Sprunggelenksdistorsion
Allgemeinmedizin · KPJ · M2Schwierigkeit: leichtZuletzt aktualisiert:
Eine 26-jährige Frau kommt in die Ordination, nachdem sie vor 3 Stunden beim Laufen mit dem rechten Fuß umgeknickt ist (Supinationstrauma). Sie konnte unmittelbar danach gehen und geht auch in der Ordination selbstständig, wenn auch hinkend, mehr als vier Schritte.
Befund: Schwellung und Druckschmerz vor und unterhalb des Außenknöchels über dem Lig. talofibulare anterius. Kein Knochendruckschmerz an der Hinterkante oder Spitze von Außen- oder Innenknöchel (jeweils distale 6 cm), kein Druckschmerz an der Basis des Os metatarsale V oder am Os naviculare. Durchblutung, Motorik und Sensibilität intakt.
Welches Vorgehen ist am ehesten angemessen?
Lösung und Erklärung
Richtige Antwort: C. Keine Bildgebung; funktionelle Behandlung und Wiedervorstellung, falls die Beschwerden nicht abklingen
Nach den Ottawa Ankle Rules ist ein Röntgen des Sprunggelenks nur angezeigt, wenn ein Knochendruckschmerz an der Hinterkante der distalen 6 cm oder an der Spitze eines Malleolus besteht, oder wenn die Patientin unmittelbar nach dem Trauma bzw. bei der Untersuchung keine vier Schritte gehen kann. Eine Röntgenaufnahme des Fußes ist bei Druckschmerz an der Basis des Os metatarsale V oder am Os naviculare angezeigt. Hier ist keines dieser Kriterien erfüllt. Der Druckschmerz über dem vorderen Außenband spricht für eine Distorsion bzw. Bandverletzung, die klinisch diagnostiziert und funktionell behandelt wird. Die Regeln haben eine hohe Sensitivität und einen hohen negativen prädiktiven Wert (in der zitierten Studie für das Sprunggelenk etwa 97 %). So lassen sich unnötige Röntgenaufnahmen und Strahlenbelastung vermeiden. Wenn die Beschwerden nach einigen Tagen nicht abklingen, wird neu beurteilt. Eine MRT oder CT ist in der Primärversorgung einer unkomplizierten Distorsion nicht indiziert.
Die Antwortoptionen im Einzelnen
- A. Röntgen des oberen Sprunggelenks in 2 EbenenFalsch: Kein Kriterium der Ottawa Ankle Rules ist erfüllt, ein Röntgen wäre daher unnötig.
- B. MRT des Sprunggelenks zum Ausschluss einer BandrupturFalsch: Eine Bandverletzung wird klinisch diagnostiziert und zunächst funktionell behandelt. Eine MRT ist in der Akutphase nicht erforderlich.
- C. Keine Bildgebung; funktionelle Behandlung und Wiedervorstellung, falls die Beschwerden nicht abklingenRichtig: Die Ottawa-Kriterien sind negativ, daher ist keine Bildgebung nötig. Die Behandlung erfolgt funktionell mit Wiedervorstellung bei ausbleibender Besserung.
- D. Unterschenkelgips für 6 Wochen ohne BildgebungFalsch: Eine längere Gipsruhigstellung ist bei einer Distorsion nicht indiziert und verzögert die Rehabilitation.
- E. CT des SprunggelenksFalsch: Eine CT ist für komplexe Frakturen gedacht und ohne Frakturhinweis eine unnötige Strahlenbelastung.
Merke
Sind die Ottawa Ankle Rules negativ (kein Knochendruckschmerz an Malleolen, Os naviculare oder Basis MT V, vier Schritte möglich), ist kein Röntgen nötig.
Aus der Quelle
„ankle radiographs are indicated if there is pain on the posterior edge of distal 6 cm or on the tip of the either malleoli; and / or inability to bear weight immidiately after injury or to take four steps“