Eosinophile Ösophagitis

SIP · KPJ · FacharztSchwierigkeit: mittelZuletzt aktualisiert:

Ein 26-jähriger Mann mit allergischer Rhinitis wird nachts wegen einer Fleischbolus-Impaktion vorgestellt. Er berichtet über seit Jahren bestehende Schluckbeschwerden bei fester Kost. Bei der Notfall-Gastroskopie wird der Bolus entfernt; die Ösophagusschleimhaut zeigt Längsfurchen und konzentrische Ringe. Er nimmt keine Protonenpumpenhemmer ein.

Welches Vorgehen bei den Biopsien entspricht dem ÖGGH-Positionspapier?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: B. Mindestens sechs Biopsien: drei aus dem distalen und drei aus dem mittleren/proximalen Ösophagus

Die eosinophile Ösophagitis (EoE) ist heute die häufigste Ursache einer Bolusimpaktion bei jungen Erwachsenen; Atopie, langjährige Dysphagie sowie Furchen und Ringe sind typisch. Die Diagnose stützt sich auf Symptome einer ösophagealen Dysfunktion und den histologischen Nachweis von ≥ 15 Eosinophilen pro Hauptgesichtsfeld (eos/hpf). Weil die Eosinophilie fleckförmig verteilt ist, empfiehlt das österreichische ÖGGH-Positionspapier mindestens sechs Biopsien – drei aus dem distalen und drei aus dem mittleren/proximalen Ösophagus. Biopsien sollen schon bei der Endoskopie zur Bolusentfernung entnommen werden: Patienten ohne Biopsie gehen häufiger der Nachsorge verloren und erleiden öfter erneute Impaktionen. Bei vorbestehender PPI-Therapie sollte diese für eine diagnostische Endoskopie mindestens 3 Wochen pausiert werden. Erstlinientherapie zur Induktion sind topische, geschluckte Kortikosteroide (z. B. orodispersibles Budesonid 1 mg zweimal täglich für 6–12 Wochen).

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Keine Biopsien in der Notfallendoskopie, sondern erst nach 3 MonatenFalsch. Patienten ohne Biopsie gehen häufiger der Nachsorge verloren und haben ein höheres Risiko für erneute Impaktionen.
  • B. Mindestens sechs Biopsien: drei aus dem distalen und drei aus dem mittleren/proximalen ÖsophagusRichtig. Wegen der fleckförmigen Verteilung der Eosinophilen werden mindestens sechs Biopsien aus zwei Etagen empfohlen.
  • C. Zwei Biopsien aus dem distalen Ösophagus reichen ausFalsch. Zu wenige Biopsien aus nur einer Etage verfehlen die fleckförmig verteilte Eosinophilie häufig.
  • D. Biopsien nur aus Magen und Duodenum, da der Ösophagus nach Impaktion nicht beurteilbar istFalsch. Die Diagnose der EoE beruht auf der Ösophagushistologie (≥ 15 Eosinophile/HPF).
  • E. Biopsien nur bei Eosinophilie im BlutbildFalsch. Die periphere Eosinophilie ist für die Diagnose weder notwendig noch ausreichend.

Merke

Verdacht auf EoE: mindestens 6 Ösophagusbiopsien aus 2 Etagen – auch bei der Notfallendoskopie wegen Bolusimpaktion.

Aus der Quelle

„At least six biopsies should be taken, including three biopsies from the distal and three biopsies from middle/proximal esophagus.“

Quellen

  1. Schlager H, Baumann-Durchschein F, Steidl K, et al. Diagnosis and management of eosinophilic esophagitis and esophageal food impaction in adults: a position paper issued by the ÖGGH. Wien Klin Wochenschr 2024;136(Suppl 10):479–499.

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