MASLD – Fibrose-Risikostratifizierung

SIP · AllgemeinmedizinSchwierigkeit: mittelZuletzt aktualisiert:

Ein 58-jähriger Mann mit Typ-2-Diabetes (HbA1c 7,4 %) und Adipositas (BMI 33 kg/m²) hat sonographisch eine Steatosis hepatis. Alkoholkonsum: etwa ein Achtel Wein pro Woche. Labor: AST 46 U/l, ALT 50 U/l, Thrombozyten 190 G/l. Hepatitis-B- und -C-Serologie negativ. Der berechnete FIB-4-Score beträgt etwa 2,0.

Welcher nächste Schritt entspricht dem österreichischen MASLD-Konsensus (ÖGGH/ÖDG/ÖAG)?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: D. Messung der Lebersteifigkeit mittels Elastographie (z. B. VCTE) oder alternativ ELF-Test

Der österreichische MASLD-Konsensus empfiehlt eine Stufendiagnostik: Zuerst wird ein einfacher, frei verfügbarer Bluttest bestimmt – derzeit der FIB-4-Score (Alter × AST / [Thrombozyten × √ALT]). Hier: 58 × 46 / (190 × √50) ≈ 2668 / 1344 ≈ 2,0. Werte < 1,3 (bzw. < 2 bei über 65-Jährigen) schließen eine fortgeschrittene Fibrose aus; dann reichen Lebensstilmaßnahmen und Verlaufskontrollen. Bei diesem 58-Jährigen ist eine fortgeschrittene Fibrose nicht ausgeschlossen, daher folgt als zweiter Schritt eine Elastographie (VCTE oder Scherwellen-Elastographie) oder ein ELF-Test. Eine Lebersteifigkeit < 8 kPa schließt eine fortgeschrittene Fibrose aus, Werte ≥ 10 kPa sprechen für eine kompensierte fortgeschrittene chronische Lebererkrankung (cACLD) mit erhöhtem Risiko für leberbezogene Ereignisse. Typ-2-Diabetes und Adipositas sind wichtige Risikofaktoren, die eine konsequente Fibroseabklärung rechtfertigen.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Keine weitere Abklärung, FIB-4 in 3 Jahren wiederholenFalsch. Dieses Vorgehen ist nur bei FIB-4 < 1,3 (bzw. < 2 über 65 Jahre) angemessen.
  • B. Primär Leberbiopsie zur FibrosegraduierungFalsch. Die Stufendiagnostik setzt auf nichtinvasive Tests; eine Biopsie ist nicht der nächste Schritt.
  • C. Weitere Abklärung erst nach Normalisierung der Transaminasen durch GewichtsreduktionFalsch. Normale oder fallende Transaminasen schließen eine fortgeschrittene Fibrose nicht aus; die Risikostratifizierung soll jetzt erfolgen.
  • D. Messung der Lebersteifigkeit mittels Elastographie (z. B. VCTE) oder alternativ ELF-TestRichtig. Ein FIB-4 ≥ 1,3 (bei ≤ 65 Jahren) schließt eine fortgeschrittene Fibrose nicht aus; als zweiter Schritt folgt die Elastographie oder der ELF-Test.
  • E. Halbjährliche HCC-Surveillance mittels Sonographie beginnenFalsch. Eine HCC-Surveillance richtet sich nach dem Nachweis einer fortgeschrittenen Lebererkrankung, die noch nicht belegt ist.

Merke

MASLD: zuerst FIB-4; ist eine fortgeschrittene Fibrose damit nicht ausgeschlossen (≥ 1,3 bzw. ≥ 2 über 65 J.), folgt eine Elastographie oder ein ELF-Test.

Aus der Quelle

„applying a simple, nonproprietary blood-based NIT as first-line test (currently suggested: FIB-4) and, in case fibrosis cannot be ruled out, either elastography or ELF test“

Quellen

  1. Mandorfer M, Semmler G, Aigner E, et al. Austrian multisociety consensus on metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (ÖGGH, ÖDG, ÖAG). Wien Klin Wochenschr 2025;137(Suppl 10):307ff.

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