Eisenmangelanämie
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Ein 66-jähriger Mann stellt sich wegen zunehmender Belastungsdyspnoe und Müdigkeit seit 3 Monaten vor. Er bemerkt keine Blutungen, nimmt keine Medikamente ein und ernährt sich ausgewogen.
Labor: Hb 9,8 g/dl, MCV 73 fl, Ferritin 7 µg/l, CRP und Kreatinin normal. Urinstatus unauffällig. Ein Test auf okkultes Blut im Stuhl ist negativ.
Welches ist der sinnvollste nächste Schritt?
Lösung und Erklärung
Richtige Antwort: B. Gastroskopie und Koloskopie
Mikrozytäre Anämie mit einem Ferritin von 7 µg/l bei normalem CRP beweist einen Eisenmangel (Serumferritin < 15 µg/l gilt als beweisend). Damit ist die Diagnose gesichert – entscheidend ist jetzt die Ursache. Bei einem Mann ohne Menstruationsblutung, ohne erkennbare Blutungsquelle und mit ausgewogener Ernährung ist ein chronischer gastrointestinaler Blutverlust die wichtigste Ursache, einschließlich eines kolorektalen oder Magenkarzinoms. Ein negativer Test auf okkultes Blut schließt dies nicht aus: Etwa bei der Hälfte der Patienten mit Kolonkarzinom ist der Test negativ. Die DGHO-Leitlinie (Onkopedia) fordert daher immer eine endoskopische Abklärung mittels Gastroskopie und Koloskopie, wenn keine andere eindeutige Ursache des Eisenmangels vorliegt. Bleibt diese unauffällig und besteht weiter Verdacht, wird der Dünndarm untersucht (z. B. Kapselendoskopie). Die Eisensubstitution erfolgt parallel, ersetzt aber nicht die Ursachensuche.
Die Antwortoptionen im Einzelnen
- A. Orale Eisensubstitution ohne weitere Diagnostik, da der Test auf okkultes Blut negativ istFalsch: Ein negativer Test auf okkultes Blut schließt eine gastrointestinale Blutungsquelle nicht aus (bei etwa der Hälfte der Kolonkarzinome negativ).
- B. Gastroskopie und KoloskopieRichtig: Ohne andere eindeutige Ursache muss ein Eisenmangel endoskopisch mittels Gastroskopie und Koloskopie abgeklärt werden.
- C. Knochenmarkpunktion zur Beurteilung des SpeichereisensFalsch: Der Eisenmangel ist durch das erniedrigte Ferritin bei normalem CRP bereits gesichert; eine invasive Knochenmarkdiagnostik ist nicht nötig.
- D. Hämoglobin-Elektrophorese zum Ausschluss einer ThalassämieFalsch: Bei Thalassämie ist das Ferritin normal oder erhöht; das sehr niedrige Ferritin belegt einen Eisenmangel.
- E. Bestimmung des löslichen Transferrinrezeptors zur Sicherung des EisenmangelsFalsch: Der Eisenmangel ist bereits gesichert; ein zusätzlicher Laborparameter klärt nicht die Blutungsursache.
Merke
Ein gesicherter Eisenmangel ohne eindeutige Ursache – besonders bei Männern und postmenopausalen Frauen – erfordert Gastroskopie und Koloskopie, auch bei negativem Test auf okkultes Blut.
Aus der Quelle
„Daher muss zum Ausschluss einer chronischen gastrointestinalen Blutung immer eine endoskopische Abklärung mittels Gastroskopie und Koloskopie erfolgen, wenn keine andere eindeutige Ursache des Eisenmangels vorliegt.“