Präeklampsie / Magnesiumsulfat

M2Schwierigkeit: mittelZuletzt aktualisiert:

Eine 29-jährige Schwangere in der 33+2 SSW wird wegen schwerer Präeklampsie (Blutdruck 168/112 mmHg, Proteinurie, persistierende frontale Kopfschmerzen) stationär aufgenommen. Sie erhält Magnesiumsulfat i.v. (4 g Bolus, danach 2 g/h) sowie Nifedipin. Zehn Stunden später ist sie somnolent, die Atemfrequenz beträgt 9/min, die SpO₂ 91 % unter Raumluft. Die Patellarsehnenreflexe sind beidseits nicht auslösbar, die Urinausscheidung lag in den letzten 4 Stunden bei 15 ml/h.

Welche Maßnahme ist jetzt am ehesten indiziert?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: D. Sofortiger Stopp der Magnesiumsulfat-Infusion und Calciumgluconat 1 g (10 ml einer 10%igen Lösung) i.v.

Areflexie, Bradypnoe, Sauerstoffsättigungsabfall und Somnolenz unter laufender Magnesiumsulfat-Therapie sprechen für eine Magnesiumintoxikation; die Oligurie (< 25 ml/h) erhöht das Risiko, da Magnesium renal eliminiert wird. Die S2k-Leitlinie Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (2024) fordert, unter Magnesium Reflexstatus, Atemfrequenz und Nierenfunktion zu überwachen; der Patellarsehnenreflex sollte auslösbar sein. Bei Ateminsuffizienz ist Magnesiumsulfat unverzüglich zu stoppen und Calciumgluconat 1 g (10 ml einer 10%igen Lösung) als Antidot zu geben; in Intubation und Atemunterstützung erfahrenes Personal ist hinzuzuziehen. Ein Absetzen ist laut Leitlinie insbesondere bei SpO₂ < 96 %, Atemfrequenz < 12/min oder Oligo-/Anurie sinnvoll – alle drei Kriterien sind hier erfüllt. Eine Dosissteigerung würde die Intoxikation verstärken; Diazepam verschlechtert die Atemdepression zusätzlich. Naloxon antagonisiert Opioide, nicht Magnesium.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Steigerung der Magnesiumsulfat-Erhaltungsdosis auf 3 g/h zur KrampfprophylaxeFalsch: Die Patientin zeigt Zeichen der Magnesiumüberdosierung; eine Dosissteigerung wäre lebensgefährlich.
  • B. Diazepam 10 mg i.v.Falsch: Es liegt kein Krampfanfall vor; ein Benzodiazepin würde die Atemdepression weiter verstärken.
  • C. Furosemid 20 mg i.v. unter Fortführung der Magnesiumsulfat-InfusionFalsch: Bei Ateminsuffizienz muss Magnesiumsulfat sofort gestoppt werden; Furosemid behebt die akute Atemdepression nicht.
  • D. Sofortiger Stopp der Magnesiumsulfat-Infusion und Calciumgluconat 1 g (10 ml einer 10%igen Lösung) i.v.Richtig: Bei Ateminsuffizienz unter Magnesium: Infusion stoppen, Calciumgluconat 1 g (10 ml 10 %) i.v. und atemwegserfahrenes Personal hinzuziehen.
  • E. Naloxon 0,4 mg i.v.Falsch: Naloxon ist ein Opioidantagonist und wirkt nicht gegen eine Magnesiumintoxikation.

Merke

Magnesiumintoxikation (Areflexie, Atemdepression, Oligurie): Magnesiumsulfat sofort stoppen und Calciumgluconat 1 g i.v. geben.

Aus der Quelle

„Bei Ateminsuffizienz ist Magnesiumsulfat unverzüglich zu stoppen, Calciumgluconat 1g entsprechend 10ml einer 10%igen Lösung zu applizieren und in der Intubation und Atemunterstützung erfahrenes Personal hinzuzuziehen.“

Quellen

  1. Pecks U et al. S2k-Leitlinie Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES): Diagnostik und Therapie, Version 7.0, 2024 (AWMF 015-018), DGGG/OEGGG/SGGG.

Originale Übungsfragen, von Medelix auf Grundlage der zitierten Quellen verfasst — keine offiziellen oder ehemaligen Prüfungsfragen (IMPP, MedUni, ÖÄK o. a.). Nur zu Lernzwecken; ersetzt keine ärztliche Beurteilung. So entstehen unsere Prüfungsfragen.