Lyme-Borreliose – Erythema migrans
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Eine 34-jährige Frau stellt sich im Juli in der Hausarztpraxis vor. Vor etwa 10 Tagen hat sie nach einer Wanderung eine Zecke aus der linken Kniekehle entfernt. Seit 4 Tagen breitet sich dort eine scharf begrenzte, randbetonte Rötung mit zentraler Abblassung aus, aktuell 8 cm im Durchmesser. Sie hat kein Fieber, keine weiteren Hautveränderungen und keine Gelenk- oder neurologischen Beschwerden. Eine Schwangerschaft ist ausgeschlossen.
Welches Vorgehen ist am ehesten angezeigt?
Lösung und Erklärung
Richtige Antwort: E. Sofortige Therapie mit Doxycyclin 200 mg/d p.o. über 10–14 Tage ohne weitere Labordiagnostik
Eine sich nach Zeckenstich zentrifugal ausbreitende, randbetonte Rötung mit zentraler Abblassung von mehr als 5 cm Durchmesser ist ein typisches Erythema migrans, die häufigste Manifestation der Lyme-Borreliose. Die Diagnose wird klinisch gestellt. Laut S2k-Leitlinie Kutane Lyme-Borreliose soll bei typischem Erythema migrans keine weitere Labordiagnostik (Serologie, Kultur, PCR) erfolgen, und die Antibiotikatherapie soll sofort beginnen. Die Serologie kann in der Frühphase noch negativ sein (seronegatives Erythema migrans), sodass ein negativer Befund die Diagnose nicht ausschließt und die Therapie nur verzögern würde. Für ein solitäres Erythema migrans werden bei Erwachsenen Doxycyclin 2 × 100 mg oder 1 × 200 mg p.o. für 10–14 Tage empfohlen; Alternativen sind Amoxicillin oder Cefuroximaxetil (14 Tage) sowie Azithromycin (5–10 Tage). Bei Schwangeren und jüngeren Kindern wird statt Doxycyclin z. B. Amoxicillin gegeben.
Die Antwortoptionen im Einzelnen
- A. Borrelien-Serologie (ELISA und Immunoblot) und Antibiotikatherapie nur bei positivem BefundFalsch: Bei typischem Erythema migrans soll keine Serologie erfolgen; Antikörper können in der Frühphase noch fehlen, und die Therapie würde unnötig verzögert.
- B. Abwarten und Wiedervorstellung, falls die Rötung nach 4 Wochen noch bestehtFalsch: Das typische Erythema migrans soll sofort antibiotisch behandelt werden, um eine Dissemination zu verhindern.
- C. Hautbiopsie mit PCR auf Borrelia burgdorferi vor TherapiebeginnFalsch: Ein molekularbiologischer Direktnachweis bleibt unklaren Hautbefunden vorbehalten; beim typischen Erythema migrans soll er nicht erfolgen.
- D. Ceftriaxon 2 g/d i.v. über 21 TageFalsch: Intravenöses Ceftriaxon ist bei lokalisiertem Erythema migrans nicht nötig; die orale Therapie ist ausreichend.
- E. Sofortige Therapie mit Doxycyclin 200 mg/d p.o. über 10–14 Tage ohne weitere LabordiagnostikRichtig: Typisches Erythema migrans wird klinisch diagnostiziert und sofort, z. B. mit Doxycyclin für 10–14 Tage, behandelt.
Merke
Das typische Erythema migrans ist eine klinische Diagnose: keine Serologie, sofort oral behandeln (z. B. Doxycyclin 10–14 Tage).
Aus der Quelle
„Liegt ein typisches Erythema migrans vor (s. Kapitel Klinische Manifestationen), soll keine weitere labordiagnostische Absicherung (serologisch, kulturell, molekularbiologisch) erfolgen.“