Akute infektiöse Gastroenteritis

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Ein 16 Monate altes Mädchen wird in der Kindernotaufnahme vorgestellt. Seit gestern hatte es 8 wässrige, nicht blutige Durchfälle und hat 4-mal nicht gallig erbrochen; der ältere Bruder hatte vor 3 Tagen ähnliche Beschwerden. Das Körpergewicht beträgt 10,0 kg (vor 1 Woche beim Kinderarzt 10,5 kg). Das Kind ist wach und weinerlich, die Schleimhäute sind trocken, Tränen vermindert, die Rekapillarisierungszeit beträgt 2 Sekunden, Herzfrequenz 135/min. Das Abdomen ist weich, Hinweise auf einen Ileus bestehen nicht. Zwischen dem Erbrechen trinkt das Kind kleine Schlucke.

Welche Maßnahme ist am ehesten indiziert?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: D. Orale Rehydration mit einer oralen Rehydrationslösung in kleinen Portionen (z. B. 5 ml alle 1–2 Minuten per Löffel oder Spritze)

Das Kleinkind hat eine akute infektiöse Gastroenteritis mit leichter bis mäßiger Dehydration (Gewichtsverlust 0,5 kg = 5 %, trockene Schleimhäute, verminderte Tränen) ohne Schockzeichen, Vigilanzminderung oder Ileus. Nach der S2k-Leitlinie Akute infektiöse Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter (Update 2024) soll auch bei Dehydration mit Erbrechen eine orale Rehydration versucht werden; die Zufuhr von 5 ml ORL alle 1–2 Minuten mittels Löffel oder Spritze ist meist effektiv. Die enterale Rehydration sollte mit 40–50 ml/kg über 4 Stunden erfolgen; gelingt sie oral nicht, sollte eine nasogastrale Sonde gelegt werden. Eine intravenöse Rehydration ist u. a. bei Scheitern der enteralen Rehydration, Schock, schwerer Dehydration > 10 %, galligem Erbrechen oder Vigilanzminderung indiziert – Erbrechen allein ist keine Indikation. Loperamid soll bei Säuglingen und Kindern wegen des schlechten Sicherheitsprofils nicht eingesetzt werden. Die Realimentation mit normaler Kost soll möglichst frühzeitig beginnen, und Antibiotika sind nur in spezifischen Situationen bzw. bei bestimmten Erregern indiziert.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Sofortige intravenöse Rehydration, da das Kind erbrichtFalsch: Erbrechen allein ist keine Indikation zur i.v.-Therapie; bei leichter bis mäßiger Dehydration soll zunächst oral rehydriert werden.
  • B. Loperamid zur Reduktion der StuhlfrequenzFalsch: Loperamid soll bei AGE im Säuglings- und Kindesalter wegen des schlechten Sicherheitsprofils nicht eingesetzt werden.
  • C. Nahrungskarenz für 24 Stunden, danach langsamer KostaufbauFalsch: Die Realimentation mit altersentsprechender Kost soll möglichst frühzeitig (während oder nach den ersten 4–6 Stunden der Rehydration) beginnen.
  • D. Orale Rehydration mit einer oralen Rehydrationslösung in kleinen Portionen (z. B. 5 ml alle 1–2 Minuten per Löffel oder Spritze)Richtig: Auch bei Erbrechen soll oral rehydriert werden; 5 ml ORL alle 1–2 Minuten per Löffel oder Spritze sind meist effektiv.
  • E. Empirische Antibiotikatherapie mit AzithromycinFalsch: Eine Antibiose ist bei AGE nur in spezifischen Situationen (z. B. schwere Campylobacter-Kolitis, Salmonellen bei Risikopatienten) indiziert.

Merke

Kindliche Gastroenteritis mit leichter bis mäßiger Dehydration: orale Rehydration in kleinen, häufigen Portionen – auch bei Erbrechen – und frühe Realimentation.

Aus der Quelle

„Bei Dehydration mit Erbrechen soll eine orale Rehydration dennoch versucht werden. Eine Zufuhr von 5 ml einer oralen Rehydrationslösung (ORL) alle 1-2 Minuten mittels Löffel oder Spritze, idealerweise durch eine Bezugsperson, ist meist effektiv.“

Quellen

  1. S2k-Leitlinie Akute infektiöse Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter – Update 2024, Version 4.1, Juni 2024 (AWMF 068-003), federführend GPGE.

Originale Übungsfragen, von Medelix auf Grundlage der zitierten Quellen verfasst — keine offiziellen oder ehemaligen Prüfungsfragen (IMPP, MedUni, ÖÄK o. a.). Nur zu Lernzwecken; ersetzt keine ärztliche Beurteilung. So entstehen unsere Prüfungsfragen.