Norovirus / Krankenhaushygiene

M2Schwierigkeit: mittelZuletzt aktualisiert:

Auf einer internistischen Station entwickelt ein 81-jähriger Patient im Zweibettzimmer nachts plötzlich schwallartiges Erbrechen und wässrige Durchfälle. Am Vortag waren bei zwei Patienten im Nachbarzimmer ähnliche Symptome aufgetreten. Fieber besteht nicht, eine Antibiotikatherapie erhielt der Patient nicht. Die Stuhlprobe zur Erregerdiagnostik ist abgenommen, das Ergebnis steht noch aus.

Welche Hygienemaßnahme ist am ehesten angemessen?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: C. Einzelzimmer mit eigener Toilette, Schutzkittel und Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz wegen des Erbrechens sowie Händedesinfektion mit einem viruziden Präparat

Plötzliches Erbrechen und Durchfall bei mehreren Patienten derselben Station sprechen für einen nosokomialen Norovirus-Ausbruch. Noroviren sind hochinfektiös, umweltstabil und werden über Stuhl und Erbrochenes ausgeschieden; die Übertragung erfolgt durch Schmierinfektion, aber auch durch virushaltige Aerosole nach Erbrechen. Laut S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen (DGVS 2023) sind bereits bei Verdacht besondere Hygienemaßnahmen notwendig: Einzelzimmerunterbringung mit eigener Nasszelle (bei Ausbrüchen ggf. Kohortenisolierung), eigene Toilette, Schutzkittel und Handschuhe bei direktem Patientenkontakt, Mund-Nasen-Schutz bei Erbrechen, patientenbezogene Geräte und ein viruzides Händedesinfektionsmittel. Die Kontaktisolierung sollte bis 48 Stunden nach Sistieren der klinischen Symptomatik aufrechterhalten werden – nicht bis zu einer negativen Kontroll-PCR, zumal Noroviren noch 7–14 Tage ausgeschieden werden können. Ein Abwarten des Erregernachweises gefährdet weitere Patienten und das Personal.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Beibehaltung der Standardhygiene bis zum Vorliegen eines positiven ErregernachweisesFalsch: Die besonderen Hygienemaßnahmen sind bereits bei Verdacht auf eine Norovirus-Infektion notwendig, nicht erst nach Erregernachweis.
  • B. Händewaschen mit Seife anstelle jeder Händedesinfektion, da alkoholische Präparate gegen Noroviren grundsätzlich unwirksam sindFalsch: Die Leitlinie fordert ein viruzides Händedesinfektionsmittel; Händedesinfektion ist bei Noroviren nicht verzichtbar.
  • C. Einzelzimmer mit eigener Toilette, Schutzkittel und Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz wegen des Erbrechens sowie Händedesinfektion mit einem viruziden PräparatRichtig: Bei Verdacht auf Norovirus sind Einzelzimmer, eigene Toilette, Kittel/Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz bei Erbrechen und viruzide Händedesinfektion angezeigt.
  • D. Kontaktisolierung bis zum Nachweis einer negativen Kontroll-PCR im StuhlFalsch: Die Kontaktisolierung sollte bis 48 Stunden nach Sistieren der Symptome erfolgen; eine negative Kontroll-PCR ist nicht das Kriterium.
  • E. Kein Mund-Nasen-Schutz erforderlich, da Noroviren ausschließlich fäkal-oral übertragen werdenFalsch: Noroviren können auch über virushaltige Aerosole nach Erbrechen übertragen werden; bei Erbrechen soll ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

Merke

Norovirus-Verdacht im Krankenhaus: sofort Kontaktisolierung mit eigener Toilette, Kittel, Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz bei Erbrechen und viruzide Händedesinfektion – bis 48 h nach Symptomende.

Aus der Quelle

„Die Diagnostik ist insbesondere aus krankenhaushygienischen Gründen notwendig, da bei Verdacht auf Norovirus-Infektion bzw. bei bestätigtem Virusnachweis besondere Hygienemaßnahmen (z. B. Einzelzimmerunterbringung, Tragen eines Mundschutzes, viruzides Händedesinfektionsmittel) notwendig sind.“

Quellen

  1. Addo MM, Lohse AW, Stallmach A et al. Aktualisierung S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen der DGVS, Version 2.1, November 2023 (AWMF 021-024). Z Gastroenterol 2024;62:1090–1149. doi:10.1055/a-2240-1428

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