Guillain-Barré-Syndrom
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Eine 34-jährige Frau hatte vor 2 Wochen eine Campylobacter-Enteritis. Seit 6 Tagen bemerkt sie zunehmende Kribbelparästhesien an Füßen und Händen sowie eine aufsteigende, symmetrische Schwäche der Beine. Inzwischen kann sie nur noch etwa 3 m mit Unterstützung gehen. Die Muskeleigenreflexe sind an Armen und Beinen erloschen. Liquor: 2 Zellen/µl, Gesamteiweiß 1.200 mg/l (Referenz < 450 mg/l). Die Vitalkapazität ist mit 2,8 l stabil, es bestehen keine Schluckstörungen.
Welche Therapie ist am ehesten indiziert?
Lösung und Erklärung
Richtige Antwort: B. Intravenöse Immunglobuline 0,4 g/kg KG/Tag über 5 Tage
Aufsteigende symmetrische Paresen mit Areflexie nach einer Campylobacter-Infektion und eine zytoalbuminäre Dissoziation im Liquor (normale Zellzahl, deutlich erhöhtes Eiweiß) sprechen für ein Guillain-Barré-Syndrom. Mit einer selbstständigen Gehstrecke unter 5 m liegt ein mäßig schwerer bis schwerer Verlauf vor. Laut DGN-Leitlinie 2026 besteht dann innerhalb der ersten 4 Wochen eine Indikation für IVIg oder Plasmapherese; beide Verfahren gelten als gleichwertig. Die Standarddosis für IVIg beträgt 0,4 g/kg KG an 5 aufeinanderfolgenden Tagen (alternativ 1 g/kg KG an 2 Tagen); vorher sollen Kontraindikationen, Nierenfunktion und ausreichende Hydrierung geprüft werden. Glukokortikoide sind beim GBS nicht wirksam, sollen nicht gegeben werden und behindern möglicherweise die Erholung. Für andere Immunsuppressiva oder monoklonale Antikörper wie Eculizumab gibt es keine Wirksamkeitsbelege. Wegen der Gefahr einer respiratorischen Insuffizienz und autonomer Herzrhythmusstörungen gehört die Patientin in eine Klinik mit Intensivüberwachung; die Vitalkapazität wird regelmäßig kontrolliert.
Die Antwortoptionen im Einzelnen
- A. Methylprednisolon 1 g/Tag i.v. über 5 TageFalsch: Glukokortikoide sind beim GBS unwirksam, sollen nicht gegeben werden und behindern möglicherweise die Erholung.
- B. Intravenöse Immunglobuline 0,4 g/kg KG/Tag über 5 TageRichtig: Bei einer Gehstrecke < 5 m ist IVIg (0,4 g/kg KG/d über 5 Tage) oder alternativ eine Plasmapherese indiziert.
- C. Abwartendes Verhalten mit Physiotherapie, da sich das Krankheitsbild meist spontan zurückbildetFalsch: Abwarten ist allenfalls bei leichtem GBS mit erhaltener Gehfähigkeit vertretbar; hier liegt ein mäßig schwerer Verlauf vor.
- D. Pyridostigmin p.o.Falsch: Pyridostigmin ist ein Cholinesterasehemmer für die Myasthenia gravis, nicht für eine demyelinisierende Polyradikuloneuritis.
- E. Eculizumab i.v.Falsch: Für Eculizumab gibt es beim GBS keine Belege für eine Wirksamkeit; es ist keine Standardtherapie.
Merke
Beim mäßig schweren bis schweren GBS (Gehstrecke < 5 m) gibt man IVIg oder macht eine Plasmapherese – Kortikosteroide sind unwirksam.
Aus der Quelle
„Eine Indikation für IVIg oder Plasmapherese (Tab. 1) besteht bei mäßig schwerem bis schwerem Verlauf (unabhängige Gehstrecke < 5 m, rasche Progression, deutliche respiratorische oder bulbäre Symptome) eines GBS nach maximaler Krankheitsdauer von 4 Wochen.“