Postpartale Blutung

SIP · KPJ · M2 · M3Schwierigkeit: schwerZuletzt aktualisiert:

Eine 31-jährige Frau mit Präeklampsie (antihypertensiv eingestellt, RR aktuell 158/102 mmHg) wird vaginal entbunden. Zur Prophylaxe erhielt sie nach der Geburt Oxytocin. Die Plazenta ist vollständig, Geburtsverletzungen sind versorgt. 20 Minuten später blutet sie stark; geschätzter Blutverlust 1.100 ml, der Uterus ist weich und hochstehend. Hilfe ist gerufen, die Harnblase entleert, Uterusmassage und i.v. Flüssigkeit sind begonnen.

Welche der folgenden Maßnahmen ist bei dieser Patientin laut der D-A-CH-Leitlinie Peripartale Blutungen kontraindiziert?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: B. Methylergometrin i.v.

Es liegt eine primäre postpartale Blutung bei Uterusatonie vor. Die D-A-CH-S2k-Leitlinie Peripartale Blutungen (AWMF 015-063, 2022; unter Beteiligung der OEGGG und SGGG) nennt für Methylergometrin als wichtige Kontraindikationen Bluthochdruck sowie den Zustand postpartal nach Präeklampsie/Eklampsie – beides trifft hier zu. Bei Schwangeren mit Hypertonie oder Präeklampsie wurden nach i.v. Gabe hypertensive Krisen beschrieben, außerdem Koronarspasmen, Rhythmusstörungen und Myokardinfarkte. Die Leitlinie empfiehlt deshalb grundsätzlich, Methylergometrin in der Therapie der PPH nicht mehr einzusetzen (Empfehlung 6.E3). First-line ist Oxytocin (maximal 6–10 IE als Kurzinfusion, z. B. 3–5 IE, dann 10–40 IE in 500–1000 ml als Dauertropfinfusion). Tranexamsäure 1 g i.v. soll mit der Diagnose PPH ohne vorherige Gerinnungsanalyse gegeben werden. Bei Nichtansprechen auf First-line-Uterotonika empfiehlt die Leitlinie Sulproston i.v. (Kontraindikation: bestehende kardiovaskuläre Risikofaktoren, daher hier sorgfältig abwägen). Bimanuelle Kompression und Uterustamponade sind mechanische Maßnahmen ohne blutdrucksteigernde Wirkung.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Oxytocin 3–5 IE als Kurzinfusion, gefolgt von einer Oxytocin-DauertropfinfusionFalsch: Oxytocin ist laut Leitlinie First-line-Therapie der PPH (maximal 6–10 IE als Kurzinfusion, danach Dauertropfinfusion); Präeklampsie ist keine Kontraindikation.
  • B. Methylergometrin i.v.Richtig: Bluthochdruck und der Zustand postpartal nach Präeklampsie/Eklampsie sind wichtige Kontraindikationen für Methylergometrin; die Leitlinie rät zudem generell von seinem Einsatz bei PPH ab.
  • C. Tranexamsäure 1 g i.v. ohne vorherige GerinnungsanalyseFalsch: Tranexamsäure 1 g i.v. soll mit Diagnose der PPH zeitgleich mit den Uterotonika gegeben werden, ohne vorgängige Gerinnungsanalyse.
  • D. Bimanuelle Uteruskompression (Hamilton-Handgriff)Falsch: Die bimanuelle Uteruskompression (z. B. Hamilton-Handgriff) ist eine empfohlene Sofortmaßnahme bei Atonie und hat keine blutdrucksteigernde Wirkung.
  • E. Uterine Ballontamponade, falls die Blutung trotz Uterotonika anhältFalsch: Die Uterustamponade ist eine Second-line-Maßnahme, die laut Leitlinie die Rate an Notfallhysterektomien senken kann; sie ist bei Präeklampsie nicht kontraindiziert.

Merke

Methylergometrin ist bei Hypertonie und nach Präeklampsie/Eklampsie kontraindiziert; die D-A-CH-Leitlinie rät bei PPH generell davon ab – bei Oxytocin-Versagen ist Sulproston i.v. das empfohlene Prostaglandin.

Aus der Quelle

„Wichtige Kontraindikationen: Bluthochdruck, postpartal nach Präeklampsie/Eklampsie, ischämische Gefäßerkrankungen, schwere Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Sepsis“

Quellen

  1. S2k-Leitlinie Peripartale Blutungen, Diagnostik und Therapie (DGGG, OEGGG, SGGG), AWMF-Registernr. 015-063, Version 2022, Kap. 6.1.4 Methylergometrin.

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