Unkomplizierte Zystitis

M2Schwierigkeit: leichtZuletzt aktualisiert:

Eine 26-jährige Frau kommt in Ihre Hausarztpraxis wegen Brennen beim Wasserlassen und häufigem Harndrang seit gestern. Fieber, Flankenschmerzen und vaginaler Ausfluss bestehen nicht; der Schwangerschaftstest ist negativ. Es ist die erste Episode seit mehreren Jahren, Vorerkrankungen bestehen nicht, sie nimmt keine Medikamente ein. Der Urinstreifentest ist leukozyten- und nitritpositiv. Nach Aufklärung über Verlauf und Alternativen wünscht sie eine antibiotische Behandlung.

Welches Antibiotikum ist am ehesten zu wählen?

Lösung und Erklärung

Richtige Antwort: E. Fosfomycin-Trometamol 3 g als Einmalgabe

Es handelt sich um eine akute unkomplizierte Zystitis bei einer prämenopausalen, nicht schwangeren Frau ohne relevante Begleiterkrankungen; Hinweise auf eine Pyelonephritis (Fieber, Flankenschmerz) fehlen. Die S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen (Version 3.0, 2024) empfiehlt in dieser Situation bei Resistenzraten < 20 % vorzugsweise Fosfomycin-Trometamol, Nitrofurantoin, Nitroxolin, Pivmecillinam oder Trimethoprim (Empfehlungsgrad A). Fosfomycin-Trometamol wird als Einmalgabe von 3000 mg verabreicht. Fluorchinolone und Cephalosporine sollen nicht als Antibiotika der ersten Wahl bei der akuten unkomplizierten Zystitis eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A), u. a. wegen Kollateralschäden und des Risikos für Clostridioides-difficile-Infektionen; Fluorchinolone sind außerdem nur zu verordnen, wenn andere Antibiotika ungeeignet sind. Cotrimoxazol ist laut Leitlinie nicht Mittel der ersten Wahl. Amoxicillin gehört nicht zu den empfohlenen Substanzen. Die Leitlinie nennt bei nicht-geriatrischen Patientinnen auch eine rein symptomatische Therapie als Alternative – hier hat sich die Patientin nach partizipativer Entscheidung jedoch für eine Antibiose entschieden.

Die Antwortoptionen im Einzelnen

  • A. Ciprofloxacin 250 mg 2-mal täglich für 3 TageFalsch: Fluorchinolone sollen nicht als Mittel der ersten Wahl bei unkomplizierter Zystitis eingesetzt werden.
  • B. Cefpodoxim-Proxetil 100 mg 2-mal täglich für 3 TageFalsch: Cephalosporine sollen ebenfalls nicht als Antibiotika der ersten Wahl verwendet werden; Cefpodoxim ist nicht Mittel der ersten Wahl.
  • C. Cotrimoxazol 960 mg 2-mal täglich für 3 TageFalsch: Cotrimoxazol ist laut Leitlinie nicht Mittel der ersten Wahl bei der akuten unkomplizierten Zystitis.
  • D. Amoxicillin 1 g 3-mal täglich für 5 TageFalsch: Amoxicillin gehört nicht zu den empfohlenen Substanzen für die unkomplizierte Zystitis.
  • E. Fosfomycin-Trometamol 3 g als EinmalgabeRichtig: Fosfomycin-Trometamol (3 g einmalig) ist eines der bevorzugten Antibiotika bei unkomplizierter Zystitis der prämenopausalen Frau.

Merke

Unkomplizierte Zystitis der prämenopausalen Frau: Fosfomycin, Nitrofurantoin, Nitroxolin, Pivmecillinam (oder Trimethoprim bei Resistenz < 20 %) – keine Fluorchinolone oder Cephalosporine als erste Wahl.

Aus der Quelle

„Bei Frauen in der Prämenopause ohne sonstige relevante Begleiterkrankungen mit akuter unkomplizierter Zystitis soll bei Resistenzraten <20% vorzugsweise eines der folgenden Antibiotika eingesetzt werden: Fosfomycin-Trometamol, Nitrofurantoin, Nitroxolin, Pivmecillinam, Trimethoprim“

Quellen

  1. S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen (HWI), Version 3.0, April 2024 (AWMF 043-044), DGU.

Originale Übungsfragen, von Medelix auf Grundlage der zitierten Quellen verfasst — keine offiziellen oder ehemaligen Prüfungsfragen (IMPP, MedUni, ÖÄK o. a.). Nur zu Lernzwecken; ersetzt keine ärztliche Beurteilung. So entstehen unsere Prüfungsfragen.