Lithiumintoxikation
SIP · KPJ · M2Schwierigkeit: leichtZuletzt aktualisiert:
Eine 63-jährige Patientin mit bipolarer Störung nimmt seit Jahren Lithium; die Spiegel lagen bisher stabil um 0,7 mmol/l. Wegen Gonarthroseschmerzen nimmt sie seit 10 Tagen rezeptfrei Ibuprofen 400 mg dreimal täglich; während einer Hitzewelle hat sie zudem wenig getrunken. Ihr Sohn bringt sie in die Notaufnahme: grobschlägiger Tremor, Gangataxie, verwaschene Sprache, zunehmende Verwirrtheit, seit 2 Tagen Durchfall.
Labor: Lithium 2,2 mmol/l, Kreatinin 1,7 mg/dl (Vorwert 0,9 mg/dl), Natrium 141 mmol/l.
Welche Aussage erklärt die Situation am besten?
Lösung und Erklärung
Richtige Antwort: B. Lithiumintoxikation, begünstigt durch NSAR-bedingt verminderte renale Lithiumausscheidung und Volumenmangel
Der Lithiumspiegel von 2,2 mmol/l liegt weit über dem Zielbereich (NICE: 0,6–0,8 mmol/l, in ausgewählten Fällen 0,8–1,0 mmol/l). Tremor, Ataxie, Dysarthrie und Verwirrtheit sind typische Zeichen der Lithium-Neurotoxizität, die NICE ausdrücklich als Warnsymptome nennt. Zwei klassische Auslöser kommen zusammen: NSAR wie Ibuprofen vermindern die renale Lithiumausscheidung, und Flüssigkeitsmangel durch Hitze und Durchfall verstärkt die Kumulation. Der Kreatininanstieg zeigt die eingeschränkte Nierenfunktion an, die Lithium weiter kumulieren lässt. NICE empfiehlt deshalb, Patientinnen und Patienten unter Lithium vor rezeptfreien NSAR zu warnen und bei Durchfall, Erbrechen oder akuter Erkrankung ärztliche Hilfe zu suchen sowie auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Therapeutisch werden Lithium und NSAR abgesetzt, Volumen ersetzt und Spiegel sowie Nierenfunktion engmaschig kontrolliert; bei schwerer Intoxikation wird eine Hämodialyse erwogen. Eine Manie passt weder zum Bild noch zum hohen Spiegel.
Die Antwortoptionen im Einzelnen
- A. Serotonin-Syndrom durch die Kombination von Lithium mit IbuprofenFalsch: Ibuprofen ist nicht serotonerg. Es fehlen außerdem Klonus, Hyperthermie und autonome Übererregung als Leitbefunde.
- B. Lithiumintoxikation, begünstigt durch NSAR-bedingt verminderte renale Lithiumausscheidung und VolumenmangelRichtig: Der Spiegel ist deutlich erhöht, es bestehen neurotoxische Symptome, und NSAR sowie Volumenmangel sind typische Auslöser.
- C. Akute manische Episode infolge eines zu niedrigen LithiumspiegelsFalsch: Der Spiegel ist nicht zu niedrig, sondern toxisch hoch, und die Symptome sind neurologisch, nicht manisch.
- D. Lithiuminduzierte Hypothyreose mit Myxödem-EnzephalopathieFalsch: Lithium kann eine Hypothyreose verursachen, diese entwickelt sich aber langsam und erklärt weder den hohen Spiegel noch das akute Bild.
- E. Wernicke-Enzephalopathie bei ThiaminmangelFalsch: Es gibt keinen Hinweis auf Alkoholabusus oder Mangelernährung. Der Lithiumspiegel erklärt die Symptome hinreichend.
Merke
Rezeptfreie NSAR und Volumenmangel (Hitze, Durchfall) sind klassische Auslöser einer Lithiumintoxikation mit Tremor, Ataxie und Verwirrtheit.
Aus der Quelle
„Warn people taking lithium not to take over‑the‑counter non‑steroidal anti‑inflammatory drugs and avoid prescribing these drugs for people with bipolar disorder if possible“