Maligne Hyperthermie

SIP · KPJ · M2Schwierigkeit: mittelZuletzt aktualisiert:

Ein 22-jähriger Mann erhält eine Allgemeinanästhesie für eine Kreuzbandplastik (Einleitung mit Propofol und Succinylcholin, Aufrechterhaltung mit Sevofluran). Nach 40 Minuten steigt das endtidale CO₂ trotz Erhöhung des Atemminutenvolumens von 38 auf 75 mmHg, die Herzfrequenz auf 145/min; die Körpertemperatur steigt rasch auf 39,2 °C, die Muskulatur ist rigide. Arterielle BGA: pH 7,12, pCO₂ 82 mmHg, Kalium 6,1 mmol/l.

Welche Maßnahme ist jetzt vorrangig?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: C. Volatiles Anästhetikum sofort beenden, mit 100 % O₂ hyperventilieren und Dantrolen 2,5 mg/kg i.v. geben

Unerklärlicher Anstieg des endtidalen CO₂ trotz gesteigerter Ventilation, Tachykardie, Rigor, rasch steigende Temperatur, kombinierte Azidose und Hyperkaliämie nach Exposition gegenüber Triggersubstanzen (volatile Anästhetika, Succinylcholin) sind typisch für eine maligne Hyperthermie (MH), eine pharmakogenetische Störung des Skelettmuskels (meist RYR1). Die entscheidenden Maßnahmen sind die sofortige Beendigung der Triggersubstanzen, Hyperventilation mit 100 % Sauerstoff und die Gabe von Dantrolen 2,5 mg/kg i.v., bei Bedarf wiederholt, bis sich Hyperkapnie und Tachykardie zurückbilden. Dantrolen ist das einzige spezifische Antidot. Ergänzend: aktive Kühlung, Therapie der Hyperkaliämie nach Standard, Intensivüberwachung (Rhabdomyolyse, Rezidivgefahr). Calciumantagonisten wie Verapamil sollen zusammen mit Dantrolen nicht eingesetzt werden, da Hyperkaliämie und ausgeprägte Hypotonie drohen. Magenspülung und Blasenspülung zur Kühlung sind kontraindiziert.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Wechsel von Sevofluran auf Desfluran und Gabe von Paracetamol i.v.Falsch: Desfluran ist ebenfalls ein MH-Trigger; Paracetamol behandelt die Hypermetabolie nicht.
  • B. Verapamil i.v. zur Frequenzkontrolle und OberflächenkühlungFalsch: Calciumantagonisten sind mit Dantrolen kontraindiziert (Hyperkaliämie, ausgeprägte Hypotonie); Kühlung allein reicht nicht.
  • C. Volatiles Anästhetikum sofort beenden, mit 100 % O₂ hyperventilieren und Dantrolen 2,5 mg/kg i.v. gebenRichtig: Trigger stoppen, Hyperventilation mit 100 % O₂ und Dantrolen 2,5 mg/kg i.v. (wiederholbar) sind die Kernmaßnahmen.
  • D. Nachrelaxierung mit Succinylcholin zur Behandlung der MuskelrigiditätFalsch: Succinylcholin ist selbst ein MH-Trigger und würde die Krise verstärken.
  • E. Operation beenden und den Patienten zur Beobachtung auf die Normalstation verlegenFalsch: Eine MH-Krise ist lebensbedrohlich und erfordert sofortige Therapie und Intensivüberwachung.

Merke

Bei Verdacht auf maligne Hyperthermie: Trigger sofort stoppen, mit 100 % O₂ hyperventilieren und Dantrolen 2,5 mg/kg i.v. geben, bei Bedarf wiederholen.

Aus der Quelle

„The essential points in the treatment of an acute MH crisis are the immediate discontinuation of trigger agents, hyperventilation, administration of dantrolene in doses of 2.5 mg/kg repeated pro re nata to limit MH“

Quellen

  1. Rosenberg H, Pollock N, Schiemann A, Bulger T, Stowell K. Malignant hyperthermia: a review. Orphanet J Rare Dis 2015;10:93.

Originale Übungsfragen, von Medelix auf Grundlage der zitierten Quellen verfasst — keine offiziellen oder ehemaligen Prüfungsfragen (IMPP, MedUni, ÖÄK o. a.). Nur zu Lernzwecken; ersetzt keine ärztliche Beurteilung. So entstehen unsere Prüfungsfragen.