Positionspapier: Operation und Diabetes mellitus (Update 2023)

ÖDG · 2023 · Österreich

Quelle und Lizenz

Autorinnen und Autoren
Antonia-Therese Kietaibl, Joakim Huber, Martin Clodi et al.
Titel
Positionspapier: Operation und Diabetes mellitus (Update 2023)
Zeitschrift
Wiener Klinische Wochenschrift, 2023
Lizenz
CC BY 4.0
Änderungen
Auszüge im Originalwortlaut, Formatierung angepasst

Volltext abgerufen am 2026-10-27 aus Europe PMC · PMC10133078

Lizenzhinweis der Originalpublikation

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Empfehlungen

Im Originalwortlaut, mit Empfehlungsgrad oder Konsensstärke, soweit angegeben.

Empfehlungen

  • Menschen mit Diabetes mellitus haben ein höheres Risiko für Begleiterkrankungen als gleichaltrige Menschen ohne Diabetes. Das Risiko für Multimorbidität steigt allgemein mit dem Lebensalter und insbesondere mit der Diabetesdauer. Zu erwartende Begleiterkrankungen betreffen insbesondere das kardiovaskuläre System, Nieren, die Nerven und Sinnesorgane. Weiters bestehen häufig Zusatzerkrankungen im Sinne des metabolischen SyndromsEmpfehlungsgrad I, Evidenzklasse A
  • Präoperative Untersuchungen sind in Abhängigkeit vom Umfang der geplanten Operation bzw. des Gesundheitsstatus der Patient:innen in enger Kooperation mit Anästhesist:innen und Chirurg:innen zu erhebenEmpfehlungsgrad I, Evidenzklasse C
  • Präoperativ sollte prinzipiell ein HbA1c-Wert von 7 % bzw. darunter angestrebt werden. Bei Patient:innen, bei welchen eine derartig strikte Stoffwechselkontrolle nicht erzielbar bzw. aufgrund von begleitender Multimorbidität und fortgeschrittenem Alter nicht geboten ist, sollte der HbA1c-Wert vor geplanten Operationen zumindest unter 8 % liegen. Operationen bei HbA1c-Werten von über 10 % sollten nur bei vitaler bzw. dringlicher Operationsindikation durchgeführt werdenEmpfehlungsgrad IIb, Evidenzklasse C
  • Generell sollen orale Antidiabetika am Tag der Operation (zumeist morgens) pausiert werden. Für Metformin wird bei Menschen mit Diabetes ohne Nierenfunktionseinschränkung ein Pausieren am Operationstag empfohlen, bei Nierenfunktionseinschränkung mit Akkumulationsgefahr 24 bis 48 h präoperativ. SGLT‑2 Inhibitoren bei Menschen mit DMT2 sollen vor größeren, langdauernden Eingriffen in Allgemeinnarkose sowie bei perioperativer Insulindosisreduktion 72 h präoperativ, bei kurzdauernden Eingriffen in Regionalanästhesie zumindest 48 h und bei notfallmäßigen Operationen so zeitnah wie möglich pausiert werden. Ein Wiederbeginn der Therapie ist erst nach Stabilisierung der klinischen Akutsituation, Abklingen allfälliger Entzündungen und Normalisierung der Nierenfunktion zulässig. Bei kurzen operativen Eingriffen kann die orale Therapie nach unkompliziertem chirurgischen Verlauf und Aufnahme der Nahrungszufuhr wieder angesetzt werden. Bei längeren Operationen sollte frühestens am ersten postoperativen Tag die orale antidiabetische Therapie wiederverordnet werden. Eine Kontrolle der Nierenfunktionsparameter vor neuerlicher Gabe von Metformin ist dabei erforderlichEmpfehlungsgrad IIa, Evidenzklasse C
  • Insulinpräparate sind perioperativ (vor allem bei schweren und längeren Eingriffen mit protrahierter intensivmedizinischer Betreuung) derzeit die einzige therapeutische Option, um Blutzuckerwertewerte zu kontrollierenEmpfehlungsgrad I, Evidenzklasse C
  • Ziele der perioperativen Glukosekontrolle sind das strikte Vermeiden schwerer Hypoglykämien und ausgeprägter hyperglykämischer Stoffwechselentgleisung mit Blutglukosewerten zwischen 80 und 180 mg/dl. Bei kritisch Kranken (auf Intensivstationen) erfordern Blutglukosewerte über 180 mg/dl die Initialisierung einer kontinuierlichen, intravenösen Insulintherapie, unter welcher in weiterer Folge die Blutglukose zwischen 140 und 180 mg/dl gehalten werden sollEmpfehlungsgrad I, Evidenzklasse A
  • Auf Normalstationen sollen perioperativ Blutzuckerwerte zwischen 80 und 180 mg/dl angestrebt werden. Blutzuckerwerte über 180 mg/dl sind zu vermeiden bzw. über 200 mg/dl mittels Insulingabe zu therapierenEmpfehlungsgrad IIa, Evidenzklasse C
  • Der Einsatz von kontinuierlichen Glukosemesssystemen (CGM) im perioperativen Management kann derzeit nicht generell empfohlen werden. Potenziell interferierende Faktoren der CGM-Messgenauigkeit sowie die fehlende Zulassung in Österreich kommerziell erhältlicher Systeme für diese Indikation müssen beachtet werden. Ein Vorteil könnte bei Systemen mit Alarmfunktion in der Erkennung von bei punktuellen Messungen unerkannten Hypoglykämien liegen.Empfehlungsgrad IIb, Evidenzklasse C
  • Bezüglich der perioperativen Insulinpumpentherapie (CSII) soll immer in Abhängigkeit von der Schwere und Dauer des geplanten Eingriffs, Vigilanz der Patient:innen und potenziellen Flüssigkeitsverschiebungen entschieden werden. Bei großen bzw. langdauernden (> 2 h) Operationen soll auf eine intravenöse Insulininfusion umgestellt werden, während bei kurzdauernden (< 2 h), elektiven Eingriffen eine Fortführung der CSII denkbar ist.Empfehlungsgrad IIa, Evidenzklasse C
  • Der perioperative Stellenwert von subkutanen automatisierten Insulinzufuhrsystemen (automated insulin delievery, AID) bzw. Hybrid closed-loop Systemen ist derzeit unzureichend durch Evidenz belegt. Auf individueller Entscheidungsbasis mit den behandelnden Teams der Anästhesiologie und Chirurgie werden im klinischen Alltag vorhandene Systeme bereits teilweise belassen und fortgeführt.Empfehlungsgrad IIb, Evidenzklasse C
  • Der Einsatz künstlicher Intelligenz (AI) könnte zukünftig im perioperativen Diabetesmanagement (z. B. Bedside-Pankreassysteme mit stabiler glykämischer Lage) denkbar sein, jedoch ist aus derzeitiger Evidenzlage und Zulassungssituation eine Empfehlung nicht möglich.Empfehlungsgrad IIb, Evidenzklasse C

Zusammenfassung

Das vorliegende Positionspapier beschreibt die Sicht der Österreichischen Diabetes Gesellschaft hinsichtlich des perioperativen Managements von Menschen mit Diabetes mellitus auf Basis der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz. Dabei wird Bezug genommen auf die präoperative Begutachtung und Vorbereitung sowie auf die perioperative Stoffwechselkontrolle mittels oraler Antidiabetika und/oder injektabler Therapie (Insulin‑/GLP-1-RA-therapie).

Inhalt der Originalpublikation

Die Kapitelüberschriften des Originals.

  • Einleitung und Vorbemerkung
  • Präoperative Evaluierung
  • Präoperative Stoffwechselkontrolle
  • Perioperative Stoffwechselkontrolle & Komplikationen
  • Perioperative medikamentöse Diabetestherapie
  • Biguanide: Metformin
  • Inkretin-basierte Therapien
  • Sodium Glukose Co-Transporter-2 (SGLT-2)-Inhibitoren
  • Peroxisom-Proliferator-aktivierter Rezeptor (PPAR)-y Agonist: Pioglitazon
  • Insulinsekretagoga: Sulfonylharnstoffe und Glinide
  • Insulintherapie
  • Perioperative Insulinpumpentherapie & Künstliche Pankreassysteme
  • Zusatzmedikation
  • Empfehlungen

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