Postpartale Blutung
M2Schwierigkeit: schwerZuletzt aktualisiert:
Eine 33-jährige Zweitpara hat vor 20 Minuten spontan ein 3800 g schweres Kind geboren. Die Plazenta ist vollständig, Geburtsverletzungen wurden ausgeschlossen bzw. versorgt. Der geschätzte Blutverlust beträgt inzwischen 1100 ml; der Uterus ist weich und steht über Nabelhöhe. Die Harnblase wurde entleert, der Uterus wird massiert. Die Patientin hat bereits Oxytocin 5 IE als Kurzinfusion und anschließend als Dauerinfusion sowie Tranexamsäure 1 g i.v. erhalten; die Blutung hält unvermindert an. Blutdruck 100/60 mmHg, Herzfrequenz 112/min. Eine Hypertonie, ein Asthma bronchiale oder kardiale Vorerkrankungen bestehen nicht.
Welche medikamentöse Maßnahme ist jetzt am ehesten angezeigt?
Lösung und Erklärung
Richtige Antwort: A. Umstellung auf Sulproston intravenös über Infusomat/Spritzenpumpe
Es liegt eine primäre postpartale Blutung durch Uterusatonie vor, die auf das First-line-Uterotonikum Oxytocin (plus Tranexamsäure) nicht anspricht. Die S2k-Leitlinie Peripartale Blutungen (2022) empfiehlt, bei Versagen bzw. Nichtansprechen von First-line-Uterotonika ohne zeitliche Verzögerung auf Prostaglandine umzustellen; empfohlen wird Sulproston wegen des guten Wirkprofils. Sulproston soll ausschließlich intravenös über Infusomat oder Spritzenpumpe gegeben werden; auf intramuskuläre oder intramyometrane Gabe soll wegen schlechter Steuerbarkeit verzichtet werden. Eine gleichzeitige Gabe von Oxytocin und Prostaglandinen sollte nicht erfolgen. Methylergometrin sollte wegen schwerer kardiovaskulärer Nebenwirkungen (Koronarspasmen, Myokardinfarkte) nicht mehr eingesetzt werden. Für Oxytocin dürfen insgesamt maximal 6–10 IE als Kurzinfusion gegeben werden; ein weiterer Bolus von 10 IE überschreitet dies und ist bei Bolusgabe hämodynamisch riskant. Misoprostol ist wegen des verzögerten Wirkeintritts nicht zur Therapie der anhaltenden PPH geeignet.
Die Antwortoptionen im Einzelnen
- A. Umstellung auf Sulproston intravenös über Infusomat/SpritzenpumpeRichtig: Bei Nichtansprechen auf Oxytocin soll ohne Verzögerung auf Prostaglandine umgestellt werden, empfohlen wird Sulproston i.v. per Infusomat/Spritzenpumpe.
- B. Methylergometrin 0,2 mg i.v.Falsch: Methylergometrin sollte wegen schwerer kardiovaskulärer Komplikationen und verfügbarer Alternativen bei PPH nicht mehr eingesetzt werden.
- C. Zusätzlicher Oxytocin-Bolus von 10 IE i.v.Falsch: Als Kurzinfusion sind insgesamt maximal 6–10 IE Oxytocin vorgesehen; ein weiterer 10-IE-Bolus ist hämodynamisch riskant und bei Oxytocin-Versagen nicht zielführend.
- D. Misoprostol 800 µg rektalFalsch: Misoprostol ist wegen des verzögerten Wirkeintritts nicht zur Therapie der anhaltenden PPH geeignet und dafür nicht zugelassen.
- E. Sulproston als intramyometrane InjektionFalsch: Sulproston soll ausschließlich intravenös gegeben werden; die intramyometrane Gabe ist schlecht steuerbar und soll unterbleiben.
Merke
Atonische PPH ohne Ansprechen auf Oxytocin: ohne Verzögerung Sulproston i.v. per Pumpe – kein Methylergometrin, kein Misoprostol bei anhaltender PPH.
Aus der Quelle
„Bei Versagen bzw. Nichtansprechen von First-line-Uterotonika soll ohne zeitliche Verzögerung auf Prostaglandine umgestellt werden. Empfohlen wird der Einsatz von Sulproston wegen des guten Wirkprofils und den relativ geringen Nebenwirkungen.“