Obere gastrointestinale Blutung

SIP · KPJ · M2 · M3Schwierigkeit: leichtZuletzt aktualisiert:

Ein 49-jähriger Mann ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen kommt mit Teerstuhl seit dem Vortag in die Notaufnahme. Er nimmt seit 2 Wochen Ibuprofen wegen Rückenschmerzen ein. Nach 1 Liter balancierter Kristalloidlösung: RR 118/72 mmHg, HF 88/min. Hämoglobin 7,8 g/dl. Die Gastroskopie ist in den nächsten Stunden geplant.

Welche Transfusionsstrategie für Erythrozytenkonzentrate ist korrekt?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: E. Restriktive Strategie: derzeit keine Transfusion; Ziel-Hämoglobin 7–9 g/dl

Bei der nicht-varikösen oberen gastrointestinalen Blutung empfiehlt die ESGE-Leitlinie 2021 für kreislaufstabile Patienten ohne kardiovaskuläre Vorerkrankung eine restriktive Transfusionsstrategie: Erythrozytenkonzentrate erst ab einem Hb ≤ 7 g/dl, mit einem Ziel-Hämoglobin nach Transfusion von 7–9 g/dl. Dieser Patient ist nach Volumengabe stabil und hat ein Hb von 7,8 g/dl, daher ist derzeit keine Transfusion nötig; bei Abfall auf ≤ 7 g/dl oder hämodynamischer Instabilität wird neu entschieden. Bei Patienten mit akuter oder chronischer kardiovaskulärer Erkrankung gilt eine liberalere Schwelle (Transfusion ab ≤ 8 g/dl, Ziel ≥ 10 g/dl). Weitere Kernpunkte sind die hämodynamische Stabilisierung, ein Hochdosis-PPI und eine Endoskopie innerhalb von 24 Stunden. Die wahrscheinliche Ursache ist hier ein NSAR-assoziiertes Ulkus; Ibuprofen ist abzusetzen.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Sofortige Transfusion von 2 Erythrozytenkonzentraten, Ziel-Hb > 10 g/dlFalsch. Eine liberale Strategie bringt bei kreislaufstabilen Patienten ohne kardiale Vorerkrankung keinen Vorteil, verbraucht aber Blutprodukte und ist mit mehr Komplikationen verbunden.
  • B. Transfusion erst ab einem Hb unter 5 g/dlFalsch. Diese Schwelle ist zu niedrig; transfundiert wird, um das Hb im Bereich von 7–9 g/dl zu halten.
  • C. Transfusion, sobald das Hb unter 8 g/dl liegt, mit Ziel-Hb ≥ 12 g/dlFalsch. Ein Ziel ≥ 12 g/dl entspricht einer liberalen Strategie und wird nicht empfohlen.
  • D. Gefrorenes Frischplasma statt ErythrozytenkonzentratenFalsch. Ohne Gerinnungsstörung ist Plasma bei einer Ulkusblutung nicht indiziert und ersetzt keine Erythrozyten.
  • E. Restriktive Strategie: derzeit keine Transfusion; Ziel-Hämoglobin 7–9 g/dlRichtig. Die ESGE empfiehlt bei stabilen Patienten ohne kardiovaskuläre Erkrankung eine Transfusion erst ab Hb ≤ 7 g/dl, Ziel-Hb 7–9 g/dl.

Merke

Obere GI-Blutung ohne kardiale Vorerkrankung: restriktiv transfundieren, Ziel-Hb 7–9 g/dl.

Aus der Quelle

„ESGE recommends, in hemodynamically stable patients with acute UGIH and no history of cardiovascular disease, a restrictive red blood cell (RBC) transfusion strategy with a hemoglobin threshold of ≤ 7 g/dL prompting RBC transfusion.“

Quellen

  1. Gralnek IM, Stanley AJ, Morris AJ, et al. Endoscopic diagnosis and management of nonvariceal upper gastrointestinal hemorrhage (NVUGIH): European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Guideline – Update 2021. Endoscopy 2021;53:300–332.

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