Gestationsdiabetes

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Bei einer 31-jährigen Erstgravida wird in der 25+3 Schwangerschaftswoche ein 75-g-oraler Glukosetoleranztest durchgeführt (venöses Plasma, korrekte Präanalytik). Ergebnisse: nüchtern 88 mg/dl, nach 1 Stunde 186 mg/dl, nach 2 Stunden 141 mg/dl. Die Patientin ist beschwerdefrei, der BMI vor der Schwangerschaft betrug 27 kg/m².

Wie ist dieser Befund am ehesten zu bewerten?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: B. Gestationsdiabetes, da mindestens einer der drei Grenzwerte erreicht bzw. überschritten ist

Für die Bewertung des 75-g-oGTT werden in Deutschland entsprechend den Mutterschafts-Richtlinien die IADPSG-Grenzwerte im venösen Plasma verwendet: nüchtern ≥ 92 mg/dl (5,1 mmol/l), nach 1 Stunde ≥ 180 mg/dl (10,0 mmol/l), nach 2 Stunden ≥ 153 mg/dl (8,5 mmol/l). Laut S3-Leitlinie (Kurzfassung 2025) wird ein Gestationsdiabetes diagnostiziert, wenn mindestens einer der drei Grenzwerte erreicht oder überschritten wird. Bei dieser Patientin liegt der 1-Stunden-Wert mit 186 mg/dl über 180 mg/dl, damit ist die Diagnose gestellt; die übrigen Werte müssen nicht zusätzlich pathologisch sein. Ein manifester Diabetes würde z. B. einen Nüchternwert ≥ 126 mg/dl (bestätigt) oder einen 2-Stunden-Wert ≥ 200 mg/dl erfordern. Der 50-g-Suchtest ist ein vorgeschalteter Screeningschritt des zweizeitigen Verfahrens und dient nicht der Bestätigung eines pathologischen 75-g-oGTT. Hinweis: Die Leitlinie erwähnt, dass insbesondere der Nüchterngrenzwert in der laufenden Aktualisierung reevaluiert wird.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Kein Gestationsdiabetes, da Nüchtern- und 2-Stunden-Wert unauffällig sindFalsch: Ein einziger erreichter oder überschrittener Grenzwert genügt; der 1-h-Wert liegt mit 186 mg/dl über 180 mg/dl.
  • B. Gestationsdiabetes, da mindestens einer der drei Grenzwerte erreicht bzw. überschritten istRichtig: Nach IADPSG-Kriterien wird ein GDM diagnostiziert, wenn mindestens einer der Grenzwerte 92/180/153 mg/dl erreicht oder überschritten ist.
  • C. Grenzbefund; die Diagnose erfordert zwei pathologische Werte, daher Wiederholung des oGTT in 2 WochenFalsch: Zwei pathologische Werte sind nicht erforderlich; laut Leitlinie genügt das Erreichen oder Überschreiten eines der drei Grenzwerte.
  • D. Manifester Diabetes mellitusFalsch: Für einen manifesten Diabetes wären z. B. ein bestätigter Nüchternwert ≥ 126 mg/dl oder ein 2-h-Wert ≥ 200 mg/dl nötig.
  • E. Diagnose erst nach Bestätigung durch einen 50-g-Suchtest möglichFalsch: Der 50-g-Suchtest ist ein optionaler Vorschalttest; er wird nicht nach einem diagnostischen 75-g-oGTT zur Bestätigung durchgeführt.

Merke

75-g-oGTT in 24+0 bis 27+6 SSW: GDM bei ≥ 1 Wert ≥ 92 (nüchtern) / 180 (1 h) / 153 mg/dl (2 h).

Aus der Quelle

„Als diagnostische Grenzwerte werden entsprechend den Mutterschaftsrichtlinien einheitlich die IADPSG-Kriterien verwendet. Bei Erreichen oder Überschreiten von mindestens 1 der 3 Grenzwerte im venösen Plasma wird ein GDM diagnostiziert“

Quellen

  1. Schäfer-Graf UM, Laubner K, Hummel S et al. Gestationsdiabetes mellitus (GDM), Diagnostik, Therapie und Nachsorge – Kurzfassung der S3-Leitlinie (AWMF 057-008). Diabetologie 2025;21:455–466. doi:10.1007/s11428-025-01321-1

Originale Übungsfragen, von Medelix auf Grundlage der zitierten Quellen verfasst — keine offiziellen oder ehemaligen Prüfungsfragen (IMPP, MedUni, ÖÄK o. a.). Nur zu Lernzwecken; ersetzt keine ärztliche Beurteilung. So entstehen unsere Prüfungsfragen.