STEMI – Reperfusionsstrategie

SIP · KPJ · M2 · M3Schwierigkeit: mittelZuletzt aktualisiert:

Ein 61-jähriger Mann in einem abgelegenen Alpental wird wegen seit 80 Minuten bestehender retrosternaler Schmerzen vom Notarzt versorgt. Das 12-Kanal-EKG zeigt ST-Hebungen von 3 mm in II, III und aVF. RR 128/78 mmHg, HF 72/min, keine Kontraindikationen gegen eine Fibrinolyse. Wegen der Wetterlage ist kein Hubschraubertransport möglich; die Leitstelle rechnet bis zur möglichen Intervention im nächsten PCI-Zentrum mit mindestens 150 Minuten.

Welche Reperfusionsstrategie ist am ehesten indiziert?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: B. Fibrinolyse (z. B. Tenecteplase) noch prähospital, danach Transfer in ein PCI-Zentrum mit Koronarangiographie innerhalb von 2–24 Stunden

Bei einem STEMI ist die primäre PCI die bevorzugte Reperfusionsstrategie – allerdings nur, wenn sie innerhalb von 120 Minuten nach Diagnosestellung erfolgen kann. Ist das nicht realistisch (hier ≥ 150 Minuten wegen Transportproblemen, wie es in ländlichen Regionen Österreichs vorkommt), soll innerhalb von 12 Stunden nach Symptombeginn eine Fibrinolyse erfolgen, idealerweise schon prähospital und so früh wie möglich nach der Diagnose. Anschließend wird der Patient in ein PCI-Zentrum verlegt: Nach erfolgreicher Lyse ist eine Koronarangiographie mit PCI des Infarktgefäßes zwischen 2 und 24 Stunden vorgesehen (pharmakoinvasive Strategie), bei fehlenden Reperfusionszeichen eine sofortige Rescue-PCI. Auf Troponinwerte wird beim STEMI nicht gewartet, und eine rein konservative Therapie mit elektiver Angiographie wäre eine verpasste Reperfusion.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Direkter Transport zur primären PCI, unabhängig von der zu erwartenden ZeitverzögerungFalsch. Die primäre PCI ist nur dann vorzuziehen, wenn sie innerhalb von 120 Minuten nach Diagnosestellung erfolgen kann.
  • B. Fibrinolyse (z. B. Tenecteplase) noch prähospital, danach Transfer in ein PCI-Zentrum mit Koronarangiographie innerhalb von 2–24 StundenRichtig. Ist eine primäre PCI nicht innerhalb von 120 Minuten möglich, ist die Fibrinolyse indiziert, gefolgt von einer pharmakoinvasiven Strategie (Angiographie 2–24 h nach erfolgreicher Lyse).
  • C. Aufnahme im nächstgelegenen Krankenhaus ohne Katheterlabor; Reperfusion erst nach Bestätigung eines TroponinanstiegsFalsch. Beim STEMI wird die Reperfusionsentscheidung anhand von Klinik und EKG getroffen – auf Troponin wird nicht gewartet.
  • D. Nur Acetylsalicylsäure und Heparin, elektive Koronarangiographie in den nächsten TagenFalsch. Ein STEMI innerhalb von 12 Stunden nach Symptombeginn erfordert eine sofortige Reperfusion.
  • E. Fibrinolyse nur, wenn die Symptomdauer bereits mehr als 12 Stunden beträgtFalsch. Umgekehrt: Die Fibrinolyse ist innerhalb von 12 Stunden nach Symptombeginn indiziert, ihr Nutzen nimmt mit der Zeit ab.

Merke

STEMI: primäre PCI nur, wenn sie innerhalb von 120 min möglich ist – sonst Fibrinolyse (≤ 12 h nach Symptombeginn) und Angiographie nach 2–24 h.

Aus der Quelle

„Patients with ST-elevation myocardial infarction (STEMI) require primary percutaneous coronary intervention (PPCI) (or fibrinolysis if PPCI within 120 min is not feasible)“

Quellen

  1. Byrne RA, Rossello X, Coughlan JJ, et al. 2023 ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes. Eur Heart J 2023;44:3720–3826.

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