Präoperative Evaluation erwachsener Patientinnen und Patienten vor elektiven, nicht herz-thoraxchirurgischen Eingriffen

DGAI/DGIM/DGCH · 2024 · Deutschland

Quelle und Lizenz

Autorinnen und Autoren
Christian Zöllner, Andreas Böhmer, Deutsche Gesellschaft für Chirurgie et al.
Titel
Präoperative Evaluation erwachsener Patientinnen und Patienten vor elektiven, nicht herz-thoraxchirurgischen Eingriffen
Zeitschrift
Die Anaesthesiologie, 2024
Lizenz
CC BY 4.0
Änderungen
Auszüge im Originalwortlaut, Formatierung angepasst

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Empfehlungen

Im Originalwortlaut, mit Empfehlungsgrad oder Konsensstärke, soweit angegeben.

A.1.1.5 Frailty.

  • Alle PatientInnen zur präoperativen Evaluation vor elektiven Eingriffen SOLLEN eine akkurate Anamnese und körperliche Untersuchung einschließlich der Auskultation von Herz und Lunge erhalten.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Die präoperative Evaluation SOLLTE zum gleichen Zeitpunkt mit der chirurgischen Aufklärung erfolgen [5, 6].Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑
  • Bei PatientInnen über 70 Jahren KANN Frailty präoperativ bei Eingriffen mit mittlerem und hohem eingriffsbezogenem Risiko erfasst werden [5, 6].Empfehlungsgrad: 0; Empfehlungsgrad: ⇔
  • PatientInnen mit Frailty benötigen ein adjustiertes perioperatives Management, in dem partizipative Entscheidungsfindung, Prähabilitation und Delirprävention eine vorrangige Rolle spielen SOLLTEN.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑
  • Medizinisches Personal SOLLTE hinsichtlich der Bedeutung von Frailty und über entsprechende Behandlungskonzepte geschult werden.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑

A.1.3.2 Fast Track Chirurgie.

  • Intensivierte Prähabilitationsmaßnahmen KÖNNEN präoperativ in Erwägung gezogen werden.Empfehlungsgrad: 0; Empfehlungsgrad: ⇔
  • Präoperativ SOLLTEN Nikotin- und Alkoholkarenz, ausgewogene Ernährung sowie körperliche Aktivität empfohlen werden.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑
  • Ein Fast Track- oder Multimodales Perioperatives Behandlungskonzept SOLL präoperativ begonnen werden.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑

A.1.4.2 Fernaufklärung.

  • Individualisierte Anweisungen zur medikamentösen Therapie für PatientInnen SOLLEN präoperativ in verbaler und schriftlicher Form erfolgen [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Bei einfachen chirurgischen Eingriffen KANN in Erwägung gezogen werden, die präoperative Aufklärung als Fernaufklärung durchzuführen.Empfehlungsgrad: 0; Empfehlungsgrad: ⇔

A.2.1 Perioperatives kardiovaskuläres Risiko

  • Das Vorliegen einer akut-symptomatischen Herzerkrankung SOLL vor einer geplanten Operation ausgeschlossen werden.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Präoperativ SOLLTE bekannt sein, ob und welche Risikofaktoren des Lee-Index vorliegen.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑
  • Die reduzierte körperliche Belastbarkeit und bei über 65-jährigen PatientInnen eine chronische Niereninsuffizienz oder Anämie SOLLEN ebenfalls vor einem elektiven Eingriff ausgeschlossen werden.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Insb. vor Operationen mit mittlerem und hohem eingriffsbezogenen Risiko SOLLTE die Selbsteinschätzung der PatientInnen nach der körperlichen Belastbarkeit beim Steigen von Zwei-Etagen-Treppen erfragt werden.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑

A.2.2 Perioperatives pulmonales Risiko

  • Bei lungengesunden PatientInnen SOLLEN apparative Verfahren zur pulmonalen Diagnostik NICHT zum Einsatz kommen.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇓⇓
  • ARISCAT eignet sich zur Vorhersage postoperativer pulmonaler Komplikationen und SOLL bei PatientInnen mit pulmonalen Erkrankungen erhoben werden.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Der STOP-BANG Fragebogen sollte zur Identifizierung von OSA Patienten und zur Einschätzung des postoperativen pulmonalen Risikos angewandt werden.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑

A.2.3.2 Perioperative kognitive Störungen: Postoperatives Delir und postoperative kognitive Dysfunktion.

  • Das individuelle Risiko für einen perioperativen Schlaganfall oder eine neurokognitive Störung SOLL präoperativ evaluiert werden.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • PatientInnen mit einem postoperativ erhöhten Risiko für einen Schlaganfall oder eine neurokognitive Störung KÖNNEN präoperativ einem validierten Screening unterzogen werden.Empfehlungsgrad: 0; Empfehlungsgrad: ⇔
  • Der Abstand zwischen einem stattgehabten Schlaganfall und einer elektiven Operation SOLL > 9 Monate betragen.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑

B.1.1 Blutuntersuchungen

  • Die routinemäßige Blutuntersuchung SOLL NICHT durchgeführt werden.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇓⇓
  • Bei bekannten Organerkrankungen SOLL ein Minimalstandard der Blutuntersuchung durchgeführt werden.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Das Serum-Kreatinin SOLLTE bei Operationen mit hohem eingriffsbezogenen Risiko bekannt sein.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑

B.1.2 Kardiale Biomarker

  • Bei PatientInnen mit präoperativ bekannten kardiovaskulären Risiken, Symptomen oder Erkrankungen SOLLTE die Bestimmung des „High-sensitivity cardiac troponin T/I (Hs-cTn T/I)“ präoperativ und 24/48 h postoperativ bei elektiven Operationen mit mittlerem und hohem eingriffsbezogenen Risiko durchgeführt werden.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑
  • Bei PatientInnen mit bekannten präoperativ kardiovaskulären Risiken, Symptomen oder Erkrankungen KANN die Bestimmung des „BNP“ oder „NT-proBNP“ präoperativ vor Operationen mit mittlerem und hohem eingriffsbezogenen Risiko erwogen werden.Empfehlungsgrad: 0; Empfehlungsgrad: ⇔
  • Bei PatientInnen mit niedrigem Risiko, die sich einer elektiven Operation mit niedrigem oder mittlerem eingriffsbezogenen Risiko unterziehen, SOLL die Bestimmung des Hs-cTn T/I oder BNP/NT-proBNP NICHT durchgeführt werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇓⇓

B.2.1 12-Kanal EKG

  • Bei PatientInnen mit bekannter kardiovaskulärer Erkrankung oder mindestens einem kardiovaskulären Risikofaktor oder Symptomen bzw. Befunden, die auf eine kardiovaskuläre Erkrankung hinweisen, SOLLTE präoperativ vor Operationen mit mittlerem und hohem eingriffsbezogenen Risiko ein 12-Kanal EKG durchgeführt werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑

B.2.2.1 Transthorakale Doppler-Echokardiographie.

  • Die TTE SOLL bei PatientInnen mit neu aufgetretenem Herzgeräusch und Symptomen kardiovaskulärer Erkrankungen oder bei Dyspnoe und/oder peripheren Oedemen und hohem NT-proBNP/BNP vor Operationen durchgeführt werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Eine stabile Herzinsuffizienz oder eine vermutete bzw. nachgewiesene ischämische Herzerkrankung (KHK) SOLLTEN NICHT allein durch eine präoperative Echokardiographie abgeklärt werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇓
  • Die Routineevaluation der linksventrikulären Funktion SOLL NICHT durchgeführt werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇓⇓
  • Die TTE KANN bei PatientInnen mit eingeschränkter kardiovaskulärer Funktion, pathologischem EKG, hohem NT-proBNP/BNP oder mindestens einem kardialen Risikofaktor vor Operationen mit mittlerem eingriffsbezogenen Risiko erwogen werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: 0; Empfehlungsgrad: ⇔

B.2.2.2 Doppler-Sonographie der Halsgefäße.

  • PatientInnen, die in den letzten 6 Monaten Symptome hatten, die auf eine Stenose der Aa. carotides hinweisen, SOLLTEN präoperativ einer Diagnostik (Sonographie) zugeführt werden.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑
  • Für PatientInnen mit Verschluss der Aa. carotides, die sich einer elektiven Operation unterziehen müssen, SOLLTEN die gleichen Indikationen zur Revaskularisierung wie für PatientInnen ohne operativen Eingriff gelten.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑

B.2.3.1 Nichtinvasive Untersuchungen zur Diagnostik einer myokardialen Ischämie.

  • Eine bildgebende Ischämiediagnostik SOLL routinemäßig präoperativ NICHT durchgeführt werden.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇓⇓
  • Eine bildgebende Ischämiediagnostik SOLL vor Operationen mit hohem eingriffsbezogenen Risiko und eingeschränkter Belastbarkeit und hoher Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer koronaren Herzerkrankung erfolgen [5, 6].Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Eine bildgebende Ischämiediagnostik SOLLTE vor Operationen mit hohem eingriffsbezogenen Risiko bei asymptomatischen PatientInnen, eingeschränkter Belastbarkeit und vorangegangener PCI bzw. ACB-Operation durchgeführt werden [5, 6].Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑

B.2.3.2 Nichtinvasive (Kardio-CT) und invasive Koronardiagnostik (Koronarangiographie).

  • Die Kardio-CT-Diagnostik KANN bei PatientInnen mit niedrigem bzw. intermediärem Risiko für das Vorliegen eines chronischen Koronarsyndroms oder bei PatientInnen, die ungeeignet sind für bildgebende Belastungstests, vor Operationen mit mittlerem bis hohem eingriffsbezogenen Risiko als Ausschluss-Diagnostik erwogen werden [5, 6].Empfehlungsgrad: 0; Empfehlungsgrad: ⇔
  • Die Indikation für die invasive Koronardiagnostik soll präoperativ nach den gleichen Empfehlungen erfolgen wie im nichtoperativen Bereich [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Die präoperative Koronarangiographie KANN bei PatientInnen mit chronischem Koronarsyndrom, die sich einer elektiven asymptomatischen Karotis-Endarterektomie unterziehen müssen, erwogen werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: 0; Empfehlungsgrad: ⇔
  • Bei PatientInnen mit stabilem chronischen Koronarsyndrom SOLL eine routinemäßige präoperative Koronarangiographie für Operationen mit niedrigem oder mittlerem eingriffsbezogenen Risiko NICHT indiziert werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇓⇓

B.3.2 Lungenfunktionsuntersuchungen

  • Bei lungengesunden PatientInnen SOLLEN apparative Verfahren zur pulmonalen Diagnostik routinemäßig NICHT zum Einsatz kommen.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇓⇓
  • Röntgenaufnahmen des Thorax SOLLEN bei PatientInnen mit pulmonalen Verdachtsdiagnosen, die das perioperative Vorgehen verändern, durchgeführt werden.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑

C.1.6 Digitalis-Glykoside

  • Der präoperative Neubeginn einer Therapie mit β‑Rezeptorantagonisten bei PatientInnen mit > 2 Risikofaktoren für kardiovaskuläre Ereignisse, die sich einer Operation mit hohem eingriffsbezogenen Risiko unterziehen müssen, KANN erwogen werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: 0; Empfehlungsgrad: ⇔
  • Der präoperative Neubeginn einer Therapie mit β‑Rezeptorantagonisten KANN bei PatientInnen mit KHK und Myokardischämie unter Belastung erwogen werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: 0; Empfehlungsgrad: ⇔
  • Der routinemäßige Neubeginn einer Therapie mit β‑Rezeptorantagonisten präoperativ SOLL NICHT durchgeführt werden.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇓⇓
  • Die präoperative Fortführung der Therapie mit β‑Rezeptorantagonisten SOLL durchgeführt werden.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Die Unterbrechung der Gabe von Diuretika am Operationstag KANN erwogen werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: 0; Empfehlungsgrad: ⇔
  • Die Gabe von ACEI/ARB SOLLTEN am OP-Tag pausiert werden.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑

C.2.1 Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Inhibitoren

  • SGLT-2-Inhibitoren SOLLTEN bei Operationen mit niedrigem eingriffsbezogenen Risiko mindestens 24–48 h und Operationen mit mittlerem und hohem eingriffsbezogenen Risiko mindestens 72 h präoperativ pausiert werden.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑
  • Sulfonylharnstoffe und -analoga, GLP-1-Analoga und Alpha-Glucosidase-Hemmer SOLLTEN am Tag der Operation pausiert werden. Bei GLP-1-Agonisten, die nur einmal pro Woche verabreicht werden, sollte der letzte Applikationszeitpunkt des Medikamentes eine Woche vor der geplanten Operation liegen.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑
  • Metformin SOLLTE bei Operationen mit niedrigem oder mittlerem eingriffsbezogenen Risiko für Gewebshypoxie, Leber- oder Niereninsuffizienz bis zum Vorabend vor der Operation fortgeführt werden.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑
  • Metformin SOLL bei Operationen mit hohem eingriffsbezogenen Risiko für Gewebshypoxie, Leber- oder Niereninsuffizienz 48 h präoperativ pausiert werden.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑

C.3 HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren (Statine)

  • Bei PatientInnen, bei denen eine Statintherapie besteht, SOLL diese Therapie perioperativ fortgesetzt werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Bei PatientInnen, bei denen, unabhängig vom operativen Eingriff, eine Indikation für eine Statintherapie besteht, SOLLTE bereits präoperativ der Beginn einer Statintherapie erwogen werden.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑

C.4.3.1 Duale Thrombozytenaggregationshemmung.

  • Es wird empfohlen, bei Patientinnen und Patienten innerhalb der ersten 6 Monate nach perkutaner koronarer Intervention oder innerhalb von 12 Monaten nach akutem Koronarsyndrom und medikamentöser Therapie mit dualer Thrombozytenaggregationshemmung keine elektiven operativen Eingriffe durchzuführen E60 [5, 6, 10, 80, 142]. Neue Daten zeigen, dass die Implantation moderner Koronarstents, in Kombination mit einer dualen Thrombozytenaggregationshemmung für 1–3 Monate, das Risiko für MACE und Stentthrombosen deutlich reduziert. Aus diesem Grund kann bei Patientinnen und Patienten eine zeitkritische elektive Operation mit niedrigem oder mittlerem eingriffsbezogenen Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse frühestens 1 Monat und bei hohem eingriffsspezifischen Risiko frühestens 3 Monate nach Beginn der Therapie mit Thrombozytenaggregationshemmern erwogen werden [5, 6, 10].
  • Bei kleinen und mittleren chirurgischen Eingriffen KANN die Gabe von Vitamin-K-Antagonisten fortgeführt werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: 0; Empfehlungsgrad: ⇔
  • Bei großen chirurgischen Eingriffen SOLL die Applikation von Vitamin-K-Antagonisten unterbrochen werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Operationen mit niedrigem eingriffsbezogenen Blutungsrisiko SOLLEN 12–24 h nach letzter Einnahme eines DOAK durchgeführt werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Die Gabe von DOAK SOLL bei Operationen mit mittlerem eingriffsbezogenen Blutungsrisiko in Abhängigkeit von der Nierenfunktion für > 24–48 h unterbrochen werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Die Gabe von DOAK SOLL bei Operationen mit hohem eingriffsbezogenen Blutungsrisiko in Abhängigkeit von der Nierenfunktion für > 48–96 h unterbrochen werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Die perioperative Gabe von ASS SOLL fortgesetzt werden, wenn das Blutungsrisiko kalkulierbar ist.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Bei Operationen mit hohem eingriffsbezogenen Blutungsrisiko SOLL die Gabe von ASS 7 Tage präoperativ abgesetzt werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Elektive, nicht herz-thoraxchirurgische Operationen SOLLEN um 6 Monate nach elektiver Koronarintervention und 12 Monate nach akutem Koronarsyndrom und medikamentöser Therapie mit dualer Thrombozytenaggregationshemmung verschoben werden [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑
  • Die Unterbrechung der Therapie mit P2Y12-Inhibitoren SOLL vor elektiven operativen Eingriffen bei Ticagrelor für 3–5 Tage, Clopidogrel für 5 Tage und Prasugrel für 7 Tage erfolgen [5, 6, 10].Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑

C.4.4.6 Antikonvulsiva.

  • Eine Dauermedikation mit Psychopharmaka SOLLTE fortgeführt werden.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑
  • Ein Austausch von irreversiblen MAO-Inhibitoren durch reversible MAO-Inhibitoren KANN präoperativ erfolgen.Empfehlungsgrad: 0; Empfehlungsgrad: ⇔
  • Eine Dauermedikation mit Lithium SOLLTE 72 h vor Operationen pausiert werden.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑
  • Die antikonvulsive Dauermedikation soll im therapeutischen Bereich vor elektiven Eingriffen fortgeführt werden.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑

C.5 Anti-Parkinson Medikamente

  • Die Dauermedikation bei Morbus Parkinson SOLL auch am OP-Tag fortgeführt werden.Empfehlungsgrad: A; Empfehlungsgrad: ⇑⇑

C.6 Kortikosteroide

  • Eine Dauermedikation mit Kortikosteroiden SOLLTE fortgeführt werden.Empfehlungsgrad: B; Empfehlungsgrad: ⇑
  • PatientInnen mit einer Kortikosteroid-Dauermedikation KÖNNEN perioperativ zusätzlich eine Cortisonsubstitution erhalten.Empfehlungsgrad: 0; Empfehlungsgrad: ⇔

Zusammenfassung

Die 70 Empfehlungen fassen den aktuellen Stand der präoperativen Risikoevaluation von erwachsenen Patientinnen und Patienten vor elektiven, nicht herz-thoraxchirurgischen Eingriffen zusammen. Basierend auf den gemeinsamen Publikationen der deutschen wissenschaftlichen Fachgesellschaften für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI), Chirurgie (DGCH) und Innere Medizin (DGIM), die erstmals im Jahr 2010 publiziert und 2017 aktualisiert wurden, sowie der 2022 publizierten europäischen Leitlinie zur präoperativen kardialen Risikoevaluation, findet eine umfassende Neubewertung der Empfehlungen unter Berücksichtigung neuer Erkenntnisse, der aktuellen Literatur sowie aktueller Leitlinien internationaler Fachgesellschaften statt. Die überarbeiteten, fachübergreifenden Empfehlungen sollen ein strukturiertes und gemeinsames Vorgehen in der präoperativen Evaluation der Patientinnen und Patienten ermöglichen. Ziel ist es, eine für die Patientin und den Patienten individualisierte Vorbereitung vor dem operativen Eingriff sicherzustellen und hierdurch die Patientinnen- und Patientensicherheit zu erhöhen. Unter Berücksichtigung eingriffs- und patientinnen- und patientenspezifischer Faktoren, die in der präoperativen Risikoevaluation unabdingbar sind, soll das perioperative Risiko für die Patientin und den Patienten minimiert und die Sicherheit erhöht werden. Die Handlungsempfehlungen sind unter „Allgemeine Prinzipien (A)“, „Erweiterte Diagnostik (B)“ und dem „Präoperativen Umgang mit der Dauermedikation (C)“ zusammengefasst. Erstmals wurde in den vorliegenden Empfehlungen eine Wertung der Einzelmaßnahmen hinsichtlich ihrer klinischen Relevanz gegeben. Durch eine gemeinsame und transparente Absprache sollen eine hohe Patientinnen- und Patientenorientierung unter Vermeidung unnötiger Voruntersuchungen gewährleistet, präoperative Untersuchungsabläufe verkürzt sowie letztlich Kosten eingespart werden. Die gemeinsamen Empfehlungen von DGAI, DGCH und DGIM spiegeln den gegenwärtigen Kenntnisstand sowie die Meinung von Experten wider. Die Empfehlung ersetzt nicht die individualisierte Entscheidung zwischen Patientin und Patient und Ärztin und Arzt über die beste präoperative Strategie und Behandlung.

Inhalt der Originalpublikation

Die Kapitelüberschriften des Originals.

  • Infobox Interdisziplinäre Empfehlung
  • Präambel
  • Konsensuseinstufung
  • A. Allgemeine Prinzipien
  • A.1 Präoperative Evaluation
  • A.2 Einschätzung des perioperativen Risikos
  • B. Erweiterte Diagnostik
  • B.1 Allgemeine Untersuchungen
  • B.2 Diagnostik bei Patientinnen und Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen
  • B.3 Diagnostik bei Patientinnen und Patienten mit pulmonalen Vorerkrankungen
  • C. Präoperativer Umgang mit der Dauermedikation
  • C.1 Kreislaufwirksame Pharmaka
  • C.2 Antidiabetika
  • C.3 HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren (Statine)
  • C.4 Antikoagulantien
  • C.5 Anti-Parkinson Medikamente
  • C.6 Kortikosteroide
  • C.7 Analgetika und Co-Analgetika
  • C.8 Opioidabhängigkeit und Substanzen zur Behandlung von Substanzabhängigkeit
  • D. Schlussbemerkung

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