptomen gehörten Somnolenz, Bewegungszunahme, Ermüdung, Agitiertheit und Unruhe, Schlaflosigkeit und Suizidgedanken. Ein weiterer in der Literatur beschriebener Fall betraf einen Patienten, der 720 mg einnahm und eine toxische Enzephalopathie, Dyskinesie und psychomotorische Hyperaktivität entwickelte.
Treten Symptome auf, die auf eine Überdosierung hindeuten, wird empfohlen, die Patienten auf Anzeichen oder Symptome von unerwünschten Ereignissen zu überwachen und gegebenenfalls eine angemessene symptomatische Behandlung einzuleiten. Die mögliche Beteiligung anderer Arzneimittel ist stets zu prüfen.
Ein spezielles Antidot ist nicht bekannt. Eine forcierte Diurese und Dialyse sind wahrscheinlich nicht von Nutzen.
5.
PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Andere Mittel für das Nervensystem, ATC-Code: N07XX16.
Wirkungsmechanismus
Deutetrabenazin und die zirkulierenden Hauptmetaboliten (deuteriertes α-HTBZ und deuteriertes β-HTBZ) sind reversible VMAT2-Inhibitoren, was zu einer verringerten Aufnahme von Monoaminen in die synaptischen Vesikel und einer Entleerung der Monoaminspeicher in dopaminergen Regionen (z. B. Striatum und Kortex) des Gehirns führt (siehe Abschnitt 5.2 „Verteilung“). Der genaue Wirkmechanismus von Deutetrabenazin bei der Behandlung von tardiven Dyskinesien ist zwar nicht bekannt, es wird allerdings angenommen, dass er mit seiner Bewirkung einer Depletion der Monoamine (wie unter Dopamin, Serotonin, Noradrenalin und Histamin) aus den Nervenendigungen zusammenhängt.
Pharmakodynamische Wirkungen
Kardiale Elektrophysiologie
In der empfohlenen Höchstdosis verlängert Deutetrabenazin das QTc-Intervall nicht in einem klinisch relevanten Ausmaß. Eine Expositions-Wirkungs-Analyse zur QTc-Verlängerung aus einer Studie, die an extensiven, intermediären und langsamen CYP2D6-Metabolisern durchgeführt wurde, zeigte, dass ein klinisch relevanter Effekt bei Expositionen von Tagesdosen zu 24 und 48 mg Deutetrabenazin ausgeschlossen werden kann.
Klinische Wirksamkeit und Sicherheit
Die Wirksamkeit von Deutetrabenazin wurde in zwei 12-wöchigen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studien bei erwachsenen Patienten mit tardiven Dyskinesien untersucht, die Symptome aufwiesen, die für diese Patienten belastend waren oder funktionelle Beeinträchtigungen verursachten (n = 335). In diese Studien wurden Patienten eingeschlossen, die mäßige oder schwere abnorme Bewegungen auf der Grundlage von Item 8 der Abnormal Involuntary Movement Scale (AIMS) und einen motorischen AIMS-Gesamtscore von ≥ 6 (basierend auf Items 1 bis 7) aufwiesen.
Die teilnehmenden Patienten nahmen seit mindestens 3 Monaten (bzw. 1 Monat bei Patienten ab 60 Jahren) einen Dopaminrezeptor-Antagonisten (DRA, z. B. Antipsychotika, Metoclopramid) ein, waren psychiatrisch stabil und hatten seit mindestens 30 Tagen (45 Tage bei Antidepressiva) keine Änderung bei ihren Psychopharmaka. Zu den komorbiden Hintergrunderkrankungen gehörten Schizophrenie/schizoaffektive Störung (n = 207, 62 %), affektive Störung (n = 112, 33 %), Sonstige (neurologische, psychiatrische und gastrointestinale Erkrankungen; n = 15, 4 %) und fehlende Angaben (n = 1, < 1 %).
Die gleichzeitige DRA-Anwendung bestand wie folgt: 75,5 % der Patienten erhielten eine konstante DRA-Dosis, während 24,5 % zu Beginn der Studie keinen DRA erhielten. Der primäre
Wirksamkeitsendpunkt in den Studien war der AIMS-Gesamtscore (die Summe aus den Items 1 bis 7 mit einem Wertebereich von 0 bis 28).
Studie mit fester Dosierung (AIM-TD – Studie 1)
Auszug – vollständiger Text im Originaldokument. Originaldokument (PDF, EMA)
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Nach oraler Verabreichung wird Deutetrabenazin in der Leber schnell und umfassend zu seinen aktiven Metaboliten deuteriertes α-HTBZ und deuteriertes β-HTBZ verstoffwechselt, was zu niedrigen Plasmakonzentrationen von Deutetrabenazin im Vergleich zu denen der aktiven Metaboliten führt.
Resorption
Nach oraler Verabreichung wird Deutetrabenazin zu mindestens 80 % resorbiert.
Spitzenplasmakonzentrationen von Deutetrabenazin und seinen aktiven Metaboliten (deuteriertes α-HTBZ und deuteriertes β-HTBZ) werden innerhalb von 3 Stunden nach wiederholter Verabreichung erreicht, gefolgt von anhaltenden Plateaus über mehrere Stunden, die ein 24-stündiges Dosierungsintervall ermöglichen. Die Resorption wird nicht beeinflusst durch Nahrungsaufnahme.
Verteilung
Die Proteinbindung von Deutetrabenazin, deuteriertem α-HTBZ und deuteriertem β-HTBZ in menschlichem Plasma beträgt 82 %, 57 % bzw. 49 %, wobei keine präferenzielle Bindung der
Gesamtradioaktivität an die zellulären Bestandteile des menschlichen Blutes nach Verabreichung von 14C-Deutetrabenazin vorliegt.
Die einmalige orale Gabe von 14C-Deutetrabenazin oder 14C-Tetrabenazin an Ratten führte in einer quantitativen Studie mit Ganzkörper-Autoradiographie zu ähnlichen Verhältnissen in Blut und Gehirn.
Die Ergebnisse von PET-Scan-Studien am Menschen zeigen, dass sich die Radioaktivität nach intravenöser Injektion von 11C-Tetrabenazin oder α-HTBZ rasch im Gehirn verteilt, wobei die höchste Bindung im Striatum und die geringste im Kortex auftritt. Mit Deutetrabenazin wurden keine PET-Scan-Studien am Menschen durchgeführt.
Auf der Grundlage populationspharmakokinetischer Modelle beträgt das scheinbare
Verteilungsvolumen (Vc/F) nach oraler Gabe für Deutetrabenazin, deuteriertes α-HTBZ und deuteriertes β-HTBZ 13 700 l, 490 l bzw. 860 l.
Biotransformation
Auszug – vollständiger Text im Originaldokument. Originaldokument (PDF, EMA)
Stand der Information: Ausführliche Informationen zu diesem Arzneimittel sind auf den Internetseiten der Europäischen Arzneimittel-Agentur https://www.ema.europa.eu verfügbar.
Quelle: Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Produktinformation. Keine Werbung, keine Therapieempfehlung. Bei Fragen zur eigenen Behandlung: Ärztin, Arzt oder Apotheke.