Fieberkrampf
SIP · Allgemeinmedizin · M2 · M3Schwierigkeit: leichtZuletzt aktualisiert:
Ein 18 Monate alter Bub wird von seinen Eltern in die Kinderambulanz gebracht. Seit dem Morgen hat er Schnupfen und Fieber bis 39,5 °C. Vor einer Stunde hatte er erstmals einen generalisierten tonisch-klonischen Krampfanfall, der nach etwa 2 Minuten spontan endete. Seither kein weiterer Anfall. Er ist altersentsprechend nach dem Impfplan Österreich geimpft (inkl. 6-fach- und Pneumokokken-Impfung), hat keine Vorerkrankungen und keine Antibiotika erhalten. Jetzt ist er wach, spielt, trinkt, hat keine Meningismuszeichen und einen unauffälligen neurologischen Status; Rhinitis und gerötete Rachenhinterwand.
Welches Vorgehen ist am sinnvollsten?
Lösung und Erklärung
Richtige Antwort: D. Keine weitere neurodiagnostische Abklärung; Fieberursache klinisch beurteilen und Eltern aufklären
Es handelt sich um einen einfachen Fieberkrampf: Alter 6–60 Monate, Fieber ≥ 38 °C, generalisierter Anfall unter 15 Minuten, keine Wiederholung innerhalb von 24 Stunden und rasche vollständige Erholung. Gemäß AAP-Leitlinie 2011 und weiteren Leitlinien ist bei den meisten Kindern mit einfachem Fieberkrampf keine neurodiagnostische Abklärung (Lumbalpunktion, Blutuntersuchungen, EEG, Bildgebung) indiziert. Eine Lumbalpunktion ist angezeigt bei Verdacht auf ZNS-Infektion (Meningismus, anhaltende Bewusstseinsstörung über 30 Minuten, vorgewölbte Fontanelle) und kann erwogen werden bei unvollständigem Hib-/Pneumokokken-Impfstatus oder antibiotischer Vorbehandlung – beides liegt hier nicht vor. Blutuntersuchungen sind nur bei anhaltendem Anfall trotz Benzodiazepin, prolongierter Bewusstseinsstörung, schlechtem Allgemeinzustand oder Exsikkose sinnvoll. Das EEG sagt das spätere Epilepsierisiko nicht voraus, Bildgebung ist nicht empfohlen. Wichtig sind die Suche nach dem Fieberfokus und die Aufklärung der Eltern.
Die Antwortoptionen im Einzelnen
- A. Lumbalpunktion zum Ausschluss einer MeningitisFalsch: Ohne klinische Hinweise auf ZNS-Infektion, bei vollständigem Impfstatus und ohne Antibiotika-Vorbehandlung ist keine Lumbalpunktion indiziert.
- B. EEG innerhalb der nächsten 24 Stunden zur Abschätzung des EpilepsierisikosFalsch: Das EEG hilft nicht, die spätere Epilepsieentwicklung nach einfachem Fieberkrampf vorherzusagen.
- C. Schädel-MRT zum Ausschluss einer strukturellen UrsacheFalsch: Bildgebung wird beim einfachen Fieberkrampf nicht empfohlen.
- D. Keine weitere neurodiagnostische Abklärung; Fieberursache klinisch beurteilen und Eltern aufklärenRichtig: Beim einfachen Fieberkrampf ist keine neurodiagnostische Routineabklärung nötig; Fokussuche und Elternaufklärung stehen im Vordergrund.
- E. Routinemäßig Blutbild, Elektrolyte und Glukose und Beginn einer antikonvulsiven DauertherapieFalsch: Labor ist nur bei besonderen Konstellationen (z. B. Exsikkose, prolongierte Bewusstseinsstörung) sinnvoll; eine Dauertherapie ist nicht indiziert.
Merke
Beim einfachen Fieberkrampf eines gesunden, geimpften Kleinkindes sind Lumbalpunktion, Labor, EEG und Bildgebung routinemäßig nicht indiziert.
Aus der Quelle
„A neurodiagnostic evaluation (lumbar puncture, blood tests, electroencephalography, and neuroimaging) is not indicated in most patients with simple febrile seizures.“
Quellen
- Kim SS. Lumbar puncture or not: when does febrile seizure require a neurodiagnostic evaluation? Clin Exp Pediatr 2023;66(2):68–69 (basierend auf AAP-Leitlinie 2011).
- American Academy of Pediatrics, Subcommittee on Febrile Seizures. Febrile seizures: guideline for the neurodiagnostic evaluation of the child with a simple febrile seizure. Pediatrics 2011;127:389–394 (Originalleitlinie).