Unipolare Depression
M2Schwierigkeit: mittelZuletzt aktualisiert:
Eine 29-jährige Lehrerin stellt sich in der Hausarztpraxis vor. Seit etwa 3 Wochen ist sie fast täglich niedergeschlagen und hat das Interesse an ihren Hobbys verloren. Zusätzlich schläft sie schlecht ein und kann sich schlechter konzentrieren. Sie geht weiterhin arbeiten und bewältigt ihren Alltag mit etwas Mühe. Suizidgedanken verneint sie glaubhaft. Frühere depressive Episoden, manische Phasen oder ein Substanzkonsum bestehen nicht. Körperliche Untersuchung, Blutbild und TSH sind unauffällig. Sie wünscht sich Unterstützung.
Welche Erstbehandlung ist laut NVL Unipolare Depression am ehesten angezeigt?
Lösung und Erklärung
Richtige Antwort: B. Eine niedrigintensive Intervention, z. B. angeleitete Selbsthilfe oder ein internetbasiertes Programm
Zwei Hauptsymptome (gedrückte Stimmung, Interessenverlust) und zwei Zusatzsymptome (Schlaf- und Konzentrationsstörung) über mehr als 2 Wochen bei erhaltener Funktionsfähigkeit entsprechen einer leichten depressiven Episode (ICD-10 F32.0). Laut NVL Unipolare Depression (Version 3.2, 2022) sollen bei leichter Episode zunächst Maßnahmen mit niedriger Intensität angeboten werden, etwa angeleitete Selbsthilfe oder gesprächsbasierte Interventionen unter Nutzung psychotherapeutischer Techniken. Auch internet- und mobilbasierte Interventionen sollen angeboten werden, eingebettet in ein Gesamtkonzept. Antidepressiva sollten bei leichten Episoden nicht vor einer niedrigintensiven Intervention zur Erstbehandlung eingesetzt werden; sie kommen erst infrage, wenn die Symptomatik fortbesteht oder die Patientin früher gut darauf angesprochen hat. Benzodiazepine und Z-Substanzen sollen bei leichten depressiven Episoden nicht eingesetzt werden. Eine stationäre Behandlung ist ohne akute Suizidalität oder schwere Symptomatik nicht indiziert.
Die Antwortoptionen im Einzelnen
- A. Beginn einer Therapie mit Escitalopram 10 mg/TagFalsch: Antidepressiva sollten bei leichter Episode nicht vor einer niedrigintensiven Intervention zur Erstbehandlung eingesetzt werden.
- B. Eine niedrigintensive Intervention, z. B. angeleitete Selbsthilfe oder ein internetbasiertes ProgrammRichtig: Bei leichter depressiver Episode sollen zunächst niedrigintensive Maßnahmen angeboten werden, z. B. angeleitete Selbsthilfe oder internetbasierte Programme.
- C. Lorazepam 1 mg zur Nacht für 4 Wochen gegen die SchlafstörungFalsch: Benzodiazepine und Z-Substanzen sollen bei leichten depressiven Episoden nicht eingesetzt werden (Gewöhnung, kein anhaltender antidepressiver Effekt).
- D. Stationäre Aufnahme in eine psychiatrische KlinikFalsch: Ohne akute Suizidalität und bei erhaltener Funktionsfähigkeit gibt es keine Indikation für eine stationäre Aufnahme.
- E. Rezidivprophylaxe mit LithiumFalsch: Lithium dient der Augmentation bei Therapieresistenz oder der Rezidivprophylaxe, nicht der Erstbehandlung einer ersten leichten Episode.
Merke
Bei leichter depressiver Episode beginnt man mit niedrigintensiven Maßnahmen wie angeleiteter Selbsthilfe, nicht mit Antidepressiva oder Benzodiazepinen.
Aus der Quelle
„Bei einer leichten depressiven Episode sollen Maßnahmen mit niedriger Intensität (angeleitete Selbsthilfe, gesprächsbasierte Interventionen unter Nutzung psychotherapeutischer Techniken) angeboten werden.“