Metamizol / Agranulozytose

M2Schwierigkeit: mittelZuletzt aktualisiert:

Ein 63-jähriger Mann nimmt seit einer Knie-TEP vor 3 Wochen Metamizol 500 mg 4 × täglich gegen Schmerzen ein. Er hat Metamizol schon früher mehrfach problemlos vertragen. Jetzt stellt er sich mit Fieber von 39,2 °C, Schüttelfrost, starken Halsschmerzen und schmerzhaften Ulzerationen der Mundschleimhaut vor. Das Operationsgebiet ist reizlos.

Welches Vorgehen ist am ehesten angezeigt?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: B. Metamizol sofort absetzen und umgehend ein Blutbild mit Differenzialblutbild bestimmen

Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen und schmerzhafte Schleimhautläsionen unter Metamizol sind Warnsymptome einer Agranulozytose. Diese seltene, aber potenziell tödliche Nebenwirkung ist laut EMA-Bewertung (2024) nicht dosisabhängig. Sie kann jederzeit während der Behandlung oder kurz danach auftreten, auch bei Patienten, die Metamizol früher problemlos vertragen haben. Bei solchen Symptomen muss sofort ein Blutbild einschließlich Differenzierung der Leukozyten bestimmt werden. Metamizol ist bis zum Vorliegen des Ergebnisses abzusetzen. Ärzte müssen Patienten darüber aufklären, das Medikament bei diesen Symptomen zu stoppen und sofort ärztliche Hilfe zu suchen. Weil Metamizol selbst fiebersenkend wirkt, können Frühsymptome maskiert werden; dasselbe gilt bei gleichzeitiger Antibiotikatherapie. Bestätigt sich eine Agranulozytose, ist Metamizol (wie auch andere Pyrazolone/Pyrazolidine) künftig kontraindiziert.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Metamizol auf 1.000 mg 4 × täglich erhöhen, um das Fieber zu senkenFalsch: Die Symptome können eine Agranulozytose anzeigen; weiteres Metamizol wäre gefährlich. Die Fiebersenkung würde Warnzeichen zudem maskieren.
  • B. Metamizol sofort absetzen und umgehend ein Blutbild mit Differenzialblutbild bestimmenRichtig: Bei Agranulozytose-Symptomen muss sofort ein Blutbild mit Leukozytendifferenzierung erfolgen, und Metamizol muss bis zum Ergebnis abgesetzt werden.
  • C. Penicillin V gegen eine vermutete Streptokokken-Angina; Metamizol unverändert weiterFalsch: Ohne Blutbild wird eine mögliche Agranulozytose übersehen, und ein Antibiotikum kann deren Symptome zusätzlich maskieren.
  • D. Metamizol weiter, da eine Agranulozytose bei dieser niedrigen Dosis und nach früher guter Verträglichkeit ausgeschlossen istFalsch: Die Agranulozytose ist nicht dosisabhängig und tritt auch nach früher problemloser Einnahme auf.
  • E. Ibuprofen zusätzlich und Kontrolle in einer WocheFalsch: Abwarten verzögert die Diagnose einer potenziell lebensbedrohlichen Agranulozytose.

Merke

Fieber, Halsschmerzen oder Schleimhautulzera unter Metamizol: sofort absetzen und ein Differenzialblutbild bestimmen. Die Agranulozytose ist dosisunabhängig.

Aus der Quelle

„If patients develop symptoms of agranulocytosis, a test to measure their levels of blood cells, including the levels of different types of white blood cells, must be done immediately. Treatment must be stopped while awaiting the results.“

Quellen

  1. European Medicines Agency. Measures to minimise serious outcomes of known side effect with painkiller metamizole (Art.-107i-Referral), EMA/407900/2024, 06.12.2024.

Originale Übungsfragen, von Medelix auf Grundlage der zitierten Quellen verfasst — keine offiziellen oder ehemaligen Prüfungsfragen (IMPP, MedUni, ÖÄK o. a.). Nur zu Lernzwecken; ersetzt keine ärztliche Beurteilung. So entstehen unsere Prüfungsfragen.