Analabszess

M2 · M3Schwierigkeit: mittelZuletzt aktualisiert:

Mündliche Prüfung, Station Viszeralchirurgie. Die Prüferin stellt Ihnen einen 38-jährigen, sonst gesunden Patienten vor: „Er kam gestern mit seit 3 Tagen zunehmenden, pochenden Schmerzen am After. Bei 5 Uhr in Steinschnittlage fand sich eine gerötete, fluktuierende, sehr druckdolente Schwellung. Wir haben den perianalen Abszess in Allgemeinanästhesie breit eröffnet und drainiert; eine Fistel war nicht sicher nachweisbar. Heute ist er fieberfrei, die Wunde ist sauber, systemische Entzündungszeichen bestehen nicht, ein Diabetes oder eine Immunsuppression liegen nicht vor.“

Sie sollen die Nachbehandlung festlegen. Welche Maßnahme ist am ehesten angezeigt?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: C. Regelmäßige Spülung der Wunde, z. B. durch Ausduschen mit Leitungswasser, ohne routinemäßige Antibiotikagabe

Die Therapie des Analabszesses ist operativ; nach adäquater Drainage steht die einfache Wundpflege im Vordergrund. Die S3-Leitlinie Analabszess (Version 3.0, 2026) empfiehlt, dafür Sorge zu tragen, dass sich die äußere Drainageöffnung nicht vorzeitig verschließt; die Wunde soll regelmäßig durch Spülung gereinigt werden, wobei Leitungswasser von Trinkwasserqualität ausreicht. Auf eine wiederholte postoperative Wundtamponade soll verzichtet werden (Empfehlungsgrad A). Eine generelle Antibiotikagabe nach adäquater Drainage sollte nicht erfolgen; Ausnahmen sind Immunsuppression, ausgedehnte Weichgewebsinfektionen oder systemische Infektzeichen – all dies liegt bei diesem Patienten nicht vor. Eine intraoperative Fistelsuche sollte allenfalls sehr vorsichtig erfolgen, ein Fistelnachweis nicht erzwungen werden. Die Manometrie liefert laut Leitlinie im akuten Abszessstadium keine zusätzliche, aussagekräftige Information.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Tägliche Wundtamponade mit Gazestreifen bis zur AbheilungFalsch: Auf eine wiederholte postoperative Wundtamponade soll laut S3-Leitlinie verzichtet werden.
  • B. Orale Antibiotikatherapie mit Amoxicillin/Clavulansäure für 7 TageFalsch: Nach adäquater Drainage sollte keine generelle Antibiose erfolgen; Indikationen wie Immunsuppression oder systemische Infektzeichen fehlen.
  • C. Regelmäßige Spülung der Wunde, z. B. durch Ausduschen mit Leitungswasser, ohne routinemäßige AntibiotikagabeRichtig: Die Wunde soll regelmäßig gespült werden (Leitungswasser in Trinkwasserqualität reicht), eine Antibiose ist ohne besondere Risikofaktoren nicht nötig.
  • D. Anorektale Manometrie vor Entlassung zur Beurteilung der SphinkterfunktionFalsch: Die Manometrie ist im akuten Abszessstadium nicht aussagekräftig und liefert keine zusätzliche Information.
  • E. Re-Exploration in Narkose am nächsten Tag mit forcierter Sondierung zur FistelsucheFalsch: Ein Fistelnachweis soll nicht erzwungen werden; eine forcierte Sondierung kann Sphinkter und Gewebe schädigen.

Merke

Nach Analabszess-Drainage: Spülen statt Tamponieren, und keine routinemäßige Antibiose ohne Risikofaktoren oder systemische Infektzeichen.

Aus der Quelle

„Es ist Sorge zu tragen, dass sich die äußere Drainageöffnung nicht vorzeitig verschließt. Der Analbereich und damit die Wunde soll regelmäßig durch Spülung gereinigt werden. Leitungswasser von Trinkwasserqualität ist hierfür ausreichend.“

Quellen

  1. Fritz S, Jaschke G, Ommer A et al. S3-Leitlinie Analabszess, Version 3.0, Mai 2026 (AWMF 088-005), DGAV/DGK.

Originale Übungsfragen, von Medelix auf Grundlage der zitierten Quellen verfasst — keine offiziellen oder ehemaligen Prüfungsfragen (IMPP, MedUni, ÖÄK o. a.). Nur zu Lernzwecken; ersetzt keine ärztliche Beurteilung. So entstehen unsere Prüfungsfragen.