Gicht

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Ein 56-jähriger Mann hat innerhalb der letzten 12 Monate den dritten akuten Gichtanfall im Großzehengrundgelenk erlitten; der aktuelle Anfall ist unter Colchicin abgeklungen. Tophi bestehen nicht. Serumharnsäure 9,4 mg/dl, eGFR 78 ml/min/1,73 m². Nach ausführlicher Aufklärung wünscht er eine Behandlung, die weiteren Anfällen vorbeugt.

Welches Vorgehen entspricht am ehesten der S3-Leitlinie Gicht?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: D. Beginn eines Xanthinoxidasehemmers (z. B. Allopurinol) mit Zielwert der Serumharnsäure < 6 mg/dl

Bei mehr als einem Gichtanfall pro Jahr (hier drei in 12 Monaten), bei einschränkenden Anfällen oder bei tophöser Gicht soll laut S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Gicht (AWMF 060-005) eine harnsäuresenkende Therapie mit einem Xanthinoxidasehemmer begonnen werden. Unter dieser Therapie soll eine Serumharnsäure < 6 mg/dl (360 µmol/l) erreicht werden. Ziel ist, die im Gewebe abgelagerten Uratkristalle – Ursache von Rezidiven und Komplikationen – abzubauen; die Allopurinoldosis wird dazu bis zum Erreichen des Zielwertes gesteigert. Ein Zielwert < 8 mg/dl entspricht nicht der Leitlinienempfehlung. Die DEGAM vertritt in einem Sondervotum ein stärker individualisiertes Vorgehen ohne grundsätzliche Treat-to-Target-Strategie. Unabhängig davon gilt: Medikamente, die die Harnsäure erhöhen – insbesondere Schleifen- und Thiaziddiuretika –, sollen nur unter strenger Indikation eingesetzt werden.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Keine harnsäuresenkende Therapie, da diese erst beim Auftreten von Tophi indiziert istFalsch: Tophi sind nicht Voraussetzung; bereits > 1 Anfall pro Jahr ist eine Indikation zur Harnsäuresenkung.
  • B. Allopurinol nur während akuter Anfälle einnehmen und danach wieder absetzenFalsch: Eine harnsäuresenkende Therapie ist eine Dauertherapie; intermittierende Einnahme senkt die Kristalllast nicht.
  • C. Beginn einer Therapie mit Hydrochlorothiazid zur Steigerung der HarnsäureausscheidungFalsch: Thiazide erhöhen die Serumharnsäure und sollen bei Gicht nur unter strenger Indikationsstellung eingesetzt werden.
  • D. Beginn eines Xanthinoxidasehemmers (z. B. Allopurinol) mit Zielwert der Serumharnsäure < 6 mg/dlRichtig: Bei > 1 Anfall pro Jahr wird ein Xanthinoxidasehemmer begonnen und eine Serumharnsäure < 6 mg/dl angestrebt.
  • E. Beginn eines Xanthinoxidasehemmers mit Zielwert der Serumharnsäure < 8 mg/dlFalsch: Ein Zielwert < 8 mg/dl ist zu hoch; die Leitlinie fordert unter Xanthinoxidasehemmer-Therapie < 6 mg/dl (360 µmol/l).

Merke

Gicht mit > 1 Anfall pro Jahr, einschränkenden Anfällen oder Tophi: Xanthinoxidasehemmer mit Zielwert der Serumharnsäure < 6 mg/dl (360 µmol/l).

Aus der Quelle

„Bei Patienten mit diagnostizierter Gicht unter XOI-Therapie sollte ein Serumharnsäurewert von < 6 mg/dl (360 µmol/l) erreicht werden.“

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) et al. S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Gicht, AWMF-Register-Nr. 060-005, Version 2.1, 2025.

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